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Abriss-Stimmung

Die Mehrheit wünscht sich, dass die Freitaler Lederfabrik schnell verschwindet, wie das Ergebnis einer Online-Umfrage bestätigt.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

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Freital. Nachdem sich der Freitaler Stadtrat in der vergangenen Woche mit klarer Mehrheit für einen schnellen Abriss der Lederfabrik ausgesprochen hat, ergibt eine Umfrage nun ein ähnliches Stimmungsbild. In einer nicht repräsentativen Online-Abstimmung hatte die Sächsische Zeitung am Donnerstag gefragt, ob die Lederfabrik möglichst schnell abgerissen werden soll. Von den 99 Teilnehmern der Umfrage, die im Verlaufe des Donnerstags abstimmten, sagten 72 Ja und 27 Nein. Im Stadtrat in der vergangenen Woche war ein Antrag, wonach ein Erhalt der Ruine nochmals geprüft werden soll, mit 19 zu 10 Stimmen abgelehnt worden.

Auch wenn beide Abstimmungen keinen repräsentativen Charakter haben, so zeigen sie doch einen Trend auf: Die Mehrheit der Freitaler wünscht sich, dass die Lederfabrik schnell verschwindet. Nach den Gründen befragt, äußern sich viele Umfrageteilnehmer ähnlich. „Mit so einer Ruine kann man unter dem Gesichtspunkt nichts Vernünftiges anfangen. Wenn es ein Denkmal sein soll, hätte viel eher mit Bausicherungsmaßnahmen angefangen werden“, schreibt einer. Ein anderer: „Die Verwaltung hat die Zahlen für Sanierung und Abriss sehr präzise und objektiv ermittelt. Da wurde nichts schön- oder schlechtgerechnet, damit es eben keine Entscheidung aus dem Bauch heraus ist.“

Die Befürworter einer Sanierung betonen die Bedeutung des denkmalgeschützten Gebäudes für das Stadtbild. „In Freital wurde schon sehr viel Bausubstanz weggerissen“, schreibt ein Umfrageteilnehmer. „Die Lederfabrik soll nicht einem weiteren Glaskasten weichen. Es gibt reichlich Erfahrungen, wie alte Industriebausubstanz umgewidmet werden kann. Es ist immer spannend zu sehen, wie schön sich alte Gemäuer nach der Sanierung präsentieren.“ Eine andere Stimme: „Ich bin der Meinung, die Lederfabrik gehört zu Freital. Der Industriecharme sollte beibehalten werden. Eventuell könnte man da ja Platz für Loft-Wohnungen oder Start-ups schaffen.“ Ähnliche Argumente waren in den vergangenen Monaten auch immer wieder im Stadtrat zu hören. Anfang 2017 hatten die Volksvertreter mehrheitlich einen Abriss beschlossen. Mit Hinweis auf höhere Fördermöglichkeiten hatten einige Stadträte nun noch einmal einen Anlauf genommen, um für den Erhalt zu werben. Ihr Antrag wurde jedoch vor einer Woche abgelehnt. Trotzdem ist der Abriss noch nicht beschlossene Sache. Die Denkmalämter des Landratsamtes und des Freistaats müssen erst ihre Zustimmung geben.

Die Stadt Freital hat deswegen Unterlagen eingereicht, die belegen sollen, dass ein Erhalt für die Stadt wirtschaftlich nicht machbar wäre – die Voraussetzung für die Abrissgenehmigung. Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) hatte zuletzt betont, dass er die Lederfabrik abreißen lassen will, um die freie Fläche dann dem Freistaat zum Bau eines Hauses der Bildung, einem großen Behördenstandort, anzubieten.

Doch es gibt auch andere Ideen, was die Stadt mit dem Lederfabrik-Grundstück machen könnte. Auch das geht aus der Online-Umfrage der Sächsischen Zeitung hervor. „Ein kleiner Park, ein Spielplatz, ein Festgelände, eine Freilichtbühne – was auch immer, aber kein Gebäude. Freital hat genügend leere Gebäude, wo man etwas daraus machen kann“, schreibt ein Teilnehmer der Umfrage. Ein anderer: „Freital mangelt es seit dem Abriss der Windbergarena an einem Sammelpunkt für die städtische Jugend. Auch wenn das Areal von der Größe nicht ganz an die ehemalige Windbergarena herankommt, könnte man auf dem Gelände einen Veranstaltungsort gründen.“

Es gibt aber auch Nutzer, die sich ein Haus der Bildung an dem Standort gut vorstellen können – und noch mehr. „Einen Behördenstandort oder allgemein Wohnen mit nicht störendem Gewerbe“, wünscht sich ein Umfrageteilnehmer. Ein anderer will den Behördenstandort mit einer Turnhalle kombinieren. „Sportvereine haben bereits jetzt Probleme, für ihre Aktivitäten ausreichend freie Hallenzeiten zu finden. Dafür könnten Räumlichkeiten mit zentraler Verkehrsanbindung eingeplant werden. Ein Behördenstandort wäre vielleicht dort zu integrieren.“