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15.600 Euro Geldstrafe für versuchte Erpressung

Ein 50-jähriger Kfz-Meister aus Döbeln soll einen Kunden erpresst haben. Er bestritt die Tat. Direkte Zeugen gab es nicht.

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Von Helene Krause

Immer wieder schüttelt der Angeklagte den Kopf. Das Urteil kann er nicht verstehen. Obwohl keiner der Zeugen von der versuchten Erpressung etwas gehört hat, verurteilte das Gericht den Kfz-Meister am dritten Verhandlungstag zu einer hohen Geldstrafe.

„Der Geschädigte hat nachvollziehbar erklärt, wie es passiert ist“, sagt Richter Janko Ehrlich in der Urteilsbegründung. „Sie hätten den Kunden darauf hinweisen müssen, dass noch Arbeiten anstehen und dass es teurer wird.“ Am 25. Februar 2013 soll der Angeklagte gegenüber einem Kunden geäußert haben: „Es könnte ja sein, dass Du mal einen gebrochenen Finger oder Arm hast und nicht mehr Busfahren kannst. Mein Geld kriege ich auf jeden Fall.“ (DA berichtete).

Reparaturkosten zu hoch?

Der Geschädigte hatte seinen Wartburg 312 im Dezember 2012 in die Werkstatt des Kfz-Meisters gegeben. Ein Kostenvoranschlag, der nur das Material beinhaltete, belief sich auf 3.000 Euro. Nachdem der Kfz-Meister eine Rechnung von 2.700 Euro gestellt hatte, kam der Geschädigte in die Werkstatt und wollte wissen, wie hoch die weiteren Kosten wären. Ihm wurde eine Summe von 10.000 Euro genannt. Das war dem Kunden zu viel. Er wollte nur 5.000 Euro zahlen. Daraufhin soll der Kfz-Meister seine Mitarbeiter aus dem Büro geschickt und den Kunden bedroht haben.

Am ersten Verhandlungstag erklärte der Geschädigte, dass er, als die erpresserische Äußerung gefallen sei, mit dem Kfz-Meister allein in der Werkstatt gewesen war. Doch dem widersprach die Ehefrau des Angeklagten. Sie wurde in der zweiten Verhandlung als Zeugin vernommen. Sie arbeitet als Angestellte in der Firma. Am Tattag war sie mit im Büro anwesend. Ihr Mann und zwei Mitarbeiter erklärten dem Kunden, was sie alles an dem Wartburg gemacht hätten. Dann verließen die Mitarbeiter das Büro. Der Angeklagte holte von seiner Frau einen Taschenrechner und erklärte dem Geschädigten noch einmal die Restaurierungskosten für den Wartburg. Zu erpresserischen Äußerungen sei es nicht gekommen. Der Kunde verließ das Büro, stieg in sein Auto und fuhr weg. Erst, als er Wochen später eine Rechnung von über 30.000 Euro erhielt, ging er zur Polizei und erstattete Anzeige. „Ich war nach der Tat schon bei der Polizei“, hatte der Geschädigte in der ersten Verhandlung erklärt. „Doch die rieten mir ab, weil Aussage gegen Aussage stünde. Da käme nichts dabei heraus.“ Ein dritter Verhandlungstermin wird anberaumt. Zu diesem werden die beiden Mitarbeiter der Kfz-Werkstatt, ein Lackierer und ein Karosserieschlosser, als Zeugen gehört. Doch beide können nur sagen, was sie an dem Wartburg gemacht haben. Von einer Erpressung wissen sie nichts.

„Der Geschädigte ging erst zur Polizei, als die hohe Rechnung kam“, sagte Verteidiger Martin Göddenhenrich am zweiten Verhandlungstag. Die gleichen Worte äußert er auch in seinem Plädoyer. „Ein Strafprozess ist die beste Lösung, die hohe Rechnung nicht bezahlen zu müssen. Es ist ein raffinierter Plan, den sich der Geschädigte ausgedacht hat und der für meinen Mandanten schwere Auswirkungen hat.“