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Abends an der Dorfstraße

Freitals kleinster Stadtteil Saalhausen hat nur zwei Straßen. Ein Rundruf reicht, um sich am alten Konsum zu treffen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Dorit Oehme

Freital. Eine Tischtennisplatte steht auf dem Spielplatz, eine im Vereinshaus. „Egal wie das Wetter ist, wir Anwohner treffen uns gern am Dorfplatz“, sagt Veit Jentzsch, der Vorsitzende des Ortsvereins von Freital-Saalhausen.

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Der 48-Jährige schließt den alten Dorfkonsum auf, das heutige Vereinshaus. „Hier haben wir täglich eingekauft. Der Konsum war Treffpunkt für uns Dorfbewohner“, sagt Karla Bergmann, Jahrgang 1952. „Von den Bauernhöfen gab es Eier und Milch, frisches Obst und Gemüse. Einiges brachte die Gärtnerei des Kreispflegeheimes, das seinen Sitz am Anfang der Dorfstraße hatte“, sagt Jentzsch.

Der Holzgestalter Uwe Ulbricht hat für die Fassade des Vereinshauses ein symbolisches Konsumschild geschaffen. „Ich weiß noch, wo die Kühltruhen und Flaschenkästen standen“, sagt er. 1986 war Ulbricht erstmals im Ort. Längst ist er an der Dorfstraße zu Hause. Unter der alten Bezeichnung „Am Forsthaus“ hat er sie aber nicht mehr kennengelernt.

„Das ‚Forsthaus‘ war eine Gaststätte am Ortseingang. Sie hatte bis 1979 geöffnet“, erklärt Jentzsch. Rings um den „Konsum“ ist es grün. Der Buschberg ist zu sehen. Am Vereinshaus steht ein Wegweiser mit Wanderzielen. Ihn hat Uwe Ulbricht mit Anwohnern als Projekt einer 48-Stunden-Aktion gebaut. „Die Dorfstraße ist eine Sackgasse. Doch es kommen zunehmend Ausflügler vorbei“, sagt Veit Jentzsch.

Seine Frau Christina dreht mit den beiden Kindern eine Abendrunde. Sie stammt aus Bärenklause bei Kreischa. „Ich bin von einem Dorf ins andere gezogen. In die Stadt will ich nicht“, sagt sie. Drei bis vier Generationen leben oft in den Gehöften. Das Vereinshaus ist für Alt und Jung da. Hier finden der Seniorentreff, der Kinder-Fasching oder der Hutzen-Abend im Advent statt.

Das Gebäude wurde in den Jahren 2014 und 2015 grundlegend saniert. Wegen Feuchtigkeitsproblemen wurde der Boden ringsum aufgegraben und neu befestigt. „Früher war an der Stelle der Dorfteich. Meine Mutter kannte ihn noch“, sagt Karla Bergmann. Veit Jentzsch zeigt, wo die Schmiede war, der Kolonialwarenladen, den seine Urgroßmutter betrieb, und die Poststation, wo die Pferde ausgespannt wurden.

Das liebevoll sanierte, denkmalgeschützte Fachwerkgehöft von Frank Sitzlack und seiner Familie fällt auf. Der 55-Jährige interessiert sich für Geschichtliches. Er hat angeregt, dass die Straße der neuen Eigenheimsiedlung nach dem Kreishauptmann Friedrich Krug von Nidda benannt wurde. Unter seiner Leitung wurden die Hauptgebäude im Schweizer Stil errichtet, die nun baufällig auf dem früheren Pflegeheimareal stehen.

„Der Teil wurde 1906 eröffnet. Es war ein Vorzeigeobjekt mit Hygienestandards. Kranke und Versehrte aus Dresden und Umgebung wurden dort kostenfrei versorgt. Im ersten Weltkrieg war es Lazarett, später wurden auch Tuberkulosekranke behandelt“, reißt Sitzlack an. Veit Jentzsch führt ins Heute zurück. Er sagt: „Auch die Anwohner der Krug-von-Nidda-Straße bekommen den Rundruf zu den spontanen Treffen am ‚Konsum‘.“ Die Kontakte seien schnell gewachsen. Zum 650-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung Saalhausens im Jahr 2000 gab es nur die Dorfstraße. Es ist Freitals kleinster Stadtteil.