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16 Wolfsrudel jagen in Sachsen

© Grafik SZ

Hinterm Hohwald wird ein weiteres Revier vermutet.

Von Irmela Hennig

Sebnitz/Hohwald. Ein paar Tage oder wenige Wochen noch, dann kommen in der Oberlausitz wieder Wolfswelpen zur Welt. Bei 13 Rudeln, die ihr Revier ganz, teilweise oder ein bisschen in der Region haben, könnte es Nachwuchs geben. „Ende April oder Anfang Mai“, sagt Helene Möslinger vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz in Rietschen bei Niesky. Das Büro informierte am Mittwoch über den aktuellen Stand der Dinge in Sachen Wolf. Eine Bilanz des laufenden Beobachtungsjahres, das vom 1. Mai 2015 bis zum 30. April 2016 dauert, ist das nicht. Allerdings gibt es neue Erkenntnisse zur Oberlausitz und zum Freistaat Sachsen. Danach haben aktuell zehn Wolfsfamilien ihr Revier ganz oder nahezu vollständig in Sachsen. Neu hinzugekommen sind die Rudel in der Gohrischheide und in den Königshainer Bergen. Ob eine Fähe, also ein weibliches Tier, im Hohwald-Gebiet nun einen Partner gefunden hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Im Hohwald in der Sächsischen Schweiz gab es schon einmal ein Rudel, das konnte zuletzt aber nicht mehr nachgewiesen werden.

Welpen kommen Ende April

Sechs Wolfsfamilien sind grenzüberschreitend unterwegs – teilweise reicht ihr Revier in Nachbarbundesländer, teilweise auch nach Polen beziehungsweise Tschechien. Drei dieser Rudel leben und jagen überwiegend nicht in Sachsen – und zwar das aus der Annaburger Heide, das von Ruszów und das Zschornoer Rudel. Deswegen werden sie im Freistaat nicht mitgezählt. Immer noch ungewiss ist, wie viele Wölfe südlich der Autobahn A 4 in der Oberlausitz unterwegs sind. Hinweise gibt es für die Gegenden bei Cunewalde, Löbau, Kottmar, Bernsdorf auf dem Eigen und Zittau. Die Wolfsexperten vom Institut Lupus, das seit Jahren für die Beobachtung der Raubtiere zuständig ist, brauchen noch mehr Informationen. Dann erst können sie sicher sagen, ob sich dort ein oder mehrere Rudel angesiedelt haben. Daher bitten die Wissenschaftler die Bevölkerung um Hilfe. Wer einen Wolf sieht, Losungen (Wolfskot), Spuren oder gerissene Tiere findet, sollte dies dem zuständigen Landratsamt melden. Auch über Fotos freuen sich die Experten. Helene Möslinger hofft, dass es mehr Nachweise wie Fotos, Videos und Spuren gibt, wenn die Welpen erst geboren sind und ihre Höhlen verlassen haben. Das könnte im Juni oder Juli so weit sein.

Bislang wurden in diesem Jahr zwei Wölfe tot aufgefunden. Eine Wolfsfähe wurde im Februar nahe Burghammer im Landkreis Bautzen entdeckt – eine erwachsene Tochter des Milkeler Rudels. Sie war allerdings verletzt und krank. Ende Februar wurde bei Biehla im Kreis Bautzen zudem ein männlicher Welpe bei einem Verkehrsunfall getötet. Er gehörte zum Rosenthaler Rudel.

Wölfe in Sachsen haben dieses Jahr bislang 83 Nutztiere gerissen oder verletzt. Im Februar kam es zum größten Schaden, den es bislang bei einem Wolfsübergriff im Freistaat gab. Nördlich der Königsbrücker Heide starben dabei 67 Schafe und drei Ziegen. Die Tiere waren vorschriftsmäßig geschützt.