Merken

14 Jahre Haft für Mord an 23-Jährigem

Der Mörder eines jungen Mannes aus Leipzig wird in die Psychiatrie eingewiesen. Der Einzelgänger hat einen seiner wenigen Freunde zerstückelt. Fraglich ist, ob er je therapiert werden kann.

Teilen
Folgen

Leipzig. Für den bestialischen Mord an seinem Freund kommt ein 24-Jähriger aus Leipzig in die Psychiatrie. Das Landgericht Leipzig verurteilte den schwer gestörten Mann am Donnerstag zudem zu 14 Jahren Haft wegen Mordes und Verletzung der Totenruhe. Der Angeklagte hatte im Prozess gestanden, seinen 23 Jahre alten Bekannten 2011 getötet zu haben. Den Mord beging er an seinem eigenen Geburtstag, dem 12. Oktober. Er zerstückelte die Leiche und warf die Teile in einen Leipziger Fluss. Der Kopf des Opfers ist noch immer verschwunden.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem 24-Jährigen eine schizoide Persönlichkeitsstörung attestiert. Der Mann sei weiter gefährlich und hänge Gewaltfantasien an. Therapeutische Maßnahmen seien dringend erforderlich, sagte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf in seiner Urteilsbegründung. In der Seele des Mannes täten sich „tiefe Abgründe" auf. Ob er je wieder auf freien Fuß komme, erscheine fraglich. Sollten Ärzte irgendwann zu der Einschätzung kommen, der Mann sei therapiert, würde seine Zeit in der Psychiatrie auf die Haftstrafe angerechnet werden.

„Der Angeklagte hat aus Mordlust gehandelt. Sein Ziel lag allein darin, einen Menschen zu töten", sagte Jagenlauf. Der stotternde Einzelgänger habe andere Gewalttäter und Psychopathen als „Freigeister" verehrt. Den Mord an seinem Freund, einem der wenigen den er hatte, habe er akribisch geplant. Er besorgte Folien und Reiniger sowie Gerätschaften, um die Leiche zu zerteilen. Er lud den 23-Jährigen in seine Wohnung ein - und tötete ihn mit mindestens 22 Messerstichen. Außerdem trennte er ihm die Genitalien ab. Beweise, dass er das Opfer auch vergewaltigt hat, wie die Anklage ihm vorwarf, fand das Gericht allerdings nicht.

„Sie haben die Tat begangen aus Überlegungen heraus, die man landläufig als "krank" bezeichnet", sagte der Richter zu dem 24-Jährigen. Der blasse Brillenträger hockte währenddessen reglos mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank. Der 24-Jährige sei zwar in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt, aber schuldunfähig ist er nach Überzeugung des Gerichts nicht, sagte Jagenlauf. Damit widersprach er den beiden Verteidigern des Mannes, die einen Freispruch wegen Schuldunfähigkeit gefordert hatten. Sie wollen nun prüfen, ob sie Revision gegen das Urteil einlegen.

Rechtsanwältin Anne Prestrich, die die Mutter des Opfers im Gericht vertrat, sagte, sie sei erleichtert, dass der Mann in die Psychiatrie komme. Sie hofft immer noch, dass der 24-Jährige eines Tages preisgibt, wo er den Kopf des Toten versteckt hat. Auch Richter Jagenlauf appellierte an den Angeklagten, dies zu tun, um dem Opfer „wenigstens im Tod einen Teil seiner Würde zurückzugeben". (dpa)