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Ab geht die Post – nur wohin?

In Tharandt doppeln sich mehrere Straßennamen. Ein kurioser Fall zeigt, welche Folgen das haben kann.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

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Tharandt. Tharandt oder Kurort Hartha? Das ist hier die Frage. Wer in Tharandt und seinen Ortsteilen unkundig ist, der kann sich auf der Suche nach der richtigen Hausnummer schon mal verirren. Erst recht, wenn ein Navigationsgerät den Weg weisen soll. Der Grund: Es doppeln sich die Straßennamen – und die Hausnummern. Wer eine bestimmte Adresse zum Ziel hat, sollte sich nicht blindlings auf eine Computerstimme verlassen, sondern genau wissen, in welchen Ort der Weg führt.

Verwirrend kann es vor allem dann werden, wenn die Dopplungen entlang einer Straße auftreten. So ist das auf der Freiberger Straße und der Talmühlenstraße. Beide Straßen verbinden die Orte Tharandt und Kurort Hartha. Dass hier Navis versagen und es schnell zu Verwechslungen kommen kann, hat Michael Krüger erfahren. Seit 1995 wohnt er auf der Talmühlenstraße 4, wohlgemerkt in Kurort Hartha.

In seinem Fall haben die Irritationen noch einen besonderen Grund. Der Name Krüger steht nicht nur am Postkasten auf der Talmühlenstraße 4 des Kurort Harthaers, sondern auch etwas weiter talabwärts auf der Talmühlenstraße 4 in Tharandt. „Ich hatte mal eine Ladung Pflastersteine bestellt, die kamen aber erst nicht bei mir an“, erinnert sich Michael Krüger. Ähnlich verhielt es sich mit einer dicken Rechnung, für die der Kurort Harthaer lediglich die Mahnung erhielt. Die Zahlungsaufforderung vorab landete im Briefkasten unter derselben Adresse in Tharandt. „Dort wollte man meine Rechnung aber nicht bezahlen“, erzählt Michael Krüger und schmunzelt. Die Verwechslung nimmt er mittlerweile mit Humor. Damit die Post dennoch immer dort ankommt, wo sie hin soll, hat Michael Krüger an seinen Briefkasten einen eindeutigen Aufkleber angebracht: „Nicht Mathis Krüger“ steht darauf.

Zu Verwechslungen kam es aber nicht nur, seitdem derselbe Familienname unter derselben Adresse zu finden ist. Als 1999 der Kurort zur Forststadt eingemeindet wurde, gehörte der Name Tharandt korrekterweise mit auf die Adresszeile. Michael Krüger bemerkte, dass es allein mit der Nennung Tharandt nicht getan ist. Damit seine Post und alle, die zu ihm wollen, auch weiterhin zu ihm finden, gibt Krüger seit der ersten Verwechslung weiterhin Kurort Hartha als Adresse an. „Eigentlich müsste es das Problem nicht geben, wenn man für Postsendungen nicht Tharandt dazu notieren müsste, sondern Kurort Hartha genügen würde“, erzählt Michael Krüger. Schließlich wohne er in Kurort Hartha.

Hält hier doppelt beschriftet wirklich besser? Im Tharandter Rathaus hält man zumindest an den doppelten Straßennamen fest, während beispielsweise Freital 2014 mit 175 Adressänderungen das Post-Chaos beseitigte. In demselben Jahr schaffte auch Bannewitz Dopplungen ab. Insgesamt sechs Dopplungen gibt es aktuell in Tharandt. Neben der erwähnten Freiberger Straße und der Talmühlenstraße, die sowohl durch Tharandt als auch durch Kurort Hartha führt, sind ebenfalls der Kirchweg und die Sonnenlehne in Kurort Hartha und Pohrsdorf als jeweils zwei Straßen doppelt vergeben. In Fördergersdorf und Großopitz gibt es jeweils die Tharandter Straße und in Pohrsdorf und Großopitz die Bezeichnung Zur Aue.

„Aktenkundig sind uns keine Probleme bekannt“, sagt Stadtsprecher Alexander Jäkel. Das sei schon seit Jahren so. Sollte es vor allem für den Rettungsdienst schwierig sein, Adressen zu finden, würde man hingegen alles in die Wege leiten, um dies zu ändern. Dem sei aber nicht so. Deshalb bestehe auch keine Notwendigkeit, die Dopplungen zu beheben. „Man muss sich mal den Rattenschwanz vorstellen, der an solchen Adressänderungen hängt“, erklärt Jäkel. Nicht nur für Anwohner, auch für etliche Gewerbetreibende wäre das mit einem enormen Aufwand und Kosten verbunden. Von einer Änderung seiner Anschrift will auch Michael Krüger absehen. „Ich gebe einfach weiterhin immer den Namen Kurort Hartha an“, erklärt er. In den meisten Fällen komme so auch alles bei ihm an. „Die Zusteller wissen mittlerweile eigentlich auch, wo ich wohne“, sagt er.

Die Deutsche Post bestätigt das. „Unsere Zusteller haben festgelegte Touren und sind in der Regel ortskundig“, erklärt Unternehmenssprecher Mattias Persson. Lediglich bei Vertretungen oder Personalwechsel könne es bei Adressdopplungen auch mal zu Verwechslungen kommen. Solche Irritationen seien aber selten und könnten umgangen werden, wenn Name und Anschrift eindeutig sind. Ähnlich verhält es sich in Notfällen. Gehen in der zentralen Rettungsleitstelle in Dresden Notrufe ein, werde immer der betreffende Ortsteil abgefragt, heißt es seitens der Pressestelle. So werden Irritationen vermieden.

Die Situation könnte sich auch für Michael Krüger in Zukunft noch etwas entspannen. Sein Nachnamensvetter auf der Talmühlenstraße 4 in Tharandt ist mittlerweile ausgezogen. Vielleicht verschwindet bald auch der Name auf dem Klingelschild.