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Abgeschobene Familie will wieder nach Zeithain

Die vierköpfige Familie Musa fühlte sich in der Gemeinde heimisch – trotzdem musste sie zurück in den Kosovo.

Von Antje Steglich
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„Asylbewerber aus dem Kosovo behauptet, von der deutschen Polizei geschlagen worden zu sein“ titelte die albanischsprachige Zeitung Koha. Ein Reporter besuchte die Familie Musa in dem Dorf Samodresha.
„Asylbewerber aus dem Kosovo behauptet, von der deutschen Polizei geschlagen worden zu sein“ titelte die albanischsprachige Zeitung Koha. Ein Reporter besuchte die Familie Musa in dem Dorf Samodresha. © Screenshot SZ

Zeithain. Viel Wut steckt hinter den Worten von Fatmir Musa, wenn er an seinen letzten Tag in Deutschland denkt. Es ist November 2018. Die Abschiebung seiner vierköpfigen Familie ist nicht mehr aufzuhalten – und Fatmir Musa versteht die Welt nicht mehr.

Vier Jahre lang hat der 43-Jährige zusammen mit seiner schwerbehinderten Frau und den beiden Töchtern in der Nikopoler Straße in Zeithain gewohnt. In Deutschland wollten sich die Musas aus dem Kosovo ein neues, ein besseres Leben aufbauen. „Wir waren eine nette Familie und gut integriert“, sagt Fatmir Musa. 

Die Kinder gehen zur Schule, während er zur Arbeit geht. Im Rahmen einer Arbeitsgelegenheit pflegt er beispielsweise die Grünflächen der Gemeinde. Er gilt als engagiert und zuverlässig, und ist dank seiner Deutschkenntnisse und technischen Fertigkeiten ein geschätzter Mitarbeiter, heißt es in einem Schreiben des Arbeitgebers. Auch bei den Nachbarn ist die Familie beliebt. 

Als der Ablehnungsbescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im Briefkasten der Nikopoler Straße landet, schreiben sie deshalb Dutzende Briefe, um die Abschiebung abzuwenden. 

Die Familie versucht zudem, auf dem rechtlichen Weg gegen den Bescheid vorzugehen, sucht nach eigenen Aussagen auch Hilfe bei Diakonie, beim Flüchtlingsrat, der sächsischen Härtefallkommission und Ärzten, die den schlechten Gesundheitszustand der Ehefrau attestieren. Doch der Bescheid hat Bestand.

Beim Asylverfahren handelt es sich immer um eine Einzelfallprüfung, erklärt ein Sprecher des Bamf ganz allgemein. Zentrale Frage sei immer, welche Gefahr droht bei einer möglichen Rückkehr in das Heimatland. Generell ist die Anerkennungsquote für Asylbewerber aus dem Kosovo jedoch recht gering, da die Fluchtgründe vor allem wirtschaftlicher Art sind. 

Grundsätzlich stuft das Bamf den Kosovo als sicheres Herkunftsland ein. Für Rückkehrer wurde in Pristina jedoch bereits vor zehn Jahren das Reintegrationszentrum Ura – was auf albanisch die Brücke heißt – eingerichtet. Ziel ist es, gemeinsam mit den Rückkehrenden eine neue Perspektive in ihrem Herkunftsland zu entwickeln und die dortige Wiedereingliederung zu erleichtern, so der Bamf-Sprecher. 

Die drei Säulen des Projekts: Sozialberatung, Arbeitsvermittlung und – sofern erforderlich – auch psychologische Betreuung. Auch eine finanzielle Unterstützung zum Beispiel für Haushaltsgeräte oder Schulbücher ist möglich.

Diverse Hilfe nahmen auch die Musas in Anspruch, bestätigt Fatmir Musa. Die würden aber bei Weitem nicht ausreichen. „Wir haben kein Haus, kein Essen – wir sind sozusagen obdachlos. Die Kinder frieren. Das interessiert keinen“, sagt der 43-Jährige und hat sich deshalb an die Medien gewandt. 

Zudem wirft er der deutschen Polizei eine unangebrachte Härte bei der Abschiebung vor und den deutschen Behörden eine gewisse Gleichgültigkeit. Die allerdings widersprechen der Kritik. Während die Bundespolizei den Fall derzeit noch prüfen lässt, heißt es beispielsweise vom Büro des sächsischen Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth (CDU): Eine Petition ist nicht bekannt, und es wurde auch kein Härtefallantrag in die Sächsische Härtefallkommission eingebracht.

Familie Musa hat indes angekündigt, bei der erstbesten Gelegenheit erneut aus dem Kosovo fliehen zu wollen.