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800 Meter Niesky

Mit einem langen Festumzug feiert die Stadt am Sonnabend ihren 275. Geburtstag. Da sind auch die Kleinsten mit dabei.

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© André Schulze

Von Alexander Buchmann

Die Kinder der Kita „Sonnenweg“ in Niesky waren fleißig. Gemeinsam mit ihren Erziehern haben sie in den vergangenen Tagen aus Papptellern und Strohhalmen Sonnenblumen gebastelt. Denn mit denen soll der Wagen der Kita beim Herbstfestumzug am Sonnabend verziert werden. „Wir haben Sonnen gebastelt, weil wir vom Sonnenweg sind“, erklärt eine Erzieherin die Idee dahinter. Geschmückt wird der Wagen aber auch mit allerlei Spielsachen. Darunter sind unter andere alte Kinderwagen, ein Kipplaster aus DDR-Zeiten, Tretroller und ein Schaukelpferd aus Holz in Form einer Lokomotive. „Wir haben einen Aushang gemacht, dass die Eltern ihre Dachböden nach alten Sachen durchstöbern sollen“, sagt die Erzieherin.

Vom Erfolg können sich die Nieskyer dann am Sonnabend ab 14.30 Uhr überzeugen, wenn der Wagen gemeinsam mit fast 80 anderen sogenannten Bildern durch die Stadt rollt. Mit dieser Zahl an Wagen und 65 Teilnehmern wird es der größte Umzug der letzten Jahre. Das hat sich auch bei Bernd Barthel bemerkbar gemacht, der seit einem halben Jahr an der Organisation arbeitet. „Seit März laufen die Planungen“, erzählt er. Man habe so zeitig angefangen, damit die Teilnehmer Zeit für die Ideenfindung haben. Und die sind anscheinend nur so gesprudelt, wie ein Überblick über die Teilnehmer und ihre Wagen zeigt.

Die Bandbreite der Teilnehmer reicht von vier Kitas und zwei Schulen über zahlreiche Betriebe und Unternehmern der Stadt bis hin zu einem Querschnitt der hiesigen Vereinslandschaft. Die Bilder sollen eine genauso bunte Mischung werden. Lanz Bulldog-Traktoren und Autos aus DDR-Produktion werden ebenso zu sehen sein wie Pferde, Esel und aufwendig gestaltete Wagen. „Der Waggonbau Niesky zeigt einen alten Waggon auf einem Tieflader und das Möbelwerk hat ein altes Klassenzimmer auf einen Wagen gebaut“, verrät Bernd Barthel. Mehrere Bilder werden auch für eine musikalische Untermalung des Umzuges sorgen. Auch hier kündigt der Cheforganisator Vielfalt an. Neben einem Chor und Blasmusik soll auch aktuelle Musik aus den Boxen mehrere Disko-Lkw zu hören sein. Die Nieskyer Heidespatzen sind ebenfalls mit dabei.

Besonderer Wert wird zum Stadtjubiläum aber auch auf die Geschichte gelegt. So seien historische Bilder geplant, bei denen unter anderem Nieskys erste Einwohner und böhmische Siedler in ihrer traditionellen Kleidung zu sehen sein werden. Auch die Betriebe und Vereine zeigen zum Teil Historisches. Dass beim alljährlichen Umzug die Stadtgeschichte aufgegriffen wird, habe es vorher noch nicht gegeben. Aber schließlich soll der Umzug auch der Höhepunkt der Feierlichkeiten sein, sagt Bernd Barthel. Die Länge des Umzugs schätzt er auf 800 Meter. Damit wird der dreimal so lang wie sonst. „Das ist schon eine Herausforderung“, erzählt der Organisator.

Ab 13.30 Uhr stellt sich der Festzug auf der Seer Straße und Jänkendorfer Straße im Gewerbegebiet Süd auf. Dort werden sie von Bernd Barthel und seinen Helfern aufgeteilt werden. Schließlich sollen beispielsweise nicht alle Wagen mit Musik direkt hintereinander oder in der Nähe der Pferde fahren. Die Rewe-Kreuzung ist eine Stunde später dann auch der Startpunkt. Von dort führt die Route über die Görlitzer Straße stadteinwärts, wo sie den Zinzendorfplatz überquert und dann von der Muskauer Straße nach rechts in die Pestalozzistraße einbiegt. Danach geht es über die Bahnhofstraße bis zum Platz der Jugend. Dort soll der Umzug gegen 15.30 Uhr ankommen und sich auflösen.

Damit haben Zuschauer und Teilnehmer eine halbe Stunde Zeit, bis im Festzelt auf dem Gelände des ehemaligen Spar-Markts in der Lehrergasse Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann das Bierfass ansticht. Einen zentralen Punkt mit Erklärungen zu den einzelnen Bildern der Umzugs per Lautsprecher wird es nicht geben. „Jedes Bild trägt ein Schild, damit man es zuordnen kann“, kündigt Bernd Barthel an.

Autofahrer müssen während des Festumzugs geduldig sein. Die betroffenen Straßen und Nebenstraßen werden durch Helfer abgesperrt und erst wieder freigegeben, wenn er an der Stelle vorbeigekommen ist.