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60 und kein bisschen leise

Der Posaunenchor Rüsseina feiert Geburtstag. Schon zwei Mal in seiner Geschichte stand der Chor kurz vor dem Aus.

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© Dietmar Thomas

Von Cathrin Reichelt

Rüsseina. Sie haben ein gemeinsames Hobby, obwohl sie vom Alter her Kinder, Eltern und Großeltern sein könnten. Die 16 Jugendlichen und Erwachsenen spielen gemeinsam im Posaunenchor Rüsseina. „Für einen Dorf-Posaunenchor sind das relativ viele“, meint Pfarrer Jochen Hahn. Der Platz, der dem Chor während der Gottesdienste in der Kirche zugedacht ist, reicht kaum noch aus. Auch vom Durchschnittsalter her sind die Chormitglieder noch recht jung. Der Älteste ist 62 Jahre alt und der Jüngste elf. Dass ein solch junger Musiker mitspielt, ist ebenfalls nicht selbstverständlich. „Die meisten Kinder fangen mit zehn Jahren mit der Ausbildung an. Bis sie im Chor mithalten können, brauchen sie mindestens zwei Jahre“, so Hahn.

Am Wochenende feiert der Rüsseinaer Posaunenchor sein 60-jähriges Bestehen. Gegründet wurde er von Pfarrer Walter Johne, der heute in Leipzig lebt. Damals war er Vikar und Rüsseina seine erste Pfarrstelle. Damit die Idee eines Posaunenchores Wirklichkeit werden konnte, kaufte er alte Instrumente von der Kirchgemeinde Helmsdorf bei Pirna.

„Zweimal hat der Posaunenchor seitdem geschwächelt“, erzählt Pfarrer Hahn. Das erste Mal, als Pfarrer Johne die Kirchgemeinde verließ. Zwei Jahre lang fand sich niemand, der die Bläser anleiten konnte. – Bis das Ehepaar Rüffert nach Rüsseina zog. Annelies Rüffert hat den Chor übernommen. Doch elf Jahre später zog auch sie wieder weg. „Dadurch fehlte der Bass, eine ganze Stimme im Chor. Zu diesem Zeitpunkt hätte man einen Schlussstrich ziehen können“, meint Jochen Hahn. Doch die Mitglieder des Posaunenchores hätten Mut bewiesen und den Bass durch die Orgel ersetzt.

Seit fast 26 Jahren leitet Pfarrer Hahn die Kirchgemeinde und seit 1992 den Posaunenchor. „Von damals ist keiner mehr dabei. Die Handhabung der Instrumente wird im Alter schwieriger“, begründet der Pfarrer. Aber fünf der Ehemaligen gehören noch zur Kirchgemeinde. Jochen Hahn bildet immer wieder junge Bläser aus. „Aber viele von ihnen verlassen den Ort für ihre Ausbildung.“ Umso mehr freut es ihn, wenn ein Jugendlicher im Posaunenchor einer anderen Kirchgemeinde Aufnahme findet.

Rein von der Musik her entstünden dabei keine Probleme. Denn die Rüsseinaer beherrschen die Standardliteratur für Posaunenchöre, die jedem Chor in Deutschland geläufig ist. „Wir verstehen uns als Gottesdienst-Posaunenchor“, meint Hahn. Es gibt aber auch Ausnahmen. Seit 37 Jahren spielt der Posaunenchor ein Himmelfahrtskonzert. Tradition hat auch das Volksliederblasen im Sommer auf der Radewitzer Höhe.

Gefeiert wird am Sonnabend, 27. August.

Beginn ist um 17 Uhr mit einem Bläserfestgottesdienst mit Kindergottesdienst in der Kirche Rüsseina.

Ab 18.30 Uhr stehen auf dem Pfarrhof Speisen und Getränke bereit. Dort werden auch Bilder aus der Geschichte des Posaunenchores gezeigt.

Für die abendliche Unterhaltung sorgt ab 20.30 Uhr die Klezmer-Band Seau Volant.