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Ab ins Drachenboot

Beim Malter-Cup gehen mehr Teams als je zuvor an den Start. Ein Team kämpft besonders, doch etwas fehlt zum Schluss.

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© Egbert Kamprath

Von Andrea Schawe

Malter. Erst einmal alle aufstellen: Jeder im Team muss gucken, wo er im Boot sitzt. Das wird kurz vor dem ersten Vorlauf des Malter-Talsperren-Cups für Drachenboote am Sonnabendmorgen schon mal auf dem Trockenen geübt – genauso, wie die richtige Handhabe des Paddels. „Wir machen das ja alle nur zum Spaß“, sagt Jan Fleischer. Er ist Pfleger in der Anästhesie in den Helios-Weißeritztal-Kliniken in Freital und Dippoldiswalde. Die Klinikmitarbeiter sind eines von 22 Teams, die auf der Talsperre an den Start gehen – mehr als je zuvor.

Katharina Meißner arbeitet eigentlich in der Personalabteilung. Beim Malter-Cup trommelt sie schon zum fünften Mal im Drachenboot.
Katharina Meißner arbeitet eigentlich in der Personalabteilung. Beim Malter-Cup trommelt sie schon zum fünften Mal im Drachenboot. © Egbert Kamprath
Der wichtigste Mann im Boot sitzt vorne links: Pfleger Jan Fleischer gibt beim Rennen als Schlagmann den Takt vor.
Der wichtigste Mann im Boot sitzt vorne links: Pfleger Jan Fleischer gibt beim Rennen als Schlagmann den Takt vor. © Egbert Kamprath

Heute gibt Jan Fleischer den Takt vor – als Schlagmann im Drachenboot. „Das ist der beste und wichtigste Mann im Boot“, sagt Katharina Meißner. Sie trommelt schon im fünften Jahr in Folge den Rhythmus und achtet darauf, dass alle dabei bleiben. „Ich schaue auf den Schlagmann. Der gibt den Takt vor, und den trommle ich dann, sodass ihn alle hören und halten können.“

Um kurz nach zehn Uhr sitzen die 18 Frauen und Männer mit den dunkelgrünen Shirts im Drachenboot Nummer vier. In dieser Konstellation zum ersten Mal, die Drachenboot-Fahrer der Weißeritztal-Kliniken sind keine dauerhafte Mannschaft. Sie wird immer dann zusammengestellt, wenn ein Rennen ausgeschrieben ist. Auch Zeit für ein Training blieb nicht. „Dafür läuft’s schon schön synchron“, sagt Jan Fleischer.

Katharina Meißner hat ganz vorn Platz genommen, an der Trommel. Die Aufgabe: 400 Meter in der Kategorie Mixed-Fun. „Die Strecke fahren wir zum ersten Mal“, sagt die 40-Jährige. In den vergangenen sechs Jahren sind die Drachenboot-Fahrer immer auf der 200-Meter-Strecke auf der Malter an den Start gegangen. Nur beim Rennen auf der Elbe fahren sie die 400 Meter. „Auf stehendem Wasser ist das aber schon etwas anderes“, sagt Meißner. „Auf der Elbe hilft die Strömung.“

Dynamisch hochgezählt

Am Start müssen die Paddler auf Geschwindigkeit kommen. „Wir zählen dynamisch hoch“, so Katharina Meißner. Wenn das Boot dann schnell genug ist, wird umgestellt auf den Streckenschlag. Der bleibt dann über die ganze Renndistanz, bis der Drachen von Helios die Ziellinie überquert. Beim Vorlauf sind sie Zweiter.

Das heißt Hoffnungslauf: Während die Gewinner direkt ins Finale um 13 Uhr einziehen, müssen die Zweiten und Dritten den zusätzlichen Lauf gewinnen. „Das läuft bei uns immer so“, sagt die Personalerin lächelnd. „Wir brauchen das für die Motivation.“ Ums Gewinnen geht es dem Team nicht, obwohl sie das auch können – das haben sie beim Cup vor drei Jahren gezeigt.

Jetzt heißt es erst einmal: Pause. Auch die anderen Teams und Gäste genießen die 30 Grad Celsius. Mehr als 1 000 Besucher kommen am Sonnabend in das Strandbad in Paulsdorf, der Campingplatz ist ausgebucht, an der Kasse der Freibäder bilden sich Schlangen. „Da spielt heute alles zusammen: das Wetter und die exzellenten Wasserbedingungen“, sagt Klaus Kaiser, Geschäftsführer der Strandbäder an der Malter. Er freut sich über einen versöhnenden Abschluss der „katastrophalen Badesaison“, wie er sagt – und hofft auf die nächste Woche. Der Sommer bescherrte den Freibädern an der Malter nur etwa halb so viele Besucher wie im Rekordjahr 2015.

Gegen 11.45 Uhr heißt es für das Team der Helios-Kliniken erneut: ab ins Boot. Noch kleine Korrekturen an der Sitzordnung vornehmen und dann ab zum entscheidenden Lauf. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen, am Ende müssen sich die Klinikmitarbeiter knapp dem „OE-Team“ aus Oelsa geschlagen geben und scheiden aus – vor allem wegen eines guten Schlussspurts der Fahrer in Orange.

„Die Kraft hat am Ende gefehlt“, sagt Jan Fleischer. „Die 200 Meter mehr merkt man schon. Da muss man sich das Rennen anders einteilen.“ Macht nichts, so bleibt mehr Zeit zum Feiern.