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200 für Richter

Der Kandidat für den Posten des Oberbürgermeisters hat am Donnerstagabend seinen Wahlkampf eröffnet – und wurde überraschend konkret.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

Meißen. Es beginnt flapsig: „Bier oder Wein?“, fragt Moderator Götz Bergmann. Keine Bestellung, sondern eine kurze Fragerunde zum Warmwerden für den OB-Kandidaten. Frank Richter zögert. „Unentschieden. Das kann man in Meißen nicht anders beantworten.“ Die ersten leisen Lacher aus dem Publikum. Später werden sie noch lauter. Jeder der rund 200 Plätze im Akti in der Elbgasse ist gefüllt, auch auf den Fensterbrettern sitzen noch Zuhörer. Prominenteste Gäste: Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig und die Bundestagsabgeordnete Susann Rüthrich (beide SPD).

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Katze oder Hund? Süß oder herzhaft? Richter schielt schelmisch zu seiner Frau in der ersten Reihe: „Was darf ich sagen?“ Schon lautere Lacher. Bei der Frage, ob er das Glas eher halb voll oder halb leer sieht, nimmt der 58-Jährige dann doch die Kurve zu ernsten Themen: „Manche gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der letzten Jahre haben mich verführt, manchmal etwas pessimistischer zu schauen.“ Und sie haben ihn auch verführt, nun aktiv Politik machen zu wollen.

Bald geht es um das, was dem ehemaligen Direktor der Landeszentrale für politische Bildung am meisten am Herzen liegt: Demokratie, Bildung und fairer Dialog. Und eines will er klarstellen: „Ich kandidiere als ein unabhängiger Kandidat. Ich bin nicht der Kandidat der Bürgerinitiative.“

Trotzdem zeigt sich schnell, wie groß die Schnittmenge mit den „Bürgern für Meißen“ ist, die Richter ja immerhin zur Kandidatur überredet haben: Auch er würde sich als Oberbürgermeister darum bemühen, die Landesgartenschau nach Meißen zu holen. Auch er sieht die Wichtigkeit, das Triebischtal aufzuwerten. Und wie es überhaupt sein könne, dass in der Wiege Sachsens noch kein einziges Mal der Tag der Sachsen gefeiert wurde?

Überhaupt wird Richter überraschend konkret, was Versprechen für die Zeit als möglicher OB angeht, und er weiß offenbar auch, welche Themen die Meißner Bürger bewegen. Plossen: Der Schwerlastverkehr muss aus der Stadt raus. „Die Bürger wurden viel zu spät einbezogen.“ Aldi am Neumarkt: „Nicht jeder Supermarkt, der gebaut wird, passt in ein Einzelhandelskonzept.“ Der Wahlkampf beginnt gerade erst, aber Richter beweist, dass er schon umtriebig war: Kaum ein Thema, zu dem ihm keine Begegnung, keine Unterhaltung mit einem Bürger einfällt. Dass der Theologe gut sprechen kann, hat er schon oft bewiesen. Auch am Donnerstagabend redet er frei und souverän. Nur austeilen kann er nicht – oder besser gesagt: Er will es nicht.

„Die aktuellen bildungspolitischen Probleme des Landes sind über 28 Jahre von der CDU verantwortet worden“, sagt Richter irgendwann. Es ist seine wahrscheinlich härteste Aussage an diesem Abend. Seinen direkten Konkurrenten, den parteilosen Oberbürgermeister Olaf Raschke, seit 14 Jahren im Amt, erwähnt er nur in der Fragerunde am Ende einmal, und das auch nur als ein „nebenbei“. Er trete zwar gegen Raschke an, aber dieser habe trotzdem seinen Respekt, auch für das, was er als Oberbürgermeister durchaus vollbracht habe.

Da ist der Gegenkandidat versöhnlicher als sein Publikum. Ein Mann mit Palmentätowierung auf dem Oberarm hat keine Frage, sondern einen Wunsch: „Falls Sie OB werden: Bitte schauen Sie den Bürgern in die Augen – und nicht von oben herab.“ Das Publikum fragt durchaus auch kritisch – was will Richter für die Jugend tun? Hält er überhaupt sieben Jahre lang durch? – aber die Mehrheit der Anwesenden dürfte doch hinter dem Kandidaten Frank Richter stehen. Der sagt über sich selbst: „Vor ihnen steht ein Mensch, der Fehler machen wird“. Die Wahl ist am 9. September.