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Abenteuer Likolit

Im Linoleumwerk Kohlmühle starten erste Projekte. Der schlimme Zustand der Fabrik ist Teil des Programms.

© www.fotofestival-sandstein.de

Von Christian Eissner

Hohnstein. Visionär oder einfach nur verrückt? Wenn der Dresdner Film- und Videoproduzent Thomas Eichberg über das Projekt Likolit erzählt, schwankt der Zuhörer zwischen Faszination und der Frage, wie das jemals funktionieren soll. Eine Projektgesellschaft mit Sitz in Bayern hat im vergangenen Jahr das Betriebsgelände bei einer Grundstücksauktion ersteigert und plant seither das Projekt „Kulturfabrik Kohlmühle“. Thomas Eichberg ist dessen Kurator.

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Faszination des Verfalls

Krasser Kontrast Die einen wollen Stillleben des Verfalls im Bild festhalten, andere wie diese beiden Fotografinnen arbeiten an ihrer Porträtfotografie-Technik. Olha Maslyanschuk steht ihnen Modell.
Krasser Kontrast Die einen wollen Stillleben des Verfalls im Bild festhalten, andere wie diese beiden Fotografinnen arbeiten an ihrer Porträtfotografie-Technik. Olha Maslyanschuk steht ihnen Modell.
Morbider Charme Die Hallen bieten eine schöne Kulisse, um echte Kerle in Szene zu setzen. René Janasch stand den Fotografen Modell.
Morbider Charme Die Hallen bieten eine schöne Kulisse, um echte Kerle in Szene zu setzen. René Janasch stand den Fotografen Modell.
Grausig schön Was da von der Decke tropft? So ganz genau will man das eigentlich nicht wissen. Die schleimigen Tropfen in einer der Fabrikhallen bieten aber auf jeden Fall ein interessantes Fotomotiv.
Grausig schön Was da von der Decke tropft? So ganz genau will man das eigentlich nicht wissen. Die schleimigen Tropfen in einer der Fabrikhallen bieten aber auf jeden Fall ein interessantes Fotomotiv.
Eine Ruine zum Verlieben Die Ansicht von oben auf das Werksgelände zeigt die Ausmaße der Fabrik – und macht auch die Schäden an den Gebäuden deutlich.
Eine Ruine zum Verlieben Die Ansicht von oben auf das Werksgelände zeigt die Ausmaße der Fabrik – und macht auch die Schäden an den Gebäuden deutlich.

Die stillgelegte Fußbodenbelagfabrik Likolit beherrscht als gigantischer Fremdkörper das ansonsten malerische Sebnitztal nahe Bad Schandau. Obwohl: Der Charme des Verfalls gibt auch dem Werk selbst etwas Malerisches – und genau hier setzen die Projektentwickler an. Sie veranstalten im alten Linoleumwerk Foto- und Videoworkshops für interessierte Laien, stellen dafür erfahrene Fototrainer und Models. Die Faszination der Industrieruine gehört zum Gesamtpaket.

Das Interesse, sagt Thomas Eichberg, ist groß. Ambitionierte Hobbyfotografen nehmen das Angebot im Rahmen des „Fotofestivals Sandstein“ ebenso an wie interessierte Foto-Anfänger. In den Kursen lernt man, mit Licht, Räumen und Strukturen zu arbeiten – weg vom Schnappschuss, hin zum durchkomponierten Bild. „Das Werksgelände ist perfekt dafür“, sagt Thomas Eichberg. Doch Fotokurse allein werden die Zukunft des Areals nicht sichern, das ist auch den Eigentümern klar. Also schmieden sie Pläne. Das Linoleumwerk soll handwerklich, kulturell und touristisch genutzt werden. Ein Film- und Fotostudio könnte ebenso einziehen wie Handwerksbetriebe, Ateliers und touristische Angebote.

Um voranzukommen, sind die Macher allerdings auf Unterstützer mit Mut und Fantasie angewiesen, auch seitens der Behörden. Denn ins Laufen kommen die Vorhaben kaum ohne eine Anschub-Förderung. Parallel dazu wartet eine Aufgabe, deren Umfang noch immer nicht abschätzbar ist: Die Vergangenheit des Industriekomplexes muss aufgearbeitet werden. Ein Jahr werde wohl noch vergehen, das Gelände zu dokumentieren, sagt Thomas Eichberg. Danach gilt es, für das Altlasten-Problem eine Lösung zu finden. Womit und wie stark Gebäude und Boden kontaminiert sind, das weiß bisher keiner ganz genau.

Unterdessen haben die Eigentümer in die Sicherung des Werks investiert. Es auf eigene Faust zu erkunden, davon rät Thomas Eichberg dringend ab: „Das ist saugefährlich.“

Nächster Termin des Fotofestivals Sandstein im Rahmen von „Festung aktiv“ auf dem Königstein, 5. und 6. August. Nächster Fotokurs im Likolit-Gelände am 9. September.

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