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Abriss an den Bürgerhäusern beginnt

Der hintere Teil des Bautzener Gebäudeensembles ist nicht mehr zu retten. Doch der Besitzer hat schon neue Pläne.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Es kann endlich losgehen. Nach elf Jahren Dornröschenschlaf wird an den Bautzener Bürgerhäusern wieder gebaut. Ab Montag fahren Bagger zur Inneren Lauenstraße. Dann reißen sie einen Teil der maroden Hinterhäuser ab. Normalerweise verbindet man mit einem Abriss Zerstörung, das Ende eines Zeitabschnittes. Doch im Fall der Bürgerhäuser steht der Rückbau für einen Neuanfang.

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Viele Bautzener können sich noch gut an den Anfang der Geschichte erinnern. Am 7. Mai 2006 stürzten mit einem lauten Krachen Teile der Hinterhäuser in sich zusammen. Thomas Kasselmann hatte damals gerade mit der Sanierung der Bautzener Bürgerhäuser begonnen. Ein halbes Jahr später war Schluss mit den Bauarbeiten. Bis heute. Der Investor erzählt gelassen von den jetzt geplanten Abbrucharbeiten. Er berichtet von durchnässten Decken und von fauligen Holzbalken. „Es wäre einfach nicht mehr sinnvoll, diesen Teil der Hinterhäuser wieder aufzubauen, da die Gebäude so lange der Witterung ausgesetzt waren und durch Baumängel beschädigt wurden“, sagt er.

Urteil steht noch aus

Weil die Hinterhäuser bald auch eine Gefahr für Passanten darstellen würden, hat die Stadt dem Investor zwei Vorschläge gemacht: Die betreffenden Häuser sichern oder abreißen. „Um die Gefahr zu beseitigen, hat sich der Bauherr für den Abbruch entschieden“, erklärt Gerald Schneider, Abteilungsleiter der Bauaufsicht. Der entsprechende Antrag sei bereits im Juli 2015 gestellt worden. Weil aber die Denkmalbehörde zunächst verschiedene Genehmigungen erteilen musste, können die Arbeiten erst jetzt beginnen. Kasselmann betont, wie gern er viel eher mit der Sanierung begonnen und so auch diesen Teil des Gebäudeensembles gerettet hätte. Doch jahrelang waren ihm die Hände gebunden. Aufgrund eines Rechtsstreits inspizierten Gutachter immer wieder die Hinterhäuser. Doch solange sie Beweise sicherten, durfte nichts verändert werden. „Diese Arbeit ist nun abgeschlossen“, erklärt Kasselmann. Das heißt aber nicht, dass der jahrelange Rechtsstreit schon beendet ist. Es geht um mehrere Millionen. Zwar wurden bereits der Statiker und der Architekt am Landgericht in Bautzen für den teilweisen Einsturz des Hinterhauses im Mai 2006 verantwortlich gemacht und zu Schadensersatz verurteilt. Vor dem Dresdner Landgericht, wo sich Kasselmann und die von ihm damals mit der Rekonstruktion der Häuser beauftragte Baufirma Strabag streiten, ist das Urteil aber noch nicht gefallen. – Doch egal wie der Streit ausgeht, eines steht schon fest. Die Pläne, die Thomas Kasselmann damals hatte, kann er nicht mehr verfolgen. Eigentlich plante der Investor, in dem Gebäudeensemble insgesamt 40 Wohnungen zu errichten. Im Erdgeschoss sollten zudem Läden einziehen. Doch nun hat Kasselmann neue Visionen. Der Immobilienmarkt habe sich über die Jahre verändert, erklärt er.

Abrissarbeiten sorgen für Behinderungen

Flexibel gestaltbare Wohnungen seien jetzt in Bautzen besonders gefragt. Dort, wo nach dem Abriss eine freie Fläche entsteht, möchte der Investor deshalb an den Altbau angrenzend, einen Neubau errichten. Auf gewerbliche Geschäfte möchte Kasselmann ganz verzichten, dafür mehr Parkmöglichkeiten für die Bewohner schaffen. Eines hat sich am ursprünglichen Plan aber nicht geändert. Die vorderen Häuser an der Inneren Lauenstraße, die momentan noch von einer großen Plane verdeckt werden, sollen nach wie vor erhalten bleiben. Die will der Investor nun so schnell wie möglich restaurieren.

Aber was heißt das jetzt? Wann verschwindet die Plane vor den Häusern? „Im nächsten Jahr könnte es losgehen“, sagt der Investor. Eine vage Antwort, die dennoch Hoffnung macht. „Die Stadt möchte ja auch, dass bald etwas geschieht“, erklärt Thomas Kasselmann. Tatsächlich ließ Bautzens Verwaltung mehrfach wissen, dass sie den Investor weiter unterstützen will.

Die gute Nachricht beinhaltet aber auch: Autofahrer und Fußgänger müssen einmal mehr in diesem Sommer mit gesperrten Straßen leben. Wie die Verwaltung mitteilt, kommt es ab Montag aufgrund der Abrissarbeiten für etwa zwei Monate zu Behinderungen. So ist die Mühltorgasse von Montag bis Freitag zwischen 7 und 17 Uhr für alle Verkehrsteilnehmer voll gesperrt. Das betrifft auch Fußgänger und Radfahrer. In genau derselben Zeit wird auch die Bautzener Vogelkreuzung teilweise nicht befahrbar sein. Das betrifft Autofahrer, die über die Innere Lauenstraße stadtauswärts rollen. Sie können über die Schulstraße die Altstadt verlassen.