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Abrissfirma nimmt sich Gasthof vor

In Mittelndorf wird es laut, wenn die Ruine verschwindet. Pläne für danach gibt es schon.

© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Mittelndorf. Im Sebnitzer Ortsteil Mittelndorf werden derzeit schon Wetten abgeschlossen, wie lange die Firma benötigen wird, um die Mauern abzureißen. Die Vermutungen reichen von einem Tag, weil das Gebäude so marode ist, bis hin zu einer Woche.

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Fakt ist, am ehemaligen Gasthof ist nichts mehr zu retten. Ein Wiederaufbau lohnt nicht mehr. Das hatten auch die Denkmalschützer erkannt, die dem Abriss zu guter Letzt zugestimmt haben – wenn einige Bedingungen erfüllt sind. So musste zum Beispiel ein komplettes Aufmaß von dem Gebäude angefertigt werden. Damit bleibt der Gasthof für die Nachwelt erhalten, wenn auch nur als Zeichnung. Außerdem soll nach Vorstellungen der Denkmalschützer der Gewölbekeller erhalten bleiben. Diese Forderung stößt bei den Einwohnern auf geteilte Meinungen. Während einige Mitglieder im Ortschaftsrat mit dem Plan mitgehen, wird der unter Einwohnern eher kontrovers diskutiert.

Der Keller soll aber nicht als solcher unterirdisch erhalten werden, sondern er wird in die künftige Gestaltung einbezogen. So weit ist es allerdings noch nicht. Denn vor einer neuen Nutzung des Geländes muss erst einmal das Gebäude weg.

Der Stadtrat Sebnitz hatte in seiner Sitzung am 19. Oktober den Abbruch des ehemaligen Gasthofs beschlossen. Die Arbeiten wurden mit einer Angebotssumme von etwa 120 000 Euro an die Firma Containerdienst Bischofswerda vergeben. Bereits am 29. September hatte die Stadtverwaltung bei der Sächsischen Aufbaubank einen Antrag auf Erhöhung der Zuwendungen eingereicht. Dieser wurde bewilligt. Die Summe wurde von ursprünglich 76 500 Euro um 50 574 Euro auf 127 074 Euro erhöht. Damit fördert der Freistaat Sachsen den Abriss zu 90 Prozent. Den Rest trägt die Stadt.

Festgelegt wurde, dass die Sandsteinelemente des Gebäudes während des Abbruchs ausgebaut und sicher gelagert werden, sodass sie bei der Umgestaltung der Freifläche wieder verwendet werden können. Die Baumaßnahme soll nach Aussagen der Stadtverwaltung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Ideen gibt es schon

Den Plänen vorausgegangen sind umfangreiche Arbeiten. Gemeinsam mit dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und dem sächsischen Innenministerium wurde mit den Einwohnern, vor allem Hausbesitzern, in Mittelndorf ein Modellprojekt entwickelt, das sich speziell mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Ortskerne der Dörfer im Landkreis befasst hat. Dabei ging es auch um den alten Gasthof, der seit über 20 Jahren vor sich hin gammelt. Die Weichen für den Abriss wurden im Sebnitzer Rathaus im Dezember letzten Jahres gestellt. Am 16. Dezember hatte die Stadt Sebnitz das Grundstück im Rahmen einer Zwangsversteigerung für 14 000 Euro erworben. Damit war der erste Schritt getan. Das Vorhaben selbst ist Bestandteil des Stadtentwicklungskonzeptes Sebnitz 2020 im Bereich Brachen.

In den letzten Wochen befasste sich die Arbeitsgruppe Ortsentwicklungskonzept aktiv mit der künftigen Nutzung des Grundstückes. Aus den Ergebnissen der Arbeitsgruppe und des Modellprojektes wurde deutlich, dass ein Informationspunkt für Bürger und Gäste, ein überdachter Rastplatz oder Stellflächen für mobile Händler und einige Autos sinnvoll wären, heißt es nun aus der Stadtverwaltung. Weiterhin soll das Buswartehäuschen aufgewertet werden. Wie das Ganze konkret aussehen soll, wird derzeit durch das Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur Prugger in Pirna geplant. Im Jahr 2017 soll die Fläche an der Ortsdurchfahrt gestaltet werden.