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Dresden

246 km/h schnell: Ex-Polizist muss zahlen

Schnelles Ende im Prozess gegen einen noch schnelleren Raser. Der Angeklagte ist der erste, der in Dresden wegen unerlaubter Wettrennen verurteilt wurde.

©  Archiv/dpa

Martin F.s bessere Jahre liegen schon lange zurück. Damals war der 44-Jährige aus Heidenau bei der bayerischen Polizei, Gruppenleiter einer Spezialeinheit und sorgte für Recht und Ordnung. Dann kündigte der Beamte, betrieb mit seiner Frau in Franken Spielhalle und Imbiss – und füllte nach und nach sein eigenes Register mit Straftaten. Zuletzt wurde er 2016 am Landgericht Nürnberg unter anderem wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt, die er in Waldheim verbüßte. In dem Gefängnis habe er begonnen, Crystal zu nehmen, sagte der Mann.

Im Februar dieses Jahres, F. war inzwischen auf Bewährung aus der Haft entlassen worden, hat sich der Ex-Polizist wieder mit den ehemaligen Kollegen angelegt – auf der Autobahn 4 am Steuer eines BMW 330 d. Dort raste er nachts Richtung Dresden, überholte bei Wilsdruff einen zivilen Polizei-BMW recht schnell, weshalb sich die Beamten an die Fersen des Rasers hefteten. Sie hatten Mühe, an F. dranzubleiben. F. gab Gas, blieb dann am Dreieck West urplötzlich auf dem Standstreifen stehen – und raste wieder los, als die Beamten hinter ihm gehalten hatten.

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An der Anschlussstelle Altstadt wechselte F. die Richtung und bog dann am Dreieck West auf die A17 ab. Erst in den Tunneln will der 44-Jährige das Blaulicht seiner Verfolger bemerkt haben und stoppte seinen BMW. Mehrfach hatte er Tempolimits weit überschritten, in der Spitze filmten ihn die Beamten mit 246 Sachen bei erlaubten 100. Deswegen musste er sich nun wegen verbotenen Kfz-Wettrennens verantworten. Das ist seit Ende 2017 strafbar – F. ist der erste Angeklagte am Amtsgericht Dresden wegen dieses Vorwurfs.

Angst, die Kinder zu verlieren

Zum Prozessauftakt Anfang August hatte er die Tat eingeräumt und von privaten Problemen berichtet. Er sei von seiner Frau getrennt, sie habe ihm angekündigt, ihm auch das Sorgerecht für seine Kinder entziehen zu lassen. Deswegen sei er zu seinen Eltern gefahren. Er sei auch auf Entzug gewesen und habe sich von Kunden seiner Spielhalle verfolgt gefühlt.

Am Mittwoch sollte F.s Beifahrer gehört werden, um das Motiv für die Raserei zu erhellen. Doch der Zeuge konnte nicht geladen werden. Angeblich hält er sich inzwischen „irgendwo in Österreich“ auf, sagte Verteidiger Andreas Gumprich.

Das Gericht verurteilte den Ex-Polizisten, der seit April arbeitslos ist und im Sommer eine Entzugstherapie in der Türkei besucht hat, nur wenige Minuten später zu einer Geldstrafe von 900 Euro. Auch auf seine Fahrerlaubnis muss er weitere neun Monate verzichten. Der Richter nahm ihm die Verfolgung seiner Kunden nicht ab. F. habe doch den Polizei-BMW überholt. Für den Angeklagten spreche, dass er mit seiner Raserei keine Dritten gefährdet habe.

Martin F. sagte, er sei inzwischen vom Crystal losgekommen. Auch seine Kinder könne er wieder sehen. Doch ihm droht nun auch noch der Widerruf seiner zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafe.