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Abenteuer Hausbau

Ingo Jokisch und seine Frau sanieren ein Leppersdorfer Bauernhaus – mit vielen Zwischenfällen und einem kranken Arm.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Leppersdorf. In der Haut von Ingo Jokisch will man nicht wirklich stecken. Ab dem Frühjahr vielleicht, wenn er mit seiner Frau in das riesige Haus an der Alten Hauptstraße in Leppersdorf eingezogen ist. Doch momentan jedenfalls ist der junge Mann nicht zu beneiden. Von Freizeit keine Spur. Nach seiner Arbeit als Maschinenbauingenieur setzt er sich ins Auto und düst von Dresden nach Leppersdorf. Hier schaut er nach, ob die Handwerker alles so gemacht haben wie besprochen. Dann legt er oft selber noch Hand an, da ist in der einen Ecke noch Putz abzuhacken, an der anderen Schutt zu beräumen. Dann geht es wieder zurück nach Dresden. Meist später am Abend sieht er Abrechnungen durch und überweist den Firmen das Geld. Und lernen musste der 33-Jährige auch noch eine ganze Menge. Denn er ist auf seiner Baustelle der Bauleiter. „Durch meinen Beruf habe ich ein gewisses technisches Verständnis, nur nicht, was den Bau angeht. Das musste ich mir anlesen. Jetzt läuft alles. Für die kniffligen Fragen bei Heizung und Dämmung habe ich einen Energieberater. Er hilft mir sehr.“ Aber Ingo Jokisch und seine Frau haben das so gewollt. „Ja, wir haben uns das reiflich überlegt. Uns war immer klar, dass wir aus der Stadt weg wollen wieder zurück aufs Land. Ich bin Leppersdorfer, meine Frau kommt auch aus einer ländlichen Gegend.“ Aber einfach war die Entscheidung nicht. Ist der Aufwand ein so großes, unsaniertes Gebäude herzurichten nicht zu hoch? Der Vorteil: es befand sich im Besitz seiner Familie, musste also nicht teuer gekauft werden.

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Kurios: Hinter einem alten Mühlstein befindet sich in der Hauswand eine Hundehütte. © Thorsten Eckert
Im Haus ist dieser Türsturz zu finden. Er trägt die Jahreszahl 1799. Normalerweise sind diese Zeichen außen angebracht. © Thorsten Eckert
Schick anzusehen: Das Bauernhaus ist frisch verputzt. Am Obergeschoss wurde eine Holzverkleidung angebracht. © Thorsten Eckert

Verkauf erwogen

Wegen des Aufwandes stand zwischenzeitlich aber auch ein Verkauf zur Diskussion. Ein Teilabriss wurde ebenfalls erwogen. Für eine einzige Familie ist der Flügel eines ehemaligen Dreiseithofes viel zu groß. „Mit dieser Abriss-Idee sind wir dann zum Denkmalamt des Landkreises gegangen. Dort war man davon nicht begeistert. Sie haben uns aber auf ein Förderprogramm aufmerksam gemacht, das wir bei einem Ausbau des denkmalgeschützten Gebäudes nutzen könnten.“ Dann sind sie gleich zwei Türen weiter gegangen und haben sich beraten lassen. Die Bewerbung für das Förderprogramm hat zwar auch viel Arbeit gekostet, aber sie hat sich gelohnt, sagen sie. „Nur so konnten wir das Vorhaben nach unseren Vorstellungen umsetzen.“ Am Ende stürzten sich die beiden in das Abenteuer. Im Dezember 2016 ging es los mit der Bauerei. Einen Tag vor Weihnachten griffen sie zu Schaufeln und begannen, Schutt aus dem Haus zu schaffen und am nächsten freien Tag wieder und am nächsten erneut. „Das haben wir unterschätzt. In den Zwischendecken waren Unmengen davon und dazu noch der Staub.“ Auch der Lehm und Sand des Fußbodens im Erdgeschoss musste raus, um Platz zu machen für eine Isolierschicht. „Die Folge war bei mir eine Sehnenscheidenentzündung am Arm.“

Handwerker schwer zu bekommen

Erschwerend kam hinzu, dass Handwerker angesichts des Baubooms derzeit schwer zu bekommen sind. Auch die Preise haben angezogen, sagt er. „Manche Firmen nehmen wegen der großen Nachfrage auch viele Aufträge an und merken dann, dass sie es doch nicht schaffen. So kommt es immer mal wieder zu Terminschwierigkeiten.“ Jetzt ist aber erkennbar, was für ein wunderbares Haus es schließlich werden wird. Außen ist der Putz dran. Das obere Geschoss ist rundum mit Holz verkleidet und ein neues Dach ist auch drauf. Innen fallen die kunstvoll gemauerten Ziegelgewölbe auf. Auch der Türsturz aus Sandstein ist ein Blickfang. Hier ist die Jahreszahl 1799 zu sehen. „Normalerweise wird ein solches Türgewände außen am Haus angebracht. Es könnte sein, dass das Haus umgebaut wurde und die Tür nach innen verlegt wurde. Das konnte uns aber keiner so richtig sagen. „Überhaupt haben die beiden bei ihrem Ausbau einige Überraschungen erlebt. Sie fanden zugemauerte Nischen, kleine Durchreichen, die teilweise ebenfalls offen bleiben sollen. Viel Wert haben sie auf eine gute Heizung gelegt. „Der überwiegende Teil der Wohnung wird über eine Wandheizung erwärmt. Dabei sind die Heizkörper quasi hinter einer Lehmschicht versteckt. So entsteht eine angenehme Strahlungswärme.“ Um alles so zu bekommen wie sie es haben wollten, war viel Recherche notwendig. „Wir haben das Internet durchforstet und waren auf Messen.“ Jetzt ist schon viel passiert, viel fehlt aber auch noch. Wände müssen noch verputzt werden, Türen fehlen und auch der Fußboden ist meist noch nicht drin. Doch Ingo Jokisch ist sich sicher, im Frühjahr werden wir einziehen. „Ich freue mich drauf, wenn dann endlich alles so ist, wie wir uns das vorgestellt haben.“