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600 Kinderstimmen in Löbau

Das Abschlusskonzert eines besonderen Projekts war ein echter Erfolg. Singen kann sogar beim Rechnen helfen.

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© Matthias Weber

Von Birgit Hollstein

Magdalena Poick aus der 2. Klasse der Grundschule „Am Löbauer Berg“ hatte am Mittwoch einen ganz besonderen Auftritt: Mit 600 anderen Kindern hat sie in Löbaus großer Messehalle gesungen. Mit einem Willkommenslied auf Deutsch und Sorbisch leitete sie und alle anderen das Abschlusskonzert des Projektes „Lausitzer Spatzen/Solobiki“ ein. Unauffällig steht Magdalena in den Reihen ihrer Mitschüler vor dem Podium. Um dieses herum haben Kinder aus sechs Grundschulen und drei Kindertagesstätten aus Friedersdorf, Kleindehsa, Eibau, Löbau, Ebersbach, Bautzen und Ebersdorf Platz genommen. Auf dem Podium stehen die Projektleiterinnen Ann Tröger, Tanja Donau und Elmira Yakhina und dirigieren die Mädchen und Jungen.

...und wie sie begeistert bei der Sache waren.
...und wie sie begeistert bei der Sache waren. © Matthias Weber
Auch die achtjährige Magdalena Poick aus der Grundschule „Am Löbauer Berg“ war bei dem Auftritt mit ihrer Klasse in der Löbauer Messehalle dabei.
Auch die achtjährige Magdalena Poick aus der Grundschule „Am Löbauer Berg“ war bei dem Auftritt mit ihrer Klasse in der Löbauer Messehalle dabei. © Matthias Weber

Die jüngsten unter ihnen sind erst drei Jahre alt, die ältesten besuchen die vierte Klasse einer Grundschule. Für Magdalena Poick ist es der zweite Auftritt. Gern singt das Mädchen mit ihrer Mutter auch zu Hause, spielt seit Juni Gitarre und ist deshalb beim großen Auftritt kein bisschen aufgeregt.

„Die Bewegungen übersetzen den Text“

Aufgeregt scheint niemand zu sein. Im Gegenteil: Wenn die klaren Kinderstimmen den Raum ausfüllen, schlägt eine Welle der Begeisterung in die Reihen des Publikums. Im schnellen Rhythmus der Lieder nehmen die Kinder ihre Zuschauer mit auf eine imaginäre Reise in die Wildnis von Afrika und nach Rio de Janeiro. Bei all ihren Liedern bewegen sie sich. „Durch die Bewegung unterstützt der Körper die Stimme“, sagt Ann Tröger. Gesangspädagogin Elmira Yakhima fügt hinzu: „Die Bewegungen übersetzen den Text.“ Diese Art der Übersetzung ist auch notwendig, denn die Lieder erklingen in mehreren Sprachen. Ihre Kollegin Ann Tröger sieht das so: „Musikunterricht ist Sportunterricht.“ Außerdem kommt durch die Bewegung mehr Freude beim Singen auf. Das kann Magdalena Poick nur bestätigen, wenn sie erzählt: „Die Übungsstunden mit Ann Tröger haben Spaß gemacht. Anstrengend waren sie nicht.“

Geübt für ihre Darbietungen in der Messehalle haben die Kinder gerade einmal zehn Wochen, dabei eine Stunde in der Woche. Aber ihr Erfolg scheint riesengroß. Dies bestätigt das Ehepaar Raue aus Niedercunnersdorf, das im Publikum, direkt hinter den Akteuren sitzt. „Es gefällt uns deshalb sehr gut, weil es sehr viel Abwechslung gibt. Bemerkenswert ist die Ruhe und Disziplin der Kinder.“

Die Mädchen und Jungen der Grundschule Kleindehsa stimmen in ihrem Lied in sanfter, besinnlicher Weise auf den Herbst ein. Wenn Lieder in Fremdsprachen gesungen werden, gibt es keine Probleme. „Die Kinder merken sich die Texte sehr gut“, sagt Tanja Donath .

Durch ihre Liebe zu Musik hat Magdalena Poick mit Hilfe einer CD spielerisch die Malfolgen erlernen können, erzählt ihre Mutter.

Gemeinsam mit dem Schulchor lässt das Mädchen jetzt „La Marmotte“ erklingen, in dem es um ein kleines Murmeltier geht. Begleitet bei all ihren Darbietungen werden die Akteure von Vladímir Heuler auf dem Klavier.

Bei der „Stiefelpolka“ geht‘s ab

Ann Tröger ist stolz auf ihre kleinen Schützlinge. „Wenn die Kinder die Lieder wie ein Engelchor singen, bekomme ich Gänsehaut“, sagt sie. Aufgewachsen in einer sehr musikalischen Familie, als Opernsängerin am Theater in Erfurt tätig, nimmt die Musik schon immer einen ganz besonderen Platz in ihrem Leben ein. Das Schöne bei der Projektarbeit hier mit den Schulen und Kindergärten sei es, dass viel Liebe zurückkommt, hat man die Kinder erst einmal begeistert.

Voll aus sich herausgehen können die Mädchen und Jungen noch einmal in der „Stiefelpolka“. Hier, wo durch einen schnellen Rhythmus besonders viel Bewegung und Koordination im Spiel sind, wird die Freude am Singen ganz besonders geweckt.

Bei Magdalena Poick ist sie das schon lange. Schon jetzt freut sie sich auf ihren nächsten Auftritt. Der wird am 2. Dezember zum Tag der Offenen Tür in ihrer Schule sein. Auch das Ehepaar Raue hat die Gesangsstunde, bei der ihre Enkeltochter Felizitas mitgewirkt hat, sehr genossen. Wenn wieder so etwas stattfindet, wollen sie auf alle Fälle dabei sein, selbst dann, wenn Felizitas nicht mit auftritt.

„Beim gemeinsamen Singen erwacht ein Gefühl der Verbundenheit und des Miteinanders“, sagt Ann Tröger. Verbunden mit den Akteuren, beenden die zahlreichen Zuschauer die Gesangstunde mit den Liedern „Hejo, spann den Wagen an“ und „Bunt sind schon die Wälder“. Und damit die Erinnerung an diesen Tag den Kindern erhalten bleibt, bekommen sie alle eine DVD, auf der das gemeinsame Singen aufgezeichnet ist.