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Abrahams Kinder

In einer neuen Kita in Gifhorn begegnen sich erstmals auch Kleinkinder verschiedener Religionen. Am Anfang gab es Vorbehalte gegen das Projekt.

© dpa

Von Christian Brahmann, Gifhorn

Die kleinen Bettchen sind schon aufgebaut, Maler bringen noch etwas Farbe an die Wand. Im niedersächsischen Gifhorn laufen die letzten Vorbereitungen für einen besonderen Ort: Im August eröffnet dort eine „Zwei-Religionen-Kita“, in der Kinder christlichen und muslimischen Glaubens gemeinsam betreut werden. Die Initiatoren sprechen von einer bundesweit einmaligen Einrichtung. An diesem Donnerstag wurde Eröffnung gefeiert.

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„Die 15 Plätze sind vergeben“, sagt die Sprecherin des Projekts, Ingetraut Steffenhagen. Muslime, Christen und Kinder ohne Konfession werden unter den Ein- bis Fünfjährigen etwa gleich stark vertreten sein. „Abrahams Kinder“ heißt die Einrichtung, die einen Ort für die Kleinen aus unterschiedlichen religiösen Herkunftsfamilien schaffen soll, an dem sie ihre eigene und andere Religionen kennen und verstehen lernen.

Die Zielsetzung und Arbeitsweise haben die muslimische Ditib-Moschee in Gifhorn, die katholische St. Altfrid-Gemeinde und die evangelische Dachstiftung Diakonie in einer Kooperationsvereinbarung beschrieben. Eine jüdische Gemeinde, die die Organisatoren gern einbezogen hätten, gebe es in Gifhorn nicht. Ob die kleine Gruppe zusammen betet oder gemeinsam Gottesdienste feiert, entscheiden die Erzieher. Sie werden sich laut Steffenhagen aber auf jeden Fall damit beschäftigen, warum die einen Weihnachten, Ostern oder Ramadan feiern – und die anderen eben nicht. Das Essen soll halal-zertifiziert sein, also auch den Speisevorschriften des Islam folgen.

Die Idee entstand in der Moscheegemeinde, die aber Schwierigkeiten hatte, aus eigener Kraft eine Kita zu errichten und zu betreiben. Von Pastoralreferent Martin Wrasmann sei dann das Angebot für eine interreligiöse Kita mit einem Vorbild aus Osnabrück gekommen. Dort gibt es bereits seit mehreren Jahren eine „Drei-Religionen-Schule“ und eine jüdisch-christliche Kindertagesstätte. „Mit beiden Einrichtungen machen wir sehr gute Erfahrungen“, sagt Kai Mennigmann vom Bistum Osnabrück. Ähnlichen Erfolg wünschen sich auch die Initiatoren im beschaulichen Gifhorn, die ihre Kita zu einem Leuchtturmprojekt mit bundesweiter Strahlkraft entwickeln wollen. „Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der sich Kinder verschiedenen Glaubens mit gegenseitiger Anerkennung begegnen und voneinander lernen können“, sagt die Leiterin der Kita in Gifhorn, Linda Minkus. Auch das Erzieherteam soll sich aus Mitarbeitern muslimischen und christlichen Glaubens zusammensetzen. Für eine dritte Stelle wird derzeit noch jemand gesucht. „Wie in fast allen sozialen Berufen ist es ausgesprochen schwierig, offene Stellen zu besetzen“, berichtet Projektsprecherin Steffenhagen.

Sie räumt auch ein, dass das Interesse anfangs verhalten war. Ein denkbarer Grund: Ihrer Meinung nach könnten Eltern zunächst Scheu gehabt haben, ihre Kinder in eine so exponierte Einrichtung zu geben. Von der AfD in Gifhorn wurde das Projekt wegen der wenigen Anmeldungen bereits vor der Eröffnung als gescheitert bezeichnet. Diese Kritik weist Steffenhagen als „übliche Abwehr gegen islamische Migration in den einschlägigen Kreisen“ zurück. Für Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich (CDU) können Verständnis und Toleranz nur gelingen, wenn es Möglichkeiten der Begegnung gibt. Diese Möglichkeit bietet seine Stadt bald auch für die ganz Kleinen. (dpa)