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34 Cent mehr pro Stunde

Zum neuen Jahr steigt der Mindestlohn. Bei Minijobs gibt es eine Hürde, auf die Chefs und Angestellte achten müssen.

© dpa

Von Georg Moeritz

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Dresden. Vier Prozent Lohnerhöhung: Wer Mindestlohn bekommt, hat von Januar an ein Recht auf 34 Cent mehr pro Stunde. Das gilt für 1,9 Millionen Menschen in Deutschland, jeden vierten davon im Osten. Der neue Mindestlohn von 8,84 Euro ist allerdings nur eine Untergrenze. Die Dresdner Vermittlerin Britt Mothes hat in ihrer Kartei Putzhilfen, die zehn Euro bekommen – so findet sie mehr Mitarbeiterinnen. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten hat die Dresdner Bäcker zu Tarifverhandlungen aufgerufen, weil viele der rund 1 300 Bäckereibeschäftigten in der Stadt mit 8,50 Euro „abgespeist“ würden. Selbst bei einem Stundenlohn von 11,68 Euro bleibe nach 45 Jahren nur eine Rente von 788 Euro im Monat, sagt Gewerkschafter Volkmar Heinrich.

Wie viel bringt die

Lohn-Erhöhung im Monat ein?

34 Cent pro Stunde, das klingt nicht nach viel. Doch damit steigt der Mindestlohn bei einer Vollzeitstelle um 59 Euro brutto im Monat, laut Mindestlohn-Rechner des Bundesarbeitsministeriums im Internet. Bisher gab es bei einer 40-Stunden-Woche mindestens 1 473 Euro im Monat, mit dem neuen Mindestlohn sind es 1 532 Euro brutto. Wer eine 30-Stunden-Woche hat, bekommt demnach eine Erhöhung um 44 Euro auf 1 149 Euro brutto monatlich.

Bekommt nun wirklich jeder

mindestens 8,84 Euro pro Stunde?

Nein, auch im neuen Jahr gibt es noch Ausnahmen vom gesetzlichen Mindestlohn. Auszubildende sowie Praktikanten im Rahmen einer schulischen oder hochschulischen Ausbildung dürfen weiterhin mit weniger als 8,84 Euro pro Stunde bezahlt werden. Für Zeitungszusteller gilt 2017 erstmals der Mindestlohn von 8,50 Euro, erst ein Jahr später 8,84 Euro. Einige Branchen haben Tarifverträge abgeschlossen, die bis ins Jahr 2017 hinein noch Mindestlöhne unterhalb von 8,84 Euro erlauben: In Landwirtschaft und Gartenbau muss es mindestens 8,60 Euro geben, ab November 2017 dann 9,10 Euro. Auch einige Wäschereibetriebe für Großkunden dürfen noch leicht unter dem neuen Mindestlohn bleiben. In der Leiharbeitsbranche laufen gerade Tarifverhandlungen, doch laut Pressesprecher Wolfram Linke vom Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen gilt dort vom neuen Jahr an mindestens der neue Mindestlohn. Seit Juni 2016 zahlen Leiharbeitsfirmen im Osten mindestens 8,50 Euro, im Westen 9 Euro.

Worauf müssen Minijobber und

ihre Chefs besonders achten?

Wer bisher 450 Euro im Monat verdient, muss aufpassen – und sein Arbeitgeber auch. Bisher waren die 450 Euro der Lohn für maximal 53 Stunden im Monat. Beim neuen Mindestlohn aber sind bereits nach 51 Stunden die 450 Euro erreicht, rechnet Pressesprecher Lars Fiehler von der Industrie- und Handelskammer Dresden vor. Wenn Minijobber künftig in einem Monat die 51 Stunden überschreiten, sind sie keine Minijobber mehr. Dann gilt nicht mehr die unbürokratische Pauschale für Steuer und Sozialversicherung, um die sich alleine der Arbeitgeber kümmert. Spätestens bei der Stundenplanung für den Januar müssen Chefs und Angestellte also vereinbaren, ob die Stundenzahl gekürzt wird – oder ob aus der „geringfügigen“ eine richtige Beschäftigung wird. Als zu Anfang 2015 der gesetzliche Mindestlohn eingeführt wurde, sind laut Statistik viele Minijobs weggefallen, aber viele auch in sozialversicherungspflichtige umgewandelt worden. Voriges Jahr stieg in Sachsen die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, die Erwerbstätigkeit insgesamt sank.

Wie bereiten sich Sachsens

Unternehmer auf die Erhöhung vor?

Haareschneiden und Brötchen sind im Zusammenhang mit dem Mindestlohn teurer geworden. Manche Friseure stellten Schilder neben die Kasse und erklärten, dass sie Preise und Löhne zugleich erhöhten. Laut Carolin Schneider, Sprecherin der Handwerkskammer Dresden, „verschiebt sich das Gehaltsgefüge generell nach oben“. Derzeit sei die Lage im ostsächsischen Handwerk „sehr gut“. Bei einer Verschlechterung allerdings wäre das Handwerk „als personalintensive Branche stärker betroffen als industrielle Bereiche“. Auch Christian Haase, Landesvorsitzender der Familienunternehmer in Sachsen, warnt vor dem nächsten Abschwung.

www.der-mindestlohn-wirkt.de