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15 Jahre Wolf

Knapp 100 Jahre nach dem Abschuss des letzten wilden Wolfes bei Hoyerswerda wurden in der Oberlausitz wieder Welpen geboren. In der Oberlausitz arbeiten über 20 Menschen beruflich in Sachen Wolf. Die SZ stellt sie – heute zum bundesweiten Nabu Tag des Wolfes – vor.

© Wolfgang Wittchen

Von Irmela Hennig

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Der 30. März 2014 war ein guter Tag für die Wolfsforscher. Im westsächsischen Zwickau wurde ein Wolf gesichtet. Das haben Anwohner nicht nur erkannt, sondern auch Haare gesichert, die der Wolf gelassen hat, als er unter einem Zaun durchgekrochen ist. Diese konnten untersucht werden und bestätigten: Zwickau hatte Besuch von einem Wolf. Später ist das Tier nach Thüringen weitergezogen.

Der Wolfsführer Stephan Kaasche (39) aus Hoyerswerda arbeitet als Referent für das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz – auch über die Lausitz hinaus – und macht Naturführungen auf den Spuren des Wolfes. Der gelernte Einzelhandelskaufmann interessiert sich se © Wolfgang Wittchen
Die Büroleiterin Vanessa Ludwig (32) ist Biologin und leitet das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz in Rietschen mit einer Vollzeitstelle. Sie ist eine von drei Ansprechpartnerinnen für jedermann zum Wolf in Sachsen. Sie hält Vorträge, betreut das Wolfsmuseu © Wolfgang Wittchen
Die Kontaktfrau Helene Möslinger (33) arbeitet als Biologin in Teilzeit beim Kontaktbüro in Rietschen und teilweise bei Lupus. Auch sie hält etliche der rund 200 Vorträge, die das Büro anbietet, beantwortet Anfragen aus der Bevölkerung, zunehmend auch aus © Wolfgang Wittchen
Der Bautzener Gutachter Hagen Rothmann (52) von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Bautzen ist einer von drei Rissgutachtern für den Kreis. Die beiden anderen arbeiten beim Kreisforstamt. Seit 2009 schaut sich Rothmann im Jahr zehn bis 40 ge © Wolfgang Wittchen
Die Präparatorin Diana Jäschke (41) aus Görlitz ist Präparatorin am Senckenbergmuseum Görlitz. Alle toten Wölfe aus Deutschland kommen nach Görlitz und werden dort für die Forschung aufbewahrt. Sie dafür zu präparieren, ist ihre Aufgabe. Sie betreut auch © Wolfgang Wittchen
Die Forscherin Carina Wagner (30), Diplom-Biologin, erforscht am Senckenbergmuseum für Naturkunde in Görlitz, wie sich der Wolf auf die Entwicklung des Wildes auswirkt. Dazu untersucht sie vom Wolf erlegtes Wild. Derzeit ist sie aber in Elternzeit; sie le © Wolfgang Wittchen
Die Lupus-Mitarbeiterin Cati Blum (34), Biologin, ist Mitarbeiterin beim Lupus-Institut in Spreewitz. Sie unterstützt die Wolfsforscherinnen bei der täglichen Arbeit, nimmt Daten auf, die durchgegeben werden – zum Beispiel zu Wolfssichtungen. Und häufig i © Wolfgang Wittchen
Die Frau der ersten Stunde Jana Endel (36) Forstwirtin, war erste Projektleiterin des Kontaktbüros in Rietschen. 2004 wurde die Anlaufstelle eingerichtet; sie gehört zum Landkreis Görlitz. Aus familiären Gründen trat Jana Endel zwischenzeitlich kürzer, nu © Wolfgang Wittchen
Die FÖJlerin Kristin Paschke (19) aus Görlitz macht derzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr am Senckenbergmuseum in Görlitz. Sie unterstützt die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit. Eine Aufgabe ist es, die Wolfslosungen (Kot) zu waschen und zu sortieren, ehe © Wolfgang Wittchen
Die Doktorandin Maria Jähde (28), angehende Biogeografin, hat in Trier studiert und am Senckenbergmuseum Görlitz ihre Diplomarbeit gemacht. Dabei geht es um die Unterscheidung von Wolf, Hund und Hybrid (Wolf-Hund-Mischling) anhand der Schädel. Möglicherwe © Wolfgang Wittchen
Der Professor Hermann Ansorge (60), Diplombiologe, Professor, Abteilungsleiter „Zoologie“ und stellvertretender Direktor am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz ist Wolfsforscher der ersten Stunde. Er hat anfangs Kotproben selbst untersucht, die Fors © Wolfgang Wittchen
Der Naturschützer Markus Bathen (42), Förster, ist seit 2007 für den Naturschutzbund Nabu Deutschland als Wolfsexperte im spendenfinanzierten Projekt „Willkommen Wolf“ tätig. Er beobachtet, lernt und recherchiert, wie die Nachbarschaft von Mensch und Wolf © Wolfgang Wittchen
Der Wolfsmanager André Klingenberger (35) aus Hohendubrau arbeitet beim Staatsbetrieb Sachsenforst und genau im Biosphärenreservat. Seit 2007 berät er Nutztierhalter zum vorbeugenden Herdenschutz und zur Schadenskompensation, für den Fall, dass ein Wolf e © Wolfgang Wittchen
Der Naturfilmer Sebastian Koerner (51) aus Spreewitz gelingt, wovon viele Fotografen träumen – der Naturfilmer und Biologe bekommt den Wolf vor die Linse, macht Bilder und dreht Dokumentarfilme über den vierbeinigen Rückkehrer. Er darf Fotofallen aufstell © Wolfgang Wittchen
Die Görlitzer Gutachter Katrin Lattermann (37) ... © André Schulze
Die Görlitzer Gutachter ... und Holger Neef (50) vom Kreisforstamt sind seit 2009 Rissgutachter im Kreis Görlitz. Sie (oder zwei weitere Gutachter) fahren raus bei Nutztierrissen, untersuchen Spuren, nehmen teils Proben für DNA-Tests und entscheiden, ob e © Wolfgang Wittchen
Die jungen Forscher Jan Kindervater (28), Forstzoologe und Doktorand ... © Wolfgang Wittchen
Die jungen Forscher ... und Maria Kruk (25) Masterantin von der Fakultät für Forstwissenschaften der TU Dresden forschen beide zum Wolf. Er untersucht Losungen, die aus ganz Deutschland (außer Niedersachsen) nach Görlitz kommen; sie die Ernährung der Wölf © Wolfgang Wittchen

Für Biologin Gesa Kluth sind solch umsichtige Sachsen absolut wichtig, wenn es um die Beobachtung und Erforschung der Wölfe geht. Die Bevölkerung scheint dabei recht zuverlässig zu sein. Vergangenes Jahr erwiesen sich von etwa 2 000 Hinweisen nämlich nur 95 als wirklich falsch.

Die Raubtiere sind zurück in Deutschland. Vor 15 Jahren kamen sie zuerst in Sachsen an, also in dem Bundesland, in dem 1904 der letzte frei lebende Wolf erlegt worden war. Ab 1996 wurden vereinzelt Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz gesichtet. Im Mai 2000 gab es die ersten Welpen in der Muskauer Heide. Dieses erste Rudel Sachsens existiert nicht mehr. Doch inzwischen konnten im Freistaat schon bis zu 13 Rudel nachgewiesen werden, die zumindest teilweise ihr Revier hier haben oder hatten. Und Rietschen mit dem deutschlandweit einzigartigen Kontaktbüro, einem Wolfsmuseum, Vorträgen und Führungen ist zum Zentrum des Wolfstourismus geworden. Längst breiten sich die Vierbeiner aus – in Deutschland leben 30 bis 35 Rudel und bis zu 300 Tiere. Am intensivsten erforscht werden die Wölfe in Sachsen. Das Umweltministerium gab 2014 nach eigenen Angaben 362 000 Euro für den Wolf aus – rund 333 000 Euro für das Wolfsmanagement – also für Beobachtung und Forschung, knapp 26 000 Euro für die Prävention – damit können Tierhalter zum Beispiel Zäune bauen, 3 300 Euro für Schadensausgleich bei Rissen.

Infos zum Nabu-Wolfstag unter www.nabu.de

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.
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