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Ab in die Falle

Der Forstbezirk Bärenfels nutzt die Fläche an der Talsperre Lehnmühle, um die Entwicklung der Borkenkäfer zu überwachen. Was sich daraus ableiten lässt.

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© Frank Baldauf

Von Anja Ehrhartsmann

Osterzgebirge. Er alleine ist zwar nur wenige Millimeter groß. Wenn er aber in der Masse auftritt, kann er ganze Bäume kaputtmachen. Die Rede ist vom Borkenkäfer, der eine Vorliebe für Fichten hat. Damit sich der Schädling nicht unkontrolliert in den Wäldern ausbreitet, überwacht der Forstbezirk Bärenfels die Borkenkäferpopulation in der Nähe der Talsperre Lehnmühle auf der Hermsdorfer Seite.

So setzt der Käfer bem Baum zu

Braunes Bohrmehl als erstes Anzeichen Ein Zeichen dafür, dass der Borkenkäfer einen Baum befallen hat, ist das braune Bohrmehl. Dies entsteht, wenn der Käfer sich durch die Rinde bohrt.
Braunes Bohrmehl als erstes Anzeichen Ein Zeichen dafür, dass der Borkenkäfer einen Baum befallen hat, ist das braune Bohrmehl. Dies entsteht, wenn der Käfer sich durch die Rinde bohrt.
Nimmersatte Larve Die Larve schlüpft je nach Temperatur nach ein bis zwei Wochen aus dem Ei und frisst sich dann durch die Bastschicht der Rinde.
Nimmersatte Larve Die Larve schlüpft je nach Temperatur nach ein bis zwei Wochen aus dem Ei und frisst sich dann durch die Bastschicht der Rinde.
Die Rinde fällt ab Der Käfer frisst die Schicht auf, in welcher der Nährstofftransport des Baumes stattfindet. Schließlich verfärben sich die Nadeln der Krone und die Rinde fällt ab.
Die Rinde fällt ab Der Käfer frisst die Schicht auf, in welcher der Nährstofftransport des Baumes stattfindet. Schließlich verfärben sich die Nadeln der Krone und die Rinde fällt ab.

„Das hier ist der ideale Fallenstandort“, erklärt Kristina Funke vom Forstbezirk Bärenfels und zeigt auf die Fläche, auf der kein einziger Baum mehr steht. Das Sturmtief Eckard hat hier Ende 2015 seine Spuren hinterlassen und mehrere Bäume umgerissen. Für die umstehenden Fichten bedeute diese neue Situation Stress, denn sie stehen seither ungeschützt in der Sonne. Das sind Bedingungen, die der Borkenkäfer liebt. „Bäume bekommen nach langen Sonnenperioden Stress, wenn weniger Wasser im Boden ist“, erklärt sie. Und diesen Stress können Borkenkäfer förmlich riechen, denn die Bäume sondern eine Art Hormon aus. „Wir gehen davon aus, dass das die Käfer anlockt.“

Diesen Umstand macht sich der Forstbezirk beim Monitoring zunutze. Mit Lockstoffen, die an dem sogenannten Dreifallenstern befestigt sind, werden die Borkenkäfer angezogen, von denen zwei Arten an der Lehnmühle überwacht werden. Sie purzeln in einen schwarzen Plastikbehälter, aus dem sie nicht mehr entkommen können. Wöchentlich werden die Fallenstandorte überprüft und die gefangenen Käfer eingesammelt. „Sie werden dann eingefroren und gezählt.“

Im Frühjahr 2016 wurde die Fläche an der Talsperre Lehnmühle ins Borkenkäfermonitoringnetz des Forstbezirks aufgenommen. Gezählt werden Kupferstecher, die vornehmlich junge Fichten oder die Baumkronen der Altfichten befallen, und Buchdrucker, die in der Rinde der Althölzer brüten.

Bis Ende Juni seien am Monitoringstandort bereits mehr als 250 000 Kupferstecher gefangen worden. Im Vorjahr lag der Wert Ende Juni bei 30 000, erklärt Funke. Die Fangzahlen beim Buchdrucker bewegen sich mit circa 30 000 Käfern in etwa auf Vorjahresniveau. Ein Phänomen, das nicht nur auf den Landeswald um die Talsperre Lehnmühle zutrifft. Im Vergleich zum Vorjahr gebe es in ganz Sachsen etwa 3,5-mal so viel vom Borkenkäfer befallenes Holz im Landeswald. „Der Käfer bekommt durch trockene Jahre Aufwind und nach Sturmjahren, wenn die Bäume geschwächt sind. In den Folgejahren droht immer ein starker Käferbefall.“

Käfer pflanzt sich zu Tausenden fort

Borkenkäfer sind kälteresistent und überwintern. Wenn es im Frühjahr wärmer wird, fliegt das Männchen voraus, bohrt sich durch die Rinde und lockt gleich mehrere Weibchen an. Ein Tier legt etwa 30 bis 60 Eier. Je nach Temperatur dauert es ein bis zwei Wochen, bis die Larven schlüpfen. „Sieben bis zwölf Wochen dauert ein Käferzyklus. Nach einer Regenerationsphase können die Käfer sogar noch mal Eier legen.“ In einem für den Wald ungünstigen Jahr können so zwei Generationen Käfer mit mehreren Tausend Exemplaren heranwachsen. Die Larven und Käfer ernähren sich von der Bastschicht des Baumes, in welcher die Nährstoffe transportiert werden. Die Versorgung wird unterbrochen und dadurch verfärben sich die Nadeln der Krone und schließlich fällt die Rinde ab. „Der Baum muss dann so schnell wie möglich gefällt und das befallene Holz aus dem Wald gebracht werden“, sagt Kristina Funke. Die umstehenden Fichten werden anschließend genau beobachtet. Und da ist ein gutes Auge gefragt, denn zu erkennen, ob ein Baum befallen ist oder nicht, ist gar nicht so einfach. Ein erstes Anzeichen sei zum Beispiel braunes Bohrmehl, das entsteht, wenn sich der Käfer durch die Rinde bohrt.

Die Bäume zu überwachen, sei sehr aufwendig, auch das Fällen der einzelnen befallenen Fichten und der Abtransport des Holzes, das am Ende sogar weniger Geld einbringt, weil die Qualität gemindert ist. „Der Borkenkäfer ist ein Schädling, der uns sehr beschäftigt.“ Um ihm wirkungsvoll zu begegnen, sei es deshalb wichtig, Fichtenmonokulturen aufzulösen. „Ein Käfer hat einen Flugradius von circa 300 Metern. Wenn die Wälder mit Tannen und Laubhölzern durchmischt sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Käfer nicht auf einer Fichte landet, relativ hoch.“ Ein gesunder Mischwald sei deshalb langfristig das Ziel des Sachsenforsts.

Das zu erreichen, werde aber noch Jahrzehnte dauern, schätzt Kristina Funke. Die sogenannten Waldumbauschwerpunkte im Forstbezirk Bärenfels liegen im Tharandter Wald und in den Revieren der mittleren Höhenlagen wie Bärenfels oder Holzhau.

Um dem Borkenkäfer wirkungsvoll den Kampf anzusagen, sei es außerdem wichtig, dass auch Privatwaldbesitzer mitziehen, denn dem Käfer seien die Besitzgrenzen egal, betont Kristina Funke. „Alle sind dazu verpflichtet, ihren Wald auf Käferbefall hin zu überprüfen und im Zweifelsfall entsprechend zu reagieren.“