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Ab sechs Uhr angestanden

Nach einer Woche Schließzeit ist im Aldi in Ost jetzt vieles anders. Hunderte hofften auf Einkaufsgutscheine.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Radebeul. Das geht schon ziemlich auf die Beine, muss Manfred Auerswald zugeben. Und kalt wird es auch, wenn man zwei Stunden lang auf dem Parkplatz steht. Aber dafür hat sich der Rentner die Pole-Position vor dem Aldi in Radebeul-Ost gesichert. Er wird der Erste sein, der den Markt nach der Sanierung betritt. Früh um sechs hat er sich mit seiner Begleiterin angestellt. Lange allein blieben die beiden aber nicht. Eine Viertelstunde später kamen schon die Nächsten. Und kurz vor acht Uhr reicht die Menschenschlange über den ganzen Parkplatz bis zur Meißner Straße. Rund 200 Leute warten , dass sich die Türen öffnen. Viele mit Körben und Beuteln ausgestattet.

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Eine Woche lang hatte der Einkaufsmarkt geschlossen. In dieser Zeit wurde die Inneneinrichtung komplett neu gemacht. Alle alten Filialmöbel flogen raus. Wobei sie gar nicht wirklich alt waren. 2014 wurde der Aldi erst neu gebaut und eingerichtet und galt nach der Wiedereröffnung als der modernste Markt der Kette im Großraum Dresden. Doch die Zeit ist schnelllebig. Und die Discounter-Konkurrenz groß.

„Die Kunden sollen sich bei uns wohlfühlen“, sagt Filialleiter Rico Dallmann. Deswegen sei jetzt alles noch schicker als vorher. Vorbei die Zeiten, als bei Aldi die Produkte lieblos auf Paletten präsentiert wurden. Die Ware steht jetzt in dunkelbraunen Regalen. Neu im Markt ist auch ein Kundenleitsystem, wie man es aus Supermärkten wie Rewe oder Edeka kennt. In großen Buchstaben prangen die einzelnen Produktbereiche an der Wand, damit der Kunde sofort sieht, wo er zum Beispiel Obst, Wurst oder Backwaren findet.

Auch farblich werden die Einkaufenden geleitet. Beim Fisch schimmert es blau, beim Fleisch rot. Das Sortiment hat sich im 800 Quadratmeter großen Markt erweitert, sagt Dallmann. Die Backwarenstrecke ist jetzt länger. Vor allem Süßgebäck werde viel nachgefragt. Neu ist auch die Brotschneidemaschine. Obst und Gemüse gibt es jetzt zusätzlich im Kühlregal. Tiefkühlware steht neuerdings in Regalen an der Wand. Dadurch werden die großen Kühltruhen in der Mitte nicht mehr gebraucht, was wiederum mehr Platz für anderes schafft. Zum Beispiel die Körbe mit den Produkten für das Rezept der Woche. Für eine bestimmte Mahlzeit stehen dort alle Produkte, die man für die Zubereitung braucht, beieinander. Das alles folgt einem Ziel: Der Kunde soll die Ware möglichst schnell und einfach finden.

Und noch etwas ist neu: Alarmsicherungen hinter den Kassen. Diebstahl sei immer ein Thema, sagt Dallmann. Allerdings im Markt in Radebeul-Ost kein allzu großes Problem.

In der Menschenmenge vor dem Markt steht auch eine junge Frau, die gerade ihr Kind in den Kindergarten gebracht hat. „Ich habe die Schlange durch Zufall gesehen und dachte, hier gibt es bestimmt etwas umsonst“, sagt sie. Als die Radebeulerin dann noch eine Freundin entdeckte, war klar, dass sie sich mit anstellt. Wenn sie Glück hat, kann sie einen Einkaufsgutschein im Wert von 500 Euro gewinnen, erfährt sie in der Reihe. „Das wird man an meinem Schrei hören, falls ich gewinne“, scherzt die Frau.

Punkt 8 Uhr strömen die Leute dann in den Markt. Einen großen Wocheneinkauf hat aber keiner vor. Die meisten gehen gleich zur Kasse, wo es den Bon gibt, mit dem man etwas gewinnen kann. Obstkörbe, Blumensträuße und Gutscheine werden dann wieder draußen verteilt. Fünf Minuten nach der Eröffnung – viele sind noch nicht einmal drinnen – ist der Hauptpreis schon vergeben. Einen Schrei gibt die Gewinnerin zwar nicht von sich, aber dafür ein Lächeln. „Ich hatte mir ganz spontan überlegt, her zu kommen“, sagt die 58-jährige Radebeulerin, die jetzt zehnmal jeweils einen 50-Euro-Gutschein im Discounter einlösen kann. „Ich habe noch nie etwas gewonnen“, freut sie sich.