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700 Wohnungen für die Albertstadt

Zwischen Dresdner Heide und Stauffenbergallee ist nun das zweite Großprojekt geplant. Der Investor hat innovative Visionen.

© Visualisierung: Tewac Projektentwicklungsgesellsch

Von Sarah Grundmann

Wie wollen die Leute 2020 leben? Diese Frage stellte sich der Berliner Kay Tews, Geschäftsführer der Tewac Projektentwicklungsgesellschaft, als er die Pläne für 700 neue Mietwohnungen zwischen Stauffenbergallee und Dresdner Heide entwickelte. Am Montagabend stellte er seine Visionen im Neustädter Ortsbeirat vor – und die sind teilweise sehr innovativ.

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Die Versorgung: Der Investor will Sonnen- und Windenergie nutzen.

Energie sei heutzutage ein sehr wichtiges Thema, sagt Tews. „Unser Ziel war es daher, eine möglichst energieautarke Siedlung zu bauen“, so der Investor. Die künftigen Mieter sollen tagsüber durch Solarenergie versorgt werden. „In den Nachtstunden wollen wir den überschüssigen Windstrom der Drewag nutzen“, sagt Tews. Dieser kann als flüssiger Stickstoff in speziellen Wassertanks gespeichert werden. „Wir denken auch darüber nach, einen Teil der Wohnungen zu einer festen Miete – sozusagen mit Energieflatrate – anzubieten“, so der Berliner Unternehmer.

Der Verkehr: Oberirdisch soll es nur Elektrofahrzeuge geben.

Auch in Bezug auf den Verkehr will die Projektentwicklungsgesellschaft einen Schritt in Richtung Zukunft gehen. Oberirdisch sollen Standardfahrzeuge weitestgehend verbannt werden, stattdessen setzt der Investor auf Elektromobilität. Im östlichen Teil des rund zehn Hektar großen Areals ist deswegen auch eine Lade- sowie eine Carsharing-Station für Elektroautos geplant. Andere Fahrzeuge werden in die 25 000 bis 30 000 Quadratmeter große Tiefgarage geleitet. Den Mitgliedern der Initiative „Preußisches Viertel lärmfrei“ reicht das nicht.

„Die Autos müssen ja trotzdem irgendwie dahin kommen“, sagt eine Anwohnerin. Bereits bei der Vorstellung der Pläne für das Nachbargrundstück hatten die Bürger ihre Sorgen geäußert. Der Bebauungsplan für weitere 700 Wohnungen an der Ecke Stauffenberg-/Marienallee wird derzeit erarbeitet. Wenn es nach den Neustädter Ortsbeiräten geht, fahren nicht nur Autos die neue Siedlung an. Sie forderten, dass die Straße zum Neubaugebiet so angelegt wird, dass dort Busse entlangkommen. Eine Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr hatten sich Anwohner am Jägerpark schon lange gewünscht.

Die Grünanlagen: Paradies für Echsen und Schlangen geplant.

Dem Investor stellen sich bei seinem Projekt aber auch einige Hürden in den Weg. So haben sich auf dem brachliegenden Areal Zauneidechsen und Schlingnattern angesiedelt. Für die Tierarten muss das Unternehmen ein Habitat anlegen, das sich in U-Form östlich, nördlich und westlich um die Siedlung zieht – ein Paradies für Echsen und Schlangen.

Doch nicht allen Neustädter Ortsbeiräten gefällt das. Die Grünen wünschen sich mehr Platz für Kleingärtner. Deren Flächen in der Stadt seien begrenzt. Deshalb soll geprüft werden, ob sich für diese im Norden des Neubaugebiets etwas findet. Notfalls müsse der Investor geplante Gebäude einbüßen.

Die Häuser: Neben 700 Mietwohnungen entstehen Läden und ein Ärztehaus.

Tews hat für den Norden des Areals eigentlich ganz andere Pläne. Wegen der Lärmbelastung durch den nahe gelegenen Sportplatz des Sportclubs Borea möchte er dort keine Wohnungen bauen. Stattdessen plant das Unternehmen ein Ärztehaus, auch eine Physiotherapiepraxis für die Sportler soll dort Platz finden. In den anderen Gebäuden ist ebenfalls teilweise die Ansiedlung von Gewerbe geplant. Statt auf Restaurants und Supermärkte setzt Tews aber auf kleine Läden, Bäckereien und Cafés.

Daneben entstehen 700 Mietwohnungen mit zwei bis vier Zimmern und 60 bis 120 Quadratmetern. Die Kaltmiete setzt der Investor zwischen acht und zehn Euro an. Allerdings sollen etwa 15 Prozent der Appartements als sozialer Wohnraum für 6,60 Euro angeboten werden. Der Neustädter Ortsbeirat stimmte den Visionen am Montag mehrheitlich zu, lediglich der AfD-Abgeordnete Stefan Strauß enthielt sich. Nun müssen Gutachten eingeholt und ein Bebauungsplan erarbeitet werden. Frühestens Anfang 2018 kann der Bau beginnen, bis 2020 sollen die Häuser stehen.