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Abriss der linken Seite

Kann man die Häuser an der Fährmannstraße nur noch wegschieben, oder wäre ihre Sanierung bezahlbar?

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

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Meißen. Leergewohnt und vernagelt: „Weg mit den alten Buden!“, hatte ein Anwohner der Fährmannstraße über deren Bebauung an der Triebisch gesagt. Und in der Tat sehen die Häuser mit den Nummern 1, 2 und 10 so aus, als wären sie für die Abrissbirne bestimmt. Doch Walter Hannot, Geschäftsführer einer Werbeagentur und selbst mit alter Bausubstanz in Meißen befasst, erklärt: „Die Gebäude sind von außen gesehen in einem besseren Zustand als meine Gebäude Rosengasse 7 und Görnische Gasse 33. Ob sich das in Ersparnis – alt bleibt alt – ausdrückt, kann man aus der Ferne allerdings nicht sagen. Die Gebäude beziehungsweise Wohnungen wären bei entsprechender Entwicklung des Umfeldes sicherlich gut vermarktbar.“

Hannot sagt das nicht so dahin. Er rechnet es vor. Luftbildaufnahmen hat er entnommen, dass die Hausnummer 1 und 2 auf der Fährmannstraße im Vorderhaus eine Tiefe von etwa neun Metern und eine Länge von etwa 31 Metern haben. Haus 1 ist mit dem Seitenflügel etwa 17 Meter tief. Damit ist von etwa 350 Quadratmetern pro Geschossebene auszugehen.

Eine Überschlagsrechnung zu Haus 1 und 2 ergibt laut Hannot folgendes: Keller und Erdgeschoss bleiben frei bzw. werden defensiv genutzt – als Fahrradparkhaus der Stadt? Nimmt man für das erste bis dritte Obergeschoss je 350 Quadratmeter Nutzfläche an und für den Teilausbau des Daches noch einmal 200 Quadratmeter, dann kommt man auf eine vermarktbare Nutzfläche von etwa 900 Quadratmeter nach Abzug der Gemeinschaftsflächen. Nimmt man Sanierungskosten von 1 850 Euro pro Quadratmeter an, so fallen Gesamtkosten von 1,665 Millionen Euro an.

„Für die Summe von 1 850 Euro pro Quadratmeter kann man schon sehr attraktive Wohnungen in der Lage bauen.“ Legt man eine öffentliche Förderung von 25 Prozent zugrunde, dann sinken die Gesamtkosten auf etwa 1,25 Millionen Euro. Bei einem Verkauf als Eigentumswohnungen würden damit etwa 1 400 Euro pro Quadratmeter anfallen: „Ein solcher Verkaufspreis ist sensationell gut. Da ist allerdings kein Investorengewinn rein gerechnet, wobei sich natürlich die Baukosten für ein Bauunternehmen anders rechnen.“

Hannot macht die Voraussetzungen deutlich, unter denen seine Rechnung funktionieren würde. Zum einen müsste die Stadt die Häuser für den symbolischen Preis von einem Euro verkaufen, das Umfeld bereinigen, für notwendige Teilabrisse aufkommen, auf Gebühren, etwa für Gerüststandfläche, verzichten und auf die Sanierungsabgabe. Und sie müsste die Grundstücke neu zuschneiden. „Die Kosten sind allerdings nicht zu halten, sollte es statische Probleme in den Fundamenten geben, Unterspülungen usw.“

Der Stadt Meißen bzw. der städtischen Gesellschaft Seeg gehören nicht nur die Häuser mit der Nummer 1 und 2, sondern auch die 4, 5 und 10 samt der dazu gehörigen Flurstücke. Der Rest auf der Triebischseite der Fährmannstraße ist privat. „Tatsächlich steht im Kleingedruckten des Fördergebietskonzepts der Abriss der Häuser 1, 2 und 10 mit ,kurzfristig‘ drin, 1 und 2 und 10 haben angeblich auch einen Bauzustand Stufe 4 – der schlechteste.

Als Denkmalbestand verzeichnet sind 1 bis 4, 5, 7, 8 und das letzte Haus, was schon zur Uferstraße gehört.“ Dieses beherbergt eine Pension, ist in Privatbesitz und sollte als einziges nicht abgerissen werden. So steht es in dem im Juni im Bauausschuss vorgestellten städtebaulichen Konzept zur Zukunft der Gebäude der Fährmannstraße an der Triebisch zwischen der Uferstraße und der Martinstraße. Damit würden nicht nur die „alten Buden“, sondern passable Häuser, wie sie das Foto oben zeigt, abgerissen.

Nach einem Konzept des Dresdner Büros May Landschaftsarchitekten sind anstelle der jetzigen Häuser die „Triebischterrassen“ vorgesehen. Mit Gras, Sträuchern und Bäumen bewachsene Freiflächen, mit Sitzgelegenheiten, Spielgeräten und einer Treppe zur Triebisch hin.

Baudezernent Steffen Wackwitz hat erklärt, dass es sich bei dem Projekt, das sich leicht über zehn Jahre erstrecken könne, nur um eine „städtebauliche Vorstudie“ handele. „Es kann auch sein, wir lassen den Bestand stehen und bauen aus.“ Das würde einem anderen Projekt entsprechen, das der Baudezernent begleitet hatte. Dem Lenné-Preis des Berliner Senates. Für diesen ist ein Projekt eingereicht worden, dass die Triebisch als wichtiges Element der Freiraumplanung hervorhebt. Von Häuserabriss ist dort nicht die Rede.