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145 Menschen wenden sich gegen Eigenheime

Die Neubauten am Elsternweg sollen auf einer Wiese in Rauschwalde entstehen. Nicht der richtige Platz, finden viele.

© Nikolai Schmidt

Von Susanne Sodan

Görlitz. Sie wurden gefragt und sie haben geantwortet: Viele Rauschwalder und weitere Bürger stellen sich gegen das Bauvorhaben der Launer & Drechsel GbR auf der Wiese am Elsternweg. Bis zur vergangenen Woche konnte man sich äußern, bis dahin lief die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung. Etwas mehr als 20 Schreiben sind eingegangen, teilt der Görlitzer Stadtentwicklungschef Hartmut Wilke mit. Und drei Unterschriftensammlungen, auf denen insgesamt 131 Bürger unterzeichnet haben.

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Straßenbegleitend sollen die geplanten Einfamilienhäuser gebaut werden, ein- bis maximal zweistöckig hoch und so, dass dahinter noch Grünfläche bleibt. Die drei Neubauten stoßen trotzdem auf Kritik, aus verschiedenen Gründen. Viele Rauschwalder sehen die Wiese, auf der die Eigenheime entstehen sollen, als einen Ort, wo man ausspannen kann, wo Kinder spielen, wo sich Natur entwickeln kann. Auf der Wiese stehen auch mehrere Streuobstbäume. Zudem gilt die Wiese als Klimafunktionsraum, darauf hatte immer Raphael Schmidt verwiesen, Anwohner und ehemaliger Görlitzer Stadtrat. Im Umweltplan des Stadtentwicklungskonzeptes von 2012 sei die Wiese als eine Fläche zur Entstehung von Kaltluft ausgewiesen. Eine Art Frischluftkorridor, argumentiert Schmidt.

Andere verweisen auf das historisch gewachsene Ortsbild: Rund um die Wiese gruppieren sich die Christuskirche sowie drei Höfe, die einst zum Borromäus-Orden gehörten. Drei moderne Bungalows in dem Ensemble finden manche nicht passend. Es gibt aber nicht nur Gegner, sondern auch Befürworter. Von den über 20 Eingaben sind 14 Widersprüche oder Einwände. „Die Verfasser der restlichen Anschreiben stehen dem Vorhaben positiv gegenüber oder geben Hinweise oder Anmerkungen dazu“, teilt Hartmut Wilke mit.

Platz für Eigenheime, Platz zum Bauen für Familien – das ist ein rares Gut in Görlitz und die andere Seite der Argumentation. Der Launer & Drechsel GbR gehört ein Teil der Wiese, auf dem sie Platz für drei neue Eigenheime schaffen möchte. Nachdem das Görlitzer Immobilienunternehmen einen Antrag gestellt hatte, beschloss der Stadtrat, dass ein Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Die Öffentlichkeitsbeteiligung war einer der ersten Schritte. Welchen Einfluss die Eingaben nun haben? Alleine auf die Zahl kommt es nicht an. „Sämtliche Schreiben werden gelistet und inhaltlich ausgewertet“, so Hartmut Wilke. Eine Zusammenfassung aller Hinweise, Anregungen und Bedenken wird dann zunächst dem Technischen Ausschuss zur Information vorgelegt. „Am Ende des Aufstellungsverfahrens steht die Abwägung“, erklärt Wilke. Sie enthält alle Pro- und Contra-Argumente und „legt schriftlich dar, wie diese Themen zu einer Entscheidung geführt wurden.“ Darüber muss dann der Stadtrat abstimmen. Die Bürger sind aber nicht die einzigen, die angehört werden.

Erdmann Wittig, Pfarrer der Christusgemeinde in Rauschwalde hatte sich kürzlich schon gewundert, warum die Kirche noch nicht nach einer Stellungnahme gefragt wurde. Das ist jetzt der nächste Schritt: Auch die Behörden und Institutionen, die von dem Vorhaben betroffen sein können, also die Träger öffentlicher Belange, werden gefragt. „Auf der Grundlage aller eingegangenen Hinweise, Anregungen und Bedenken wird ein konkreter Bebauungsplanentwurf erarbeitet“, so Wilke.