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1 000 Auserwählte bilden Spalier für Merkel und Bush

Staatsbesuch. Seit gestern herrscht in Stralsund und Heiligendamm die höchste Sicherheitsstufe.

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Laage/Stralsund. US-Präsident George W. Bush ist zu seinem dritten Besuch in Deutschland eingetroffen. Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff (SPD), hieß Bush und seine Frau Laura herzlich willkommen. Er geleitete sie zum bereitstehenden Helikopter, mit dem das Ehepaar ins Ostseebad Heiligendamm flog, wo sie bis zur Abreise am Freitag im „Grand Hotel“ übernachten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Bush in ihren Wahlkreis im Nordosten eingeladen hatte, wird ihren Gast heute in Stralsund begrüßen. Beide wollen in mehreren Gesprächen im Laufe des Tages über die aktuellen internationalen Krisen sprechen. Dabei sucht die Kanzlerin eine enge Abstimmung mit Bush.

Merkel will dem US-Präsidenten heute den Alten Markt und die Nikolaikirche der Weltkulturerbe-Stadt Stralsund zeigen. Dabei werden ihn in der abgeriegelten Altstadt – anders als im gespenstisch leeren Mainz vor eineinhalb Jahren – auch gut 700 ausgesuchte Bürger sowie 230 Bundeswehrsoldaten sehen können. Im Rathaus ist ein mehr als eineinhalbstündiges Gespräch der beiden Regierungschefs geplant. Am Abend hat Merkel Bush zu einem Grillfest in das Dorf Trinwillershagen eingeladen. Daran werden 60 Gäste aus der Region teilnehmen, die nach der Wende in der Politik oder Wirtschaft Karriere gemacht haben. Bush hatte sich gewünscht, solche Menschen kennen zu lernen. Ministerpräsident Ringstorff soll die Teilnahme trotz Einladung abgesagt haben.

Der von Protesten begleitete Staatsbesuch wird von 12 500 Polizisten gesichert. In Stralsund ist eine Sicherheitszone von 400 mal 400 Metern abgeriegelt, große Zufahrtsstraßen sind mit Containern versperrt. Nur noch Anwohner und andere Berechtigte dürfen das Areal nach einer Kontrolle betreten. Die Sicherheitskosten werden auf rund 20 Millionen Euro geschätzt.

Die Reihe der bundesweit 60 geplanten Protestaktionen gegen den Besuch wurde von Greenpeace eröffnet. In Rostock demonstrierten rund 150 Bush-Gegner. Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisierte, dass nur handverlesene Bürger Bush sehen dürfen. Zur zentralen Protestkundgebung in Stralsund werden heute mehrere tausend Teilnehmer erwartet. Dort will auch Mecklenburg-Vorpommerns Vize-Ministerpräsident Wolfgang Methling von der Linkspartei reden.

Der Bush-Besuch sorgt für Zündstoff für den Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Die CDU bezeichnete die rot-rote Regierung als „unwürdige Gastgeber“, weil sich Linkspartei-Minister an Protesten beteiligen wollen. (dpa)