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Abgezählt oder angezählt?

© Ronald Bonß

Wie kommen Teilnehmerzahlen zustande, an denen sich Veranstalter von Kundgebungen mitunter regelrecht berauschen?

Von Thomas Schade

25 000 Montagabend bei Pegida, 35 000 Menschen am vergangenen Sonnabend bei der Kundgebung für eine weltoffene Gesellschaft in Dresden – Teilnehmerzahlen, die nicht selten in Zweifel gezogen werden.

Als offiziell gelten in der Regel die Angaben der Polizei, die Märsche, Demonstrationen oder Kundgebungen absichert. Wie die Pressestelle der Dresdner Polizei gestern auf Nachfrage mitteilte, stehen den Beamten für die Ermittlung drei Möglichkeiten zur Verfügung. Sie können erstens den Zugang kontrollieren, wenn Veranstaltungsteilnehmer Schleusen oder enge Zugangswege passieren müssen.

Bei Demonstrationszügen richtet die Polizei sogenannte Zählposten ein. Hierbei registrieren die Beamten die vorbeiziehenden Veranstaltungsteilnehmer. Dabei versuchen sie die Zahl der Menschen zu ermitteln, die in einer Reihe laufen, zudem zählen sie die Reihen des Demozuges. Beide Zahlen werden multipliziert.

Schwieriger ist es bei sogenannten „stehenden“ Kundgebungen. Um einigermaßen genau schätzen zu können, versuchen die Beamten die Fläche zu berechnen, auf der die Veranstaltung stattfindet. Steht diese Angabe zur Verfügung, so schätzen die Beamten an mehreren Stellen ab, wie dicht die Kundgebungsteilnehmer stehen (zwei, drei oder vier Personen je Quadratmeter). Der Mittelwert wird auf die Gesamtfläche hochgerechnet. Bei häufig genutzten Plätzen gibt es Erfahrungswerte. So finden nach Polizeiangaben auf dem Dresdner Theaterplatz etwa 30 000 Menschen Platz. Als sich die islamkritische Pegida vor Weihnachten dort traf, hatte die Polizei vom Balkon der Semperoper beobachtet, dass der Platz etwa zur Hälfte gefüllt war. Da Pegida selbst schon 20 000 verkündet hatte, einigten sich Veranstalter und Polizei am Ende auf 17 500 Teilnehmer.

Für Diskussionen sorgte gestern, dass die Polizei am Sonnabend nach der Kundgebung an der Frauenkirche keine offizielle Teilnehmerzahl bekannt gegeben hatte. Pegida-Anhänger zweifeln im Netz die Zahl 35 000 an. Von der Polizei war gestern zu hören, dass man die Fläche des Kundgebungsplatzes nicht kannte. Dabei sollte das auch nachträglich kein Problem sein. Dafür gibt es zahlreiche Übersichtsbilder und im Internet Google Earth.