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... und der Zirkus geht weiter

Bei der 40. Jubiläumsshow des Folberner Carneval Vereins erinnern sich Carmen und Wolfgang Pietzsch an ihre Zeit als Prinzenpaar.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

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Großenhain. Wenn Carmen Pietzsch auf das historische Bild an der Wand in der Remontehalle schaut, weiß sie noch ziemlich genau, wie die dort abgebildeten Husarenkostüme der Kindergarde entstanden sind: „Ich habe sie zugeschnitten, und die Eltern haben sie dann genäht“, blickt die bekannte Großenhainerin zurück. Mit der späteren Folberner Bürgermeisterin Hannelore Sommer war sie für die Kindernummern beim Karneval zuständig. Das war in den Anfangsjahren der hiesigen Faschingsbewegung. Carmen und Wolfgang Pietzsch wurden zum ersten Prinzenpaar und sind deshalb auch zur Jubiläumssaison Gäste, zumal der Konditormeister Ehrenmitglied des Vereins ist. Beide tragen Narrenkappen aus der DDR. Damals, Ende der 70er und in den 80er Jahren, waren Kinder abends auf der Faschingsbühne allerdings noch nicht so richtig gewollt. Die sollten eher im Bett liegen. „Aber wir waren schon damals eine Familiengruppe, unser Nachwuchs musste mit, wenn wir in Blattersleben oder Thiendorf Auftritt hatten“, erzählen die Pietzschs. Ihre vier Kinder Peggy, Patrick, Alexander und Christian machten alle in der Kindergarde mit. Bis zur Wende war die Familie eifrig dabei, dann ließen es ihr Café und die Bäckerei nicht mehr zu. „Es war eine schöne Zeit, wir haben uns lustige Nummern ausgedacht“, erzählt Carmen Pietzsch schmunzelnd. Ihr Mann hatte einen Lkw und konnte Kulissen und Kostüme transportieren. „Es war immer eine Herausforderung, für alle alles einzupacken.“

Carmen und Wolfgang Pietzsch waren das FCV-Prinzenpaar der ersten Stunde.
Carmen und Wolfgang Pietzsch waren das FCV-Prinzenpaar der ersten Stunde. © Kathrin Krüger-Mlaouhia
Dieter Riemer macht als „Trumpelstilzchen“ in der Jubiläumsshow eine gute Figur – flankiert von jungen Bodyguards.
Dieter Riemer macht als „Trumpelstilzchen“ in der Jubiläumsshow eine gute Figur – flankiert von jungen Bodyguards. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Carmen Pietzsch gehörte selbst zur Frauengarde, war einmal sogar Tambourmajor. Sie war damals Anfang 20, ihr Wolfgang etwas älter. Ihr Prinzessinnenkleid sei ihr Verlobungskleid gewesen, weil es da noch nichts gab. „Alle unsere Kostüme haben wir später allein geschneidert“, erzählt sie. In der Lautex ließ man sich Stoff färben. Zipfelmützen für Zwerge wurden aus hellblauem Velours genäht und dann ausgestopft. Carmen war der Oberzwerg.

Einmal sei eine Nebelmaschine mit Glyzerin auf der Bühne zum Einsatz gekommen. Das war nicht ungefährlich. Wolfgang Pietzsch und Achim Sommer spielten zudem Stasi-Offiziere – das Faschingsprogramm war damals sehr politisch-kritisch. Doch ungewollt rutschten beide auf dem ausgelaufenen Glyzerin aus. „Die Leute lachten sehr, denn sie glaubten, das ist so gewollt“, weiß Wolfgang Pietsch noch. Auch Gerhard Enger rutschte aus und kam nicht wieder hoch. Aber schlimmer sei das vierkantige EDV-Konfetti gewesen, das bei den Faschingsumzügen in Plessa und Radeburg zum Einsatz kam. „Das konnte man schnell ins Auge kriegen.“ In Plessa wurden mal große saure Gurken vom Umzugswagen in die Zuschauermenge geworfen. Eine landete an einem Fenster. „Hoffentlich schmeißen sie sie nicht zurück“, dachten die Narren damals. Beim Radeburger Umzug wurde einmal das Prinzenpaar in einer Sänfte auf einem Wagen von Ponys gezogen. „Wir hatten schon damals einen guten Zusammenhalt“, sagen die Pietzschs.

Das ist beim FCV bis heute geblieben. Ihr aktuelles Jubiläumsprogramm haben die Narren seit dem Vorjahr noch einmal etwas umgekrempelt. Jetzt suchen die Kinder Paul, Tim und Philipp als Jury das Superhobby der Jüngsten. Da kommt so manche nette Bewerbung. Das „Danke, wir beraten uns“ von Jurymitglied DJ Phil bringt das Publikum in Laune. Präsident Dieter Riemer macht einen auf Donald Trump und holt die Männer zum Mauerbau nach Mexiko. Die drei Jungs eskortieren ihn als coole Bodyguards. Mit AC/DC-Musik kamen sie auf die Bühne. So bringt auch das „Trumpelstilzchen“ Stimmung in den Saal. Eine weitere neue, originelle Nummer ist die Rollatorbrigade der Frauengarde. Sie zeigt, dass sie nicht nur Tanzen im Sitzen kann, sondern auch Rock ’n’ Roll. Doch dann kommt die rabiate Oberschwester aus dem betreuten Wohnen ...

Hutball: 10. Februar Remontehalle, Abschlussveranstaltung: 17. Februar. Weiberfasching: 8. Februar im Schützenhaus, Kinderfasching: 13. Februar Remontehalle.