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76-Jährige greift Mitbewohner mit Schirm an

Sechs Monate für rabiate Schläge – die beschuldigte Rentnerin stand gestern zum ersten Mal vor Gericht.

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Von Carina Huppertz

Ein frisch gewischter Flur ist der Auslöser für einen handfesten Streit. Die Folge – ein faustgroßes Ei auf der Stirn eines 42-Jährigen, dem Mann mit dem Mob. Ihn traf die Spitze eines Regenschirms, den eine 76-jährige Frau geschwungen haben soll. Gestern stand die Rentnerin wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Dresden.

Opfer und Täterin lebten im Juli vergangenen Jahres noch in dem Wohnheim auf der Hubertusstraße. Dort hatte der Mann gerade geputzt. Er behauptete, er habe die Angeklagte nur gebeten, einen anderen Weg zu gehen. Daraufhin habe sie zugeschlagen. „Sehr oft und sehr kräftig“, wie sie selbst zugab. Kraft scheint die rüstige Frau noch genug zu haben. Der Mann musste ins Krankenhaus gebracht werden.

„Eine Lüge“, behauptete die Angeklagte. Sie habe eine Mitbewohnerin geschützt. Angeblich habe der Mann ihre Freundin die Treppe hinunterschubsen wollen. Als er auch sie selbst bedrängte, habe sie mit dem Schirm auf seinen Arm geschlagen. „Ich wollte nur von ihm loskommen“, beteuerte sie. Jetzt sei sie Opfer ihrer Zivilcourage.

Die Zeugen haben ihre Version der Geschichte nicht bestätigt. Keiner habe die Freundin auf der Treppe gesehen. Auch war das Opfer nur am Kopf, nicht aber am Arm verletzt. Richter Rainer Gerads verurteilte die Rentnerin deshalb zu sechs Monaten auf Bewährung. Für eine Milderung sah er keinen Anlass: „Das hätte auch gut ins Auge gehen können“, mahnte er. Die Angeklagte ist empört, dass ihre Zivilcourage sie nun vor Gericht gebracht hätte. „Ob ich mich noch einmal für jemanden einsetze, werde ich mir schwer überlegen“, waren ihre abschließenden Worte.