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80-Jähriger als Müllsammler unterwegs

Mit dem Fahrrad und einem Anhänger zog Siegfried Hempel los. Was er gefunden hat, ist erschreckend.

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Im Namen der CDU-Fraktion im Gemeinderat bedankte sich Sven Krawczyk bei Siegfried Hempel fürs Müllsammeln.
Im Namen der CDU-Fraktion im Gemeinderat bedankte sich Sven Krawczyk bei Siegfried Hempel fürs Müllsammeln. © Sylvia Jentzsch

Bennewitz. Siegfried Hempel aus Bennewitz bei Großweitzschen steht nicht gern im Rampenlicht, obwohl er es verdient hat. Denn der 80-Jährige schimpft nicht nur darüber, dass überall Müll herumliegt, sondern packt an. So sammelte er kürzlich zwischen Bennewitz, Göldnitz und Zaschwitz den herumliegenden Müll an den Straßenrändern auf.

Für den Einsatz bedankte sich der zweite stellvertretende Bürgermeister Sven Krawczyk im Namen der CDU-Fraktion mit einem Blumenstrauß und einem Gutschein für eine Gaststätte. „Es ist hochachtungsvoll, was Siegfried Hempel geleistet hat. Er ist nicht nur mit dem Fahrrad und einem Anhänger losgefahren, um Müll aufzusammeln. Er hat ihn auch sortiert und auf eigene Kosten entsorgt“, so Krawczyk.

„Wir gehen die Strecke immer mit unserer Nordic-Walking-Gruppe. Und es ärgert uns, dass Müll herumliegt“, sagt der Senior. Der Müll lande nicht nur im Straßengraben, sondern auch auf den Feldern und sogar im Krebsbach. 

„Das ist einfach unverantwortlich“, so Hempel. Er sei immer Landwirt gewesen, habe später in der Verwaltung gearbeitet und sei immer mit der Natur verbunden gewesen. Deshalb brenne es ihm auch unter den Nägeln, wenn diese verschmutz wird.

Seit 2008 hat der Bennewitzer immer wieder gesundheitliche Probleme. Aber ich habe mich immer wieder aufgerappelt. Deshalb bin ich jetzt auch in der Nordic-Walking-Gruppe“, sagte Hempel den Gemeinderäten. Kurz vor dem Eingangsschild von Göldnitz habe er etwa 40 Glasflaschen und Einweckgläser gefunden.

Der ehemalige Landwirt vermutet, dass es immer die gleichen Leute sind, die den Müll in der Natur entsorgen. „So wie die Beutel auf gleiche Art und Weise zugedreht sind, könnte man das vermuten“, sagt er. Es sei traurig, wenn die Leute immer wieder den Müll in die Natur schmeißen. 

Dass es so ist, hat er erst wieder in dieser Woche feststellen müssen. Deshalb mache es schon gar keinen Sinn, für andere aufzuräumen. Den Leuten ist nicht bewusst, dass der Müll, den sie auf das Feld schmeißen, durchaus in die Kartoffeln oder das Getreide, also in ihre Lebensmittel, gelangen kann“, so Hempel.

Eingeplant hatte er für seine Müllsammelaktion etwa zwei Stunden. Doch daraus wurden fünf. Denn er fand mehr Müll als vermutet. Auch Sondermüll wie Sprayflaschen, die teilweise noch gefüllt waren, oder Farbdosen. Den hat Siegfried Hempel aussortiert und bringt ihn zur nächsten Annahmestelle. 

„Die Sammelaktion sollte eigentlich einmalig sein. Denn es ist wirklich niederschlagend, wenn kurze Zeit später wieder jede Menge Müll am gleichen Platz liegt“, sagte der 80-Jährige. (DA/je)