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„2017 ist Dorfhain Vorreiter“

© Andreas Weihs

Bürgermeister Olaf Schwalbe zieht Bilanz und verrät, wie er Dorfhain für die Zukunft wappnen will.

Herr Schwalbe, 2016 ist geschafft. Wie lautet Ihr Fazit für die vergangenen zwölf Monate in Dorfhain?

Als Bürgermeister mit ein paar Stunden pro Woche im Amt muss man vor allem eines: sich auf seine Mitarbeiter verlassen können. Wir sind zwar eine kleine, aber dufte Truppe. Ich bin total zufrieden, mit all den Menschen, die zum Wohle Dorfhains wirken, auch mit unserem Gemeinderat, der es sich nicht immer einfach macht, Entscheidungen zu treffen.

Was heißt das?

Wir drehen hier jeden Groschen um, auch unsere personellen Kräfte sind knapp. Und dennoch haben wir weitreichende Entscheidungen zu treffen. Das ist eben nicht immer leicht.

Das Geld ist knapp. Das stimmt. Dorfhain konsolidiert seit Jahren. Größere Investitionen sind damit eigentlich tabu. Trotzdem haben Sie große Pläne. Ich denke da an das Gemeindezentrum, das die nächsten Jahre gebaut werden soll. Wie geht das konform?

Zunächst muss ich sagen, dass wir in Dorfhain ausschließlich unseren Pflichtaufgaben nachkommen. Dazu zählt auch das Gemeindezentrum. Noch ist es ein Traum, ja. Aber wir müssen ihn verwirklichen. Wenn wir das nicht tun, ist die Feuerwehr in Dorfhain irgendwann gefährdet. Der jetzige Standort entspricht nicht mehr der Norm. Was das bedeuten kann, haben wir hier mehrfach zu spüren bekommen. Das gilt auch für die Rettungsleitstelle. Sie zog schon einmal weg aus Dorfhain. Noch einmal möchte ich das nicht erleben.

Der Mehrzweckbau, der Wohnen, Bäckerei, Feuerwehr und Rettungsdienst vereinen soll, würde über 3,5 Millionen Euro kosten. Befürchten Sie nicht, dass sich Dorfhain aufgrund seiner finanziell eher bescheidenen Lage übernimmt oder wegen dieser Pläne gar belächelt werden könnte?

Ich glaube, so weit nach außen gedrungen ist es noch nicht (lacht). Im Ernst, die Zinsen sind gerade günstig und eine Refinanzierung über 25 Jahre für uns möglich. Das haben wir geprüft. Das Gemeindezentrum ist definitiv realistisch, es muss realisiert werden. Und sehen Sie es doch mal so: Wir haben damit endlich wieder Zukunftsvisionen. Dorfhain darf kein Schlafdorf werden.

Apropos: Was woanders Vision ist, will Dorfhain 2017 anpacken: den Breitbandausbau. Weil die Gemeinde den Eigenanteil dafür nicht aufbringen kann, haben Sie die Dorfhainer dazu aufgerufen, Geld locker zu machen. Eine bisher einmalige Idee im Landkreis …

Internet ist die Zukunft, auch die von Dorfhain. Ohne eine gescheite Verbindung sind wir weder für Familien attraktiv, noch können hier Gewerbetreibende überleben. 80 Prozent der Kosten für den Internetausbau hoffen wir vom Bund finanziert zu bekommen, zehn Prozent vom Land. Den Rest muss Dorfhain stemmen – vereint. Über 80 Prozent der hier Lebenden und Arbeitenden tragen diese Idee mit und schauen mit uns in die Zukunft. Dann sind wir Vorreiter. Dafür bin ich allen sehr dankbar.

Das Beispiel Internetausbau zeigt, dass die Dorfhainer an einem Strang ziehen. Ist es das, was das Leben hier ausmacht?

Das Kreuz der Gemeinde sind Handwerk und Gewerbe. Ohne sie geht nichts. Als Kommune ist es unsere Aufgabe, ihnen den Weg zu ebnen, damit sie wachsen können. Wir können auf alle, die sich in Dorfhain einbringen, stolz sein. Das gilt auch für die Dorfhainer, die sich in den insgesamt 18 Vereinen hier engagieren. Für gerade einmal 1 100 Einwohner ist das eine beachtliche Säule, finde ich. Sie alle tragen dazu bei, dass unser Dorfleben funktioniert. Als Bürgermeister erlebe ich die besten Gespräche immer im Dorf, mitten auf der Straße. Dabei erfahre ich nicht nur Wichtiges über das Geschehen im Ort, sondern auch viel Resonanz über meine eigene Arbeit für Dorfhain.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für 2017?

Für die nächsten Jahre allgemein gilt das, was wir schon bisher getan haben: Wir müssen unsere Schulden weiter abbauen, aber auch sinnvoll und überlegt investieren. 2017 wird uns vor allem der Internetausbau beschäftigen. Den Bau des Gemeindezentrums wollen wir zumindest schon einmal planen, den Landkreis ins Boot holen. Die Fassade unserer Schule muss erneuert werden und wir wollen endlich das restliche Stück Weg im Erlebnisbad barrierefrei gestalten. Das Bad ist wichtig für Dorfhain und das soll es bleiben.

Wagen wir noch einen Blick weiter: Wie sehen Sie Dorfhain in zehn Jahren?

In zehn Jahren wünsche ich mir ein konsolidierungsfreies und selbstständiges Dorfhain, mit schnellem Internet und einem Gemeindezentrum, mit einem konstanten Handwerk und mit jungen Menschen, die das Erbe und Engagement der Älteren im Ort fortführen …

… und mit Ihnen an der Spitze?

(lacht) Das haben andere zu entscheiden. Sagen wir es mal so: Ich bin keiner, der sagt: ´Mit mir nicht`. Bloß, weil mal alles gegen den Strich geht. Ich habe einen starken Rückhalt in der Verwaltung, in meiner Firma und natürlich von meiner Familie. Sonst säße ich nicht hier.

Das Gespräch führte Verena Schulenburg.