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65 Millionen Euro für vier Gymnasien

Vorsichtig senkt Wolfgang Graf Vitzthum den Hammer auf den Beton des Grundsteins. „Dieser Schlag gilt dem freien Geist der Schule. Dies ist der Wunsch der Familie.“ Applaus von den Umstehenden. Ein Kran hebt den Block hoch, hinüber auf die Bodenplatte des neuen Gymnasiums, das den Namen seiner Adelsfamilie trägt.

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Von Andreas Rentsch

Vorsichtig senkt Wolfgang Graf Vitzthum den Hammer auf den Beton des Grundsteins. „Dieser Schlag gilt dem freien Geist der Schule. Dies ist der Wunsch der Familie.“ Applaus von den Umstehenden. Ein Kran hebt den Block hoch, hinüber auf die Bodenplatte des neuen Gymnasiums, das den Namen seiner Adelsfamilie trägt.

Noch viel Sanierungsbedarf

Damit beginnt ein lange erwartetes Bauvorhaben in Zschertnitz. Neben der Schule in Form eines stilisierten Fragezeichens entsteht bis Juli 2010 auch eine Dreifeld-Sporthalle. Die Kosten für den Komplex beziffert Bürgermeister Winfried Lehmann (CDU) auf 17,5 Millionen Euro. Davon sind allein 9,5 Millionen Fördermittel des Freistaates.

Auch in andere kommunale Gymnasien investiert die Stadt hohe sieben- und achtstellige Summen (s. Kasten). In Bühlau soll ein erweiterter Schulbau nebst Turnhalle im August 2010 fertig sein. Für das Hülße- und das Romain-Rolland-Gymnasium werden ebenfalls neue Sportgelegenheiten gebaut, während die Schulhäuser saniert oder umgebaut werden. Die veranschlagten Kosten belaufen sich dabei auf rund 65 Millionen Euro.

Nach Angaben des Schulverwaltungsamts stehen zudem die Gymnasien Bürgerwiese und Seidnitz auf einer internen Prioritätenliste. Bis mit der baulichen Erweiterung der ehemaligen Sportmittelschule an der Gret-Palucca-Straße begonnen werde, dürfte es noch bis 2011 dauern, sagt Amtsleiter Falk Schmidtgen. „Derzeit befinden wir uns in einer frühen Planungsphase.“ Für Seidnitz seien die Vorbereitungen dagegen ausgesetzt. Bürgermeister Lehmann hat kürzlich in einem Interview erklärt, die Kapazitäten an Gymnasien im Osten der Stadt reichten aus. Sanierungsbedarf herrscht derweil auch am Gymnasium Cotta, an der Dreikönigschule und dem Bertolt-Brecht-Gymnasium (die SZ berichtete mehrfach).

Zumindest für das „Vitzthum“ enden im nächsten Jahr die Provisorien: Nach dem Umzug aus dem ehemaligen Fritz-Löffler-Gymnasium werden zu Schuljahresbeginn rund 600 Kinder und Jugendliche unter modernen Bedingungen in Zschertnitz lernen. Getreu dem Goetheschen Zitat „Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefasstes Neue“, sagt Schulleiterin Arnhild Göllner.

Insofern passt, dass zur Grundsteinlegung an der Paradiesstraße auch Wolfgang Graf Vitzthum ein Grußwort spricht. Der Tübinger Rechtswissenschaftler und Träger des Bundesverdienstkreuzes gehört zur Stifter-Familie, der in Dresden nach wie vor gedacht wird. Rudolf Vitzthum vermachte 1639 in seinem Testament 86000 Gulden für die Gründung eines Gymnasiums. Erst 1829 kam das Geld zum Einsatz – in jenem Jahr nahm die Blochmannsche Erziehungsanstalt in der Dresdner Seevorstadt ihre Arbeit auf. Ab 1861 gab es das „Vitzthumsche Gymnasium“.

190 Jahre von der Idee bis zur Realisierung des Vorhabens – „da waren wir etwas schneller“, witzelt Winfried Lehmann, bevor er die Metallhülse mit Bauzeichnungen, Zeitungen und Kleingeld versenkt.

Ehrengast des Lobes voll

Zu Schuljahresbeginn 2010/2011 sollen über fünfzig Lehrer und deren Schüler ins neue Domizil umziehen. Als eine von wenigen Einrichtungen im Stadtgebiet bietet das Gymnasium als zweite Fremdsprache neben Französisch auch Italienisch an. Für das musisch-künstlerische Profil sollen künftig unter anderem ein Theaterprobenraum sowie eine Keramikwerkstatt zur Verfügung stehen.

Ehrengast Wolfgang Graf Vitzthum sieht die Pädagogen auf dem richtigen Weg: „Eine Schule wie diese kann nur mit Zuversicht in die Zukunft schauen.“