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200 Fässer Radeberger in der Stunde

Die Brauerei nimmt eine neue Abfüllanlage in Betrieb. Jetzt geht vieles schneller.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Radeberg. Erst ein ausgiebiger Probelauf. Jetzt ist es soweit: Die neue Fassabfüllanlage der Radeberger Exportbierbrauerei hat offiziell ihren Betrieb aufgenommen. In zwei Einzellinien geführt, die für Fassinhalte von zehn, 30 und 50 Liter Radeberger Pilsner ausgelegt sind, können damit bis zu 200 Fässer pro Stunde abgefüllt werden. Das ist nicht alles. Die neue Anlage reinigt die Fässer außerdem, prüft, ob alles dicht verschlossen ist und transportiert die Fässer auch noch vollautomatisch in die entsprechende Lagerhalle.

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Nach Angaben der Brauerei schafft die Maschine die notwendige Sicherheit, dass auch in Spitzenzeiten immer genug randvolle Fässer zur Verfügung stehen. Dr. Paul Panglisch, Technischer Direktor der Radeberger Exportbierbrauerei und Projektleiter für die neue Anlage, freut sich gleich in mehrfacher Hinsicht. „Die Nutzung neuester Technologien sorgt zum Beispiel für ein bestmögliches Wärme- und Raumklima. Zudem sind alle Segmente sehr übersichtlich angeordnet, was die Zugänglichkeit bei Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten klar verbessert. Wir können nicht nur die Abfülleffizienz steigern, sondern erleichtern vor allem unseren Mitarbeitern die Bedienung und Wartung der Anlage“, sagte er. Bei der neuen Anlage werden vor allem die Umstellzeiten von einer Fassgröße auf eine andere verkürzt. „Bisher geschah das per Hand. Jetzt läuft das computergestützt“, sagt Jana Kreuziger, Mitarbeiterin der Brauerei.

Mit dem Einbau der neuen Fassabfüllanlage wurde die bestehende Anlage vollständig ersetzt. Die Demontage und der Aufbau verliefen planmäßig, so der Technische Direktor, und nahmen gut drei Wochen in Anspruch. Die damit einhergehenden Ausfallzeiten in der Fassabfüllung konnten durch eine durchdachte Vorplanung ausgesteuert werden. „Das jetzt vollständig umgesetzte Projekt stärkt die Zukunftsfähigkeit der Radeberger Exportbierbrauerei“, so Panglisch. Wieviel die Brauerei genau in die neue Anlage investiert hat, teilte sie nicht mit. – Hochmodern ist auch die Abfüllanlage für Flaschen. Je Abfüll-Linie können immerhin 14 Flaschen Radeberger Pilsner pro Sekunde abgefüllt werden. Den Brauprozess regeln die Mitarbeiter von einer computergesteuerten Schaltwarte aus. Dennoch wird das Radeberger Pilsner nicht von Computerprogrammen gebraut, sondern von Menschen. Es braucht Können und viel Erfahrung, um durchgängig den typischen und unverwechselbaren Geschmack des Radeberger Pilsners zu treffen.

Anfänge um 1872

Bierabsatz verfünffacht

Am Standort Radeberg arbeiten 250 Beschäftigte.

Der Absatz in Radeberg hat sich nach Angaben des Unternehmens seit der Wende verfünffacht. Genaue Zahlen gibt die Brauerei nicht bekannt.

Die Radeberger Brauerei gehört zur Radeberger Gruppe, dem Marktführer auf dem deutschen Biermarkt. Sie ist an 14 Bier-Standorten aktiv. Neben Radeberger gehören unter anderem Jever, Dortmunder Kronen Export, Sion Kölsch, Berliner Pilsner und Ur-Krostitzer zur Gruppe.

Das Familienunternehmen Dr. August Oetker KG in Bielefeld ist wiederum Eigentümer der Radeberger Gruppe.

Quelle: Radeberger Gruppe

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Die Exportbierbrauerei gehörte bereits 1895 zu den ersten Brauereien in Deutschland überhaupt, die Kühlmaschinen im Lager- und Gärkeller einsetzten. Schon 1873 hatte der deutsche Ingenieur Carl von Linde - Gründer der noch heute aktiven Linde AG - eine Kühlanlage erfunden, die die Gärung bei einer konstanten Temperatur garantieren sollte. Ausgereift war die Maschine damals aber noch nicht, sodass es noch gut zwanzig Jahre dauerte, bis die Anlagen in Serie produziert werden konnten und dann auch in Radeberg eingesetzt wurden. Damals bestand die Kühlung noch aus einer MAN-Dampfmaschine mit 100 PS Leistung, einem Kühlaggregat und besagter Linde-Kältemaschine. Heute haben sie längst modernen Maschinen Platz gemacht. Die Anfänge der Radeberger Brauerei reichen bis ins Jahr 1872 zurück. Der Geschmack sprach sich schnell herum. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts eroberte Radeberger Pilsner erst New York und dann die ganze Welt. Ein Umstand, der auch 1885 zur Umbenennung der Brauerei in „Radeberger Exportbierbrauerei“ führte.