Teilen:

Abriss der Lederfabrik rückt näher

© Karl-Ludwig Oberthür

Freitals Rathausspitze will, dass die Ruine verschwindet. Sie braucht aber die Genehmigung einer Behörde.

Von Tobias Winzer

Freital. Die Tage der Lederfabrik scheinen gezählt. Nachdem der Freistaat einen Kauf der denkmalgeschützten Ruine und die Nutzung als Behördenstandort im August ausgeschlossen hatte, arbeitet die Freitaler Rathausspitze nun am Abriss des Industriebaus. „Das Antragsverfahren auf die denkmalschutzrechtliche Genehmigung wurde seitens der Stadtverwaltung eingeleitet“, teilt Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) auf SZ-Anfrage mit. Er hat keinen Zweifel daran, dass die Behörde dem Antrag zustimmen wird.

Für die Genehmigung zuständig ist das Denkmalamt des Landkreises. Auch das Landesamt für Denkmalschutz redet mit. Die Landesbehörde muss bei der Abrissentscheidung mit eingebunden werden. Entschieden wird nach dem Grundsatz, ob ein Erhalt für die Stadt als Eigentümer der Immobilie zumutbar wäre. Das wäre der Fall, wenn die Mehrkosten im Vergleich zum Abbruch gering ausfallen. Die Rechtsprechung in Deutschland gehe sogar bis in eine Größenordnung von circa 20 Prozent, teilte das Denkmalamt zuletzt mit.

„Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Faktenlage hinreichend klar ist und dargelegt wurde, dass eine wirtschaftliche Sanierung für die Stadt nicht darstellbar ist“, sagt Rumberg dazu. Schätzungen zufolge wären für eine einfache Sanierung 8,7 Millionen Euro fällig. Mindestens 3,8 Millionen Euro müsste die Stadt davon selbst tragen. Ein Abriss dagegen würde die Stadt 1,5 Millionen Euro kosten, so die Kalkulation. 2013 hatte die Stadt die Immobilie für etwa 750 000 Euro gekauft.

Gespräche mit dem Denkmalschutz

Zur Abrissgenehmigung gibt es derzeit Gespräche zwischen Stadt und Denkmalschutz. Zu den Inhalten will sich Rumberg jedoch nicht äußern. Dabei handele es sich um interne Vorgänge beziehungsweise ein laufendes Verfahren, zu denen die Stadt prinzipiell inhaltlich keine Auskunft geben könne. Das Landesamt für Denkmalschutz hat auf eine Anfrage nicht reagiert.

Wann genau die Abrissarbeiten beginnen sollen, ist abhängig von diesen Gesprächen und von der Genehmigung des Denkmalamtes. „Sobald eine Genehmigung vorliegt, kann der Abriss konkret vorbereitet werden, beispielsweise die Ausschreibung entsprechender Leistungen.“

Die Stadt hat offenbar die Hoffnung aufgegeben, dass sich doch noch ein Käufer für die Lederfabrik findet. Im Mai hatte der Freitaler Stadtrat entschieden, dass die Lederfabrik dem Freistaat zum Kauf angeboten werden soll. Nach der Absage des Landes wäre es auch denkbar, dass nun ein anderer Interessent zuschlägt. „Wenn es einen Käufer mit einem seriösen, belastbaren und nachvollziehbaren Angebot findet, kann er jederzeit Kontakt mit uns aufnehmen“, so Rumberg. Allerdings habe sich in den vergangenen Jahrzehnten auch kein solch solventer Investor beziehungsweise ein umsetzbares Konzept gefunden.

Wie es nach dem nun geplanten Abriss mit dem dann beräumten Grundstück weitergehen soll, ist noch offen. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Stadt die Fläche an einen Investor weiterverkauft. Mit den Erlösen soll ein Teil der Abrisskosten refinanziert werden. Laut Bodenrichtwertkarte ist die Fläche der Lederfabrik derzeit rund 50 Euro pro Quadratmeter wert. Die Stadt könnte also etwa 400 000 Euro einnehmen. Das Gelände könnte dann Teil des neuen Freitaler Stadtzentrums werden. Es befindet sich nur unweit des Areals am ehemaligen Sächsischen Wolf, für das ein Investor gefunden ist. Eine neue Brücke soll über die Weißeritz zum Grundstück der Umweltdienste Becker führen. Die Fläche soll zu einem Wohnstandort umgebaut werden. An diese Fläche würde sich dann das Grundstück Lederfabrik anschließen.

Eine Option ist, dass der Freistaat dort das sogenannte Haus der Bildung baut – einen neuen zentralen Behördenstandort, in dem die staatliche Schulaufsicht für die Landeshauptstadt Dresden und für die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Meißen ihren Sitz haben soll. Diese Option sei bei der Betrachtung der Flächenentwicklung mit einzubeziehen, so Rumberg. Abstimmungen mit dem Freistaat zur Grundstücksauswahl laufen, seien aber noch nicht abgeschlossen.

Nach dem Abriss will das Rathaus dem Stadtrat einen Vorschlag machen, wie mit der Fläche Lederfabrik weiter verfahren werden soll.

Mehr Infos und einen bebilderten Rundgang durch die Fabrik gibt es hier www.dasendederlederfabrik.de.