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Aber Halo

Der Cockpitschutz ist die größte Neuerung in der Formel 1 und auch ihr erster großer Aufreger.

© dpa/Diego Azubel

Von Maik Schwert

Die Optik bleibt gewöhnungsbedürftig und der Halo dadurch enorm umstritten in der Formel 1. Nico Hülkenberg findet den neuen Cockpitaufsatz an seinem Renault „immer noch grässlich“. Doch nach den ersten Testtagen in dieser Woche empfindet er ihn nicht mehr als störend, fühlt sich „nicht behindert“ und kann sich „dran gewöhnen“. Das muss der Deutsche auch – genauso wie jeder andere Pilot. Der sogenannte Heiligenschein gehört ab dieser Saison zu den Pflichtelementen. Er soll die Sicherheit weiter erhöhen.

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Dagegen gibt es auch kaum Argumente – nicht mal für die Kritiker der umstrittenen Konstruktion. Laut einer Studie der internationalen Automobil-Föderation (Fia) soll die Überlebenschance durch den Halo in diversen Unfallszenarien um 17 Prozent steigen. Die beiden seitlichen Titanstreben, die mittig im Sichtfeld des Fahrers zusammenlaufen, sollen vor herumfliegenden Reifen oder anderen großen Teilen schützen. Allerdings halten sie auch Regen ab. Das erschwert die Einschätzung der Streckenverhältnisse für die Fahrer. Außerdem verändert das etwa sechs Kilogramm schwere Bauteil das Fahrverhalten der Boliden. Einige Rennställe, beispielsweise Ferrari, verleihen dem Bügel einen weiteren Flügel – der Aerodynamik wegen. Auf alle Fälle fristet der „Heiligenschein“ ein Dasein auf Bewährung. Die Fia testet andere Systeme, falls der Widerstand gegen Halo groß bleibt. Das wäre in Hülkenbergs Sinn: „Wegen mir kann er weg.“ Er fühlt sich „auch nicht sicherer dadurch“.

Das mag auch daran liegen, dass der Schutz der Fahrer schon lange groß ist. Sogar heftigste Unfälle gehen häufig glimpflich aus. Seit dem Tod von Ayrton Senna 1994 in Imola starb allein Jules Bianchi an den Folgen eines Rennunfalls. Studien legen den Schluss nahe, dass auch der Halo den Franzosen nicht gerettet hätte, als er 2014 in Suzuka mit seinem Wagen auf regennasser Fahrbahn unter ein Abschleppfahrzeug rutschte. Dennoch erhöht der Cockpitaufsatz die Sicherheit. Daher sieht Sebastian Vettel die neue Vorkehrung längst ganz pragmatisch. „Es wäre dumm und ignorant, so etwas nicht zu nutzen“, sagt der vierfache Weltmeister. Er testete die Alternative als Erster 2017 beim Training in Silverstone. Ihm war ein „bisschen schwindelig. Es war, als würde man schielend durch die Gegend fahren.“ Jetzt blickt er problemlos durch. (mit dpa und sid)