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Dresden

400 Knöllchen in zwei Wochen

Seitdem keine Autos mehr an der St. Petersburger parken dürfen, wird kontrolliert. Es blieb nicht bei Strafzetteln für Falschparker. 

Lange mussten Radfahrer zwischen Parkplätzen und Autoverkehr fahren. Die Stellplätze sind mittlerweile abgeschafft, geparkt wird trotzdem noch. © Archivbild: Rene Meinig

Die Halteverbotszeichen sind eindeutig. Sie stehen seit dem 20. Juni an der St. Petersburger Straße. Die Parkplätze zwischen dem Georgplatz und der Sidonienstraße sind verschwunden, dafür gibt es jetzt auf dem südlichen Ferdinandplatz Stellflächen für die Bewohner des Viertels.

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Doch nicht jeder Autofahrer akzeptiert das. Trotz des Halteverbots stehen dort immer wieder Fahrzeuge. Das haben die Mitarbeiter des Ordnungsamts bei ihren Kontrollgängen festgestellt und eifrig Knöllchen verteilt. 400 waren es laut der Stadtverwaltung bis zum vergangenen Sonnabend, also in reichlich zwei Wochen. Außerdem mussten 38 Autos abgeschleppt werden. Sie wurden umgesetzt, teilten die Verantwortlichen aus dem Rathaus mit. Das heißt in der Regel, dass die Autos in der Nähe auf freien Parkflächen abgestellt werden und die Besitzer durch einen Anruf davon erfahren, wo sie ihr Auto jetzt finden können. Die Stadtverwaltung kündigt an, dass sie die Kontrollen auf der St. Petersburger Straße fortsetzen will.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bezeichnet die Einrichtung des Halteverbots als „wichtigen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit“. Außerdem wertet er ihn als „deutliches Signal der Stadtspitze“ dafür, dass sichere Infrastruktur Vorrang habe.

Das Halteverbot wurde eingeführt, nachdem im August 2018 bei einem Unfall eine Radfahrerin ums Leben gekommen ist. Sie musste einer Autotür ausweichen, die ein parkender Pkw-Fahrer geöffnet hat. Das Ausweichmanöver endete tödlich für die Frau, sie wurde von einem Auto überfahren. Seitdem steht an der St. Petersburger etwa in Höhe der Haltestelle Walpurgisstraße ein weißes sogenanntes Ghostbike. Es erinnert an die tote Radfahrerin.

© Sven Ellger

Der ADFC verfasste eine Petition zur Abschaffung der Parkplätze, mehr als 5 000 Menschen unterstützten das Anliegen. Die Stadtratsfraktion der Grünen beantragte schließlich die Abschaffung der Parkplätze. Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain setzte sie durch. „Eine andere Lösung gibt es nach dem tragischen Unfalltod einer Radfahrerin kurzfristig nicht“, begründete er das Parkverbot. „Unser Ermessensspielraum ist hier auf null reduziert.“