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2022 rollen die Autos über die Südumfahrung

Nächstes Jahr beginnen die Bauarbeiten für das Mammutprojekt. Einige Abschnitte sind besonders knifflig.

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© Visualisierung: Sächsisches Wirtschaftsministerium

Von Thomas Möckel

Pirna. Die Stadtratssitzung in Pirna am Dienstag begann mit einer Überraschung. Barbara Fahland, Projektleiterin bei der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), war kurzerhand nach Pirna gekommen und hatte frohe Kunde im Gepäck. „Es geht jetzt los, wir werden die Pirnaer Südumfahrung tatsächlich bauen“, sagt sie, „und keiner kann uns daran hindern, es zu tun.“ Die SZ fasst zusammen, wie es in nächster Zeit weitergeht.

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Wie es in nächster Zeit an dem Mammutprojekt weitergeht

Wann wird die Südumfahrung fertig sein?

Nach Auskunft von Barbara Fahland starten die Bauarbeiten im Sommer 2017, die Deges rechnet mit einer Bauzeit von fünf Jahren. Klappt alles, kann die Trasse 2022 für den Verkehr freigegeben werden.

Welche Vorarbeiten waren und sind noch notwendig?

Seit September läuft der Grunderwerb entlang der geplanten Trasse sowie bei den geplanten Ausgleichsflächen. Denn die Deges kann nur dort bauen, wo sie Eigentümer der Flächen ist oder das Einverständnis der Besitzer vorliegt. Zudem sind seit Oktober Archäologen damit beschäftigt, den Trassenverlauf zu sondieren. Weil Pirna schon ein sehr früh besiedeltes Gebiet war, rechnen sie durchaus mit wichtigen Funden. Spätestens Anfang 2017 soll feststehen, in welchen Größenordnungen möglicherweise ausgegraben werden muss. Erst danach kann der Straßenbau starten. Überdies planen Fachleute seit Juli, welche Leitungen umverlegt werden müssen, da die Südumfahrung und ihre Anschlüsse auch in das bestehende Pirnaer Straßennetz eingreifen. Einige Arbeiten im Landschaftsbau starten jetzt im November, beispielsweise muss ein Ersatzbiotop für Brutvögel geschaffen werden. Anfang 2017 werden zudem Experten prüfen, ob auf dem geplanten Trassenverlauf noch Kampfmittel im Erdreich liegen und geborgen werden müssen. Parallel werden zu Beginn des kommenden Jahres die ersten Bäume gefällt, die dem Straßenbau im Wege stehen.

Wie wird die Fahrbahn künftig dimensioniert sein?

Vom Autobahnzubringer bis zur Anbindung an die Zehistaer Straße wird die Südumfahrung zwei Fahrstreifen mit je zwei Fahrspuren haben. Die Größe resultiert daraus, dass Verkehrsplaner auf diesem Teilstück mit etwa 23500 Fahrzeugen täglich rechnen. Beim Knotenpunkt Zehistaer Straße wird allerdings ein großer Teil des Verkehrs ins städtische Straßennetz abfließen. Von der Zehistaer Straße bis zur Einbindung auf die B172 auf den Sonnenstein hat die Trasse dann einen Fahrstreifen mit drei Fahrspuren – wegen des langgezogenen Anstiegs zwei in Richtung Bad Schandau, eine in der Gegenrichtung.

In welcher Reihenfolge wird die Südumfahrung gebaut?

Die Arbeiten starten mit den sogenannten vorgezogenen Bauwerken. Dabei handelt es sich um die Brücke über die Seidewitz sowie die Brücke über die Zehistaer Straße einschließlich der Anbindung und dem Bau des Kreisverkehrs an der Zehistaer Straße. Bei diesen Bauarbeiten wird auch der Weg der Trasse zum Kohlbergtunnel vorbereitet. Teilweise muss der Boden dort bis zu acht Meter tief ausgehoben werden, mit dem Material wird anderswo Gelände aufgefüllt.

In einem zweiten Schritt wird die Talbrücke über die Gottleuba sowie die Strecke vom Kohlbergtunnel bis zum Bauende am Knotenpunkt Sonnenstein gebaut. Für den Bau der Brücke sind verschiedene Baufelder festgelegt. Neu ist: Die Baustraße wird nicht über den Sportplatz des SV Grün-Weiß gehen, sondern über die benachbarte Kleingartenanlage.

In einem dritten Schritt werden die sogenannten Verkehrsanlagen gebaut. Dabei handelt es sich um die Trasse vom Autobahnzubringer einschließlich der dortigen Kreuzung – dem Knotenpunkt Feistenberg – bis zum Tunnel Kohlberg. Dazu gehören auch die Brücken am Autobahnzubringer, eine Brücke für einen Wirtschaftsweg über die Südumfahrung, ein Fledermausdurchlass sowie Lärmschutzwände.

In einem vierten Schritt wird der Kohlbergtunnel gebaut, zuletzt folgen noch einige Arbeiten zur Ausstattung entlang der Straße.

Wie wird der Tunnel am Kohlberg gebaut?

Der Tunnel verläuft später rund 30 Meter unter der Geländeoberfläche. Eine offene Bauweise schied aus Naturschutzgründen aus. So müssen sich die Fachleute 200 Meter durch den Berg graben, was sich wegen der wenig tragfähigen Schichten als schwierig erweist. Auch ist der Tunnel zu kurz für eine große Tunnelbohrmaschine, diese werden erst bei Tunnellängen ab 1,5Kilometer eingesetzt. So müssen die Arbeiter sprengen und Stück für Stück bohren und sichern, um den Tunnel zu bauen. Laut Barbara Fahland sei das eine Herausforderung für die Ingenieure.

Wie lang werden die einzelnen Bauzeiten sein?

Die Arbeiten für die Brücke über die Seidewitz und über die Zehistaer Straße starten im Sommer 2017 (Bauzeit 21 Monate). Im Sommer 2018 beginnt der Bau der Gottleubabrücke nebst den anschließenden Straßen-Teilstücken (Bauzeit 34 Monate). Die Trasse vom Autobahnzubringer bis zum Tunnel wird ab Frühjahr 2019 gebaut (Bauzeit 18 Monate). Die Arbeiten am Kohlbergtunnel beginnen Ende 2019 (Bauzeit 27 Monate). Der Bau an der Straßenausstattung beginnt im Herbst 2021. Im Laufe des Jahres 2022 sollen dann die ersten Autos über die Südumfahrung rollen.

Was kostet der Bau der Südumfahrung insgesamt?

Nach derzeitigem Stand kostet die reichlich drei Kilometer lange Trasse einschließlich der komplizierten Bauwerke wie Brücken und Tunnel rund 97 Millionen Euro. Die finanziellen Mittel für den Bau stellt der Bund bereit.

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