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23 Minuten länger

Bis September fährt zwischen Döbeln und Riesa kein Zug. SZ-Mitarbeiterin Dörthe Gromes hat den Ersatzbus getestet.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Dörthe Gromes

Riesa. Schienenersatzverkehr rangiert auf der Beliebtheitsskala wohl irgendwo zwischen Wespenstichen und Fußpilz. Etwas, das keiner haben will, worum Bahnpendler aber auf Dauer nicht herumkommen. Fahrgäste der Regionalbahn auf der Strecke Riesa-Döbeln-Waldheim müssen sich seit gut zwei Wochen darauf einstellen, dass ihre Fahrt bis zu einer knappen Stunde länger dauert. Bis zum 20. September werden die Einschränkungen wegen eines ganzen Paketes von Bauarbeiten noch dauern. So werden die Flutbrücke Panitz in der Nähe von Blosswitz und die Bachbrücke in Stauchitz modernisiert sowie ein Durchlass und ein Damm bei Binnewitz instand gesetzt. Parallel werden die Gleise zwischen Ostrau und Seerhausen sowie zwischen Döbeln und Waldheim erneuert. Schlussendlich wird noch der Bahnübergang in Bauchlitz/B 175 überholt. Wie der Schienenersatzverkehr funktioniert? Das kommt auf einen Versuch an.

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10.19 Uhr am Bahnhof Döbeln: Pünktlich verlässt der Bus den Bahnhofsvorplatz Richtung Riesa. Erstaunt stelle ich fest, dass ich der einzige Fahrgast bin. „Zwischen 6 und 8 Uhr ist mehr los“, kommentiert Busfahrer Jens Maschke. Ab 15 Uhr werde sich der Bus füllen, wenn sich die Leute auf den Heimweg machten. Allerdings habe die Fahrgastzahl durch den Schienenersatzverkehr etwas nachgelassen. Die von der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) betriebene Strecke zwischen Elsterwerda und Chemnitz wird insgesamt von sehr viel weniger Fahrgästen genutzt als die hochfrequentierte Linie zwischen Dresden und Leipzig.

Die Reisebusse des Schienenersatzverkehrs sind zwar bequem, bieten für Kinderwagen, sperriges Gepäck oder Fahrräder allerdings wenig Platz. Zudem müssen zum Einstieg einige Stufen überwunden werden. Kinderwagen mitzunehmen sei kein Problem, versichert der Fahrer. Ob hingegen Fahrräder mitgenommen werden, liege im Ermessen des jeweiligen Busfahrers. Kurz vor Zschaitz zuckelt ein Traktor die B 169 entlang, hinter ihm hat sich eine Autoschlange gebildet. Der Bus allerdings biegt nach rechts in den Ort ab.

10.29 Uhr in Zschaitz: Ein weiterer Fahrgast steigt zu. Luca Cuppi will in die Schule nach Stauchitz. Jetzt, gegen Ende des letzten Schuljahres, muss er nur noch manchmal dorthin. Daher stört ihn der Schienenersatz nicht. „Ich bin damit nicht großartig länger unterwegs als mit der Bahn“, sagt er. Wenige Minuten später, wir sind schon wieder aus dem Ort raus, hat der Bus den Traktor eingeholt. Die Autoschlange ist schon länger geworden, das Tempo nimmt ab. Doch da kommt schon der nächste Ort: Ostrau. Über eine Kopfsteinpflasterstraße rumpelt der Bus zum Bahnhof.

10.39 Uhr in Ostrau: Zwei Schülerinnen steigen zu. Auch Laura Skowronek und Rommy Sonntag wollen nach Stauchitz. In der Oberschule erwartet sie die mündliche Englischprüfung. Routiniert kurvt der Busfahrer durch die engen Straßen der Gemeinde. Zwischen Ostrau und Stauchitz ist auch der langsam fahrende Traktor wieder da. Alltag auf der B 169. Sven Maschke bleibt gelassen. Den Fahrplan gefährdet der Traktor nicht. Dann endlich biegt er ab.

10.47 Uhr in Stauchitz: Die drei Schüler steigen aus, dafür kommt eine weitere Mitfahrerin an Bord. Anetta Fiebiger will nach Riesa, um dort einen Arzttermin wahrzunehmen. Sie ist ganz begeistert vom Schienenersatzbus: „Damit bin ich schneller in Riesa als mit dem normalen Linienbus, meiner Beobachtung nach fahren die Busse regelmäßig und pünktlich.“

In Seerhausen will niemand ein- und niemand aussteigen. Weil die Zufahrt zum etwas außerhalb des Ortes liegenden Bahnhof sehr eng ist, hat man die Haltestelle in die Ortsmitte gelegt. Kurz darauf kommt die Riesaer Trinitatiskirche in Sicht. Das Ziel naht. Pünktlich um 11.07 Uhr erreicht der Bus den Bahnhofsvorplatz Riesa.

Das Routenschild an der Frontscheibe sowie die elektronische Anzeige werden gewechselt. Bereits um 11.16 Uhr fährt Sven Maschke seinen über Döbeln zurück nach Waldheim. Die nächsten Fahrgäste warten schon. In Riesa steigen mehr Passagiere zu, als auf der ganzen Strecke zwischen Döbeln und Riesa zusammen im Bus saßen. Auch ein Busbegleiter ist diesmal dabei.

Reisende haben die Wahl zwischen einem Expressbus, der nur in Waldheim, Döbeln und Riesa hält und laut Fahrplan 25 Minuten länger für die Strecke benötigt, und einem Bus, der auch an den Orten dazwischen hält. Letzterer braucht für die komplette Strecke eine knappe Stunde länger als üblich. Fahrgäste zwischen Riesa und Döbeln hingegen müssen mit dem Expressbus zehn Minuten und mit dem langsameren Bus circa 23 Minuten länger einplanen als mit der Bahn.

www.mitteldeutsche-regiobahn.de/de/baustellen