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Döbeln

93-Jähriger kann wieder richtig atmen

Die Ärzte in der Helios-Klinik haben einem Patienten einen speziellen Herzschrittmacher implantiert. Damit will der Mann 100 Jahre alt werden.

Dr. Helge Knopp und sein Team haben Günter Kohlisch im Leisniger Helios-Krankenhaus einen speziellen Herzschrittmacher implantiert. Schon wenig später ging es dem Senior spürbar besser.
Dr. Helge Knopp und sein Team haben Günter Kohlisch im Leisniger Helios-Krankenhaus einen speziellen Herzschrittmacher implantiert. Schon wenig später ging es dem Senior spürbar besser. © Helios-Klinik

Leisnig. Im Sommer möchte Günter Kohlisch für sich und seine Mitbewohner wieder Eis besorgen. Nicht aus der Tiefkühltruhe, sondern vom Eisladen. Dafür fehlte ihm zuletzt die Luft, sein Herz machte das nicht mehr mit. Inzwischen hat der 93-Jährige ein großes Stück Lebensqualität zurückbekommen. Ein spezieller Herzschrittmacher macht’s möglich.

„Ach, der ist ja noch richtig jung“, kommentiert Günter Kohlisch trocken, als er beim Blick in die Zeitung das Bild Kurt Biedenkopfs sieht, der dieser Tage 90 Jahre geworden ist. Jung ist dann aber doch relativ. Immerhin ist der gebürtige Chemnitzer selbst schon 93. Von seiner Routine des täglichen Zeitungsstudiums weicht er trotz des hohen Alters nicht ab. Günter Kohlisch will teilhaben an der Welt. „Das hält mich fit im Kopf und so weiß ich, was draußen los ist“, sagt der Rentner lächelnd.

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Lebensfroh und zufrieden wirkt er, wie er dasitzt und erzählt: von seiner Jugend, seinem heutigen Leben im Betreuten Wohnen in Nossen, von seinen Spaziergängen und wie er im Sommer vom Eisladen auf dem Weg häufig Eis für seine Mitbewohner mitbringt. „Das war vor über einem Jahr noch ganz anders“, sagt Tochter Karina Kohlisch. „Da war Papa oft verwirrt, konnte kaum noch laufen und litt selbst im Liegen unter Atemnot.“

Schuld an dem schlechten Gesundheitszustand war Günter Kohlischs schwaches Herz. Seit den 1990er-Jahren hatte der gelernte Industrieschmied bereits einen Schrittmacher, da sein Herz viel zu langsam und unrhythmisch schlug. Aber irgendwann reichten die Leistungen dieses Geräts nicht mehr aus, um das Herz synchron zum Schlagen zu bringen und somit den Körper mit ausreichend Blut zu versorgen. Das brachte bei Günter Kohlisch starke Probleme wie Wassereinlagerungen und Atemnot mit sich.

„Günther Kohlisch war damit prädestiniert für einen sogenannten CRT-Schrittmacher, den wir hier in der Helios-Klinik seit einiger Zeit implantieren“, erklärt Dr. Helge Knopp, Oberarzt der Inneren Medizin am Leisniger Krankenhaus. CRT steht hierbei für kardiale Resynchronisationstherapie. „Dieser spezielle Schrittmacher kann bei Patienten mit einer ausgeprägten Herzschwäche zum Einsatz kommen, wenn Medikamente oder eben auch gewöhnliche Schrittmacher nicht mehr helfen“, so der Kardiologe weiter.

Spürbar mehr Lebensqualität

Das Besondere des Schrittmachers sei, dass die CRT-Geräte über drei Sonden verfügen, die jeweils an den beiden Herzkammern und im rechten Vorhof des Herzens liegen und das Herz in einen synchronen Rhythmus bringen, erklärt der Mediziner. „Dadurch erhöht sich in vielen Fällen die Pumpleistung des Herzens und die Patienten merken, dass sie zum Beispiel wieder besser atmen können, belastbarer sind – sprich, dass sich ihre Lebensqualität merklich verbessert.“

Allerdings: Nicht jeder Patient mit einer Herzschwäche ist für diesen Schrittmacher geeignet. „Eine Voraussetzung ist, dass der Herzinsuffizienz-Patient medikamentös austherapiert ist. Des Weiteren bewerten wir im EKG, wie eingeschränkt die Reizweiterleitung im Herzen ist“, erzählt Dr. Knopp.

Kommt der Patient für das Implantat in Frage, wird der Schrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt. Anschließend müssen die Patienten alle paar Monate zur Kontrolle, um den Schrittmacher auslesen zu lassen. Etwa zehn Patienten wurde in den vergangenen Monaten in der Helios-Klinik Leisnig bereits ein CRT-System implantiert.

Menschen mit Herzschwäche gibt es hingegen wesentlich mehr – etwa 30 Patienten kommen wöchentlich in die Herzinsuffizienz-Ambulanz des Krankenhauses. „So viele, dass geplant ist, die Sprechzeiten der Herzinsuffizienz-Ambulanz zu erweitern“, sagt Juliane Dylus, die Sprecherin der Leisniger Klinik.

Günter Kohlisch hat von der Therapie enorm profitiert und merkte sogar sofort nach der Operation eine markante Verbesserung. „Ich war noch im Aufwachraum, als ich zu mir sagte: ‚Mensch Günter, du kannst ja wieder richtig atmen‘.“ Seine Tochter ergänzt lächelnd: „Es war faszinierend, als ich Papa noch am Tag der OP besuchte, erwartete er mich schon komplett angezogen und ungeduldig in seinem Krankenzimmer und fragte mich, wann wir denn zusammen in die Cafeteria gehen und einen Kaffee trinken können.“

Neben seinem täglichen Zeitungsstudium genießt es Günter Kohlisch auch, Kaffee zu trinken. Mit seinen sechs Enkeln und sieben Urenkeln backt er gern Lebkuchen. Auch Skatspielen und Spazierengehen stehen bei seinen Freizeitbeschäftigungen ganz oben an.

Nach seinen Zukunftsplänen befragt, sagt der 93-Jährige mit größter Überzeugung: „Ich möchte 100 Jahre alt werden!“

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