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15 Tote bei Anschlag auf Polio-Impfzentrum

Es sollte eine gute Woche werden: 2,4 Millionen Kinder wollte Pakistan gegen die gefährliche Kinderlähmung impfen. Aber nach einem Anschlag auf ein Impfzentrum in Quetta wird die Kampagne gestoppt.

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Islamabad. Bei einem Anschlag auf ein Zentrum für Impfungen gegen die Kinderlähmung in der südwestpakistanischen Stadt Quetta sind 15 Menschen getötet worden. „Kinder sind nicht ums Leben gekommen“, sagte ein Arzt im zivilen Krankenhaus der Stadt, der ungenannt bleiben wollte.

Polizeisprecher Dilawar Khan sagte, bei der starken Explosion am Mittwoch seien 13 Polizisten und zwei Zivilisten gestorben. 25 Menschen seien durch Bombensplitter verletzt worden, zwei von ihnen schwer - auch unter ihnen viele Sicherheitskräfte.

Impfkampagnen werden in Pakistan schwer bewacht. Dutzende Krankenschwestern, Impfhelfer und Polizisten wurden in den vergangenen Jahren bei Angriffen durch Islamisten getötet. Manche denken, die Impfungen seien eine Verschwörung zur Sterilisierung von Muslimen.

Das Gesundheitsministerium der Provinz teilte mit, die Impfkampagne werde bis auf weiteres gestoppt. Pakistan hatte erst zwei Tage zuvor eine große Initiative zur Polio-Impfung von 2,4 Millionen Kindern unter fünf Jahren gestartet. Pakistan und Afghanistan sind die einzigen Länder der Welt, in denen Kinder noch an der gefährlichen Kinderlähmung erkranken.

2015 war die Zahl der Neuerkrankungen stark gefallen: auf 51 Fälle im Vergleich zu 306 Fällen im Jahr 2014. Der Erfolg war vor allem auf Militäroffensiven gegen Extremisten zurückzuführen. Diese hatten lange unzugängliche Regionen für neue Impfkampagnen geöffnet.

Der Polizeichef von Quetta, Manzoor Sarwar Chaudhry, sagte: „Wir untersuchen noch, ob es die Tat eines Selbstmordattentäter war.“ Es habe sich „mindestens um eine Sieben-Kilo-Bombe“ gehandelt.

Fast zeitgleich gab es am Mittwochmorgen in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad einen Anschlag nahe dem pakistanischen Konsulat, bei dem mindestens vier Polizisten getötet wurden. Anwohner berichten später noch von anhaltenden Schusswechseln. (dpa)