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20 neue Zebrastreifen

SPD, Linke und Grüne wollen neue Fußgängerüberwege. Wo genau, sagen sie auch.

© Sven Ellger

Von Sandro Rahrisch und Christoph Springer

Görlitz – Immer eine Reise wert

Die Stadt Görlitz wird von vielen als „Perle an der Neiße“ oder „schönste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Warum? Das erfahren Sie hier.

Sie sind in Dresden fast so selten wie die Tiere, nach denen sie benannt sind. Und sie sind vom Aussterben bedroht, fürchten die Stadtratsfraktionen der Bündnisgrünen, der SPD und der Linken. Nur wenige Dresdner könnten sagen, wo es noch einen Zebrastreifen gibt, ist Stadtrat Hendrik Stalmann-Fischer (SPD) überzeugt.

Das soll sich ändern. Noch in diesem Jahr sollen in der Stadt 20 neue Fußgängerüberwege mit Zebrastreifen entstehen. Das steht in einem interfraktionellen Antrag der drei Fraktionen. Was die neuen Überwege kosten werden, konnten die Verfasser des Antrags nicht genau sagen. Sie schlagen vor, die Zebrastreifen aus zusätzlich verfügbaren Mitteln für die Verkehrssicherheit zu finanzieren.

Die Müller-Berset-Straße ist eine Ausnahme. Gleich neben der Kreuzung mit der Heubnerstraße führt einer der letzten Zebrastreifen der Stadt über die Fahrbahn. Noch nicht einmal dieses Innenstadt-Unikat kennen die meisten Dresdner. Frank Kutzner findet erschreckend, dass kaum jemand sagen kann, wo es in Dresden einen Zebrastreifen gibt. Kutzner leitet die Gruppe „Dresden zu Fuß“ des Fuss e.V. Der Verein setzt sich für die Fußgänger in der Stadt ein. Im Herbst hat er sich zum Beispiel an der Wilsdruffer Straße bei Passanten umgehört und wollte von ihnen wissen, auf welchen Straßen sie sich Fußgängerüberwege wünschen. Entstanden ist ein Katalog mit fast 20 Vorschlägen.

Ganz oben steht die Bayerische Straße. Dort strömen tägliche Tausende Menschen aus dem Hauptbahnhof und wollen auf die andere Straßenseite gelangen. Bislang gibt es dort lediglich eine Mittelinsel. Doch bei rund 9 100 Fahrzeugen pro Tag – darunter viele Fernbusse – wird es mitunter schwierig, diese überhaupt zu erreichen. Auch in dem Stadtratsantrag der drei Fraktionen steht dieser Fußgängerüberweg. Der Fuß e.V. listet unter anderem auch die Nöthnitzer Straße, die Glacisstraße in Höhe des Kleinen Hauses und den Kreisverkehr an der Gamigstraße in Prohlis als Orte für neue Zebrastreifen auf.

Die Vorschläge würden alle den gesetzlichen Regeln für Fußgängerüberwege entsprechen, so Kutzner. „Wir brauchen ein besseres Miteinander im Straßenverkehr und weniger Verampelung“, sagt er. Zebrastreifen seien kostengünstiger als Ampeln, die gebaut und gewartet werden müssen. Außerdem könnten Autofahrer in der Regel schneller weiterfahren als bei einer roten Ampel. Kutzner schlägt sogar vor, bestehende Fußgängerampeln abzubauen und durch Zebrastreifen zu ersetzen.

Wie viele Zebrastreifen es in Dresden aktuell gibt, ist unklar. Eine Anfrage der Sächsischen Zeitung ließ die Stadtverwaltung am Mittwoch unbeantwortet. Aus einer älteren Anfrage geht hervor, dass es 2012 insgesamt 19 Überwege gab. Auf die Frage „Warum so wenige?“ verwies die Verwaltung damals auf die rechtlichen Voraussetzungen. So dürften Zebrastreifen nicht in der Nähe von Ampeln aufgemalt werden und auch nicht über Straßenbahnschienen führen. Auch ein gemeinsamer Rad- und Fußweg an beiden Seiten sei ein Ausschlusskriterium. Und in Tempo-30-Zonen wären Überwege in der Regel entbehrlich.

Ganz so einfach ist es nicht, weiße Striche auf die Straße zu pinseln, bestätigt die TU Dresden und nennt weitere Hürden. So seien Zebrastreifen nur auf zweispurigen Straßen erlaubt. Außerdem müssten in Spitzenstunden mindestens 200 Autos und 50 Fußgänger unterwegs sein, um einen Überweg zu rechtfertigen. Wenn das erfüllt ist, würden die Vorteile auf der Hand liegen, so die Verkehrsplaner um Professor Regine Gerike: kurze Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmer und drei- bis viermal geringere Kosten gegenüber Ampeln. Ein Nachteil für die Stadt: Fußgänger müssten immer gute Sicht auf die Straße haben und Autofahrer schon aus der Ferne den Zebrastreifen erkennen. Die Stadt müsste sich also darum kümmern, dass Äste nicht zu weit in den Straßenbereich ragen.

Aber sind Zebrastreifen überhaupt sicherer? Die Unfallforschung der Versicherer kommt zu dem Ergebnis, dass es kaum Unterschiede zu Fußgängerampeln gibt. In einer Sicherheitsbewertung wurden 335 Zebrastreifen, Mittelinseln und Ampeln miteinander verglichen. Um Unfälle zu verhindern, müssten Überwege gut beschildert und beleuchtet sein. Mittelinseln erhöhten die Sicherheit zusätzlich. „Unfälle treten meist auf, wenn das Vorrangrecht der Fußgänger missachtet wird“, so die Verkehrsplaner der TU.