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Abschied nach 22 Jahren

Das Bautzener Amtsgericht hat einen neuen Chef: Jürgen Volk übergab am Montag seinen Posten an Markus Kadenbach.

© Uwe Soeder

Bautzen. Es war ein nachdenklicher Abschied. Nach 22 Jahren übergab am Montag Amtsgerichtsdirektor Jürgen Volk den Arbeitsplatz an seinen Nachfolger Markus Kadenbach. „Ich nehme mir die Beständigkeit meines Vorgängers als Vorbild. Er sah das Amt als Lebensaufgabe an. Ich freue mich nun, Menschen zu führen, eine Dienststelle zu organisieren und gleichzeitig als Richter tätig zu sein“, sagte der neue Chef über 100 Mitarbeiter. Auf ihren Schreibtischen landen Strafsachen genauso wie zivilrechtliche Streitigkeiten aus Kauf-, Miet-, Erbschafts- oder Familienrecht.

Markus Kadenbach bekommt ein gutorganisiertes Haus von Jürgen Volk. Er betrat das Gerichtsgebäude zum ersten Mal im Juli 1991. Der Jurist erinnert sich noch gut an den ersten Eindruck beim Kurzbesuch. „Die Lampen waren trübe Funzeln, Milchglasfenster versperrten den Blick auf Bautzen II, auf dem Dachboden standen Plastikeimer, um den Regen aufzufangen“, sagt der 66-Jährige. Seine Frau heuert damals beim Kreisgericht Bautzen als Rechtspflegerin auf Zeit an. Für drei bis sechs Monate ist das Intermezzo knapp 750 Kilometer von der Heimat entfernt geplant. Der Jurist bleibt vorerst mit den drei Kindern auf seiner sicheren Richter-Stelle am Freiburger Landgericht.

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Für unabhängige Justiz stark machen

Doch schon bald nach dem ersten Kennenlernen der Mitarbeiter in der Lessingstraße verabschiedet sich Jürgen Volk aus seinem alten Leben. Er wechselt im Mai 1992 aus Baden-Württemberg nach Sachsen. „Die Aufbruchsstimmung faszinierte mich“, sagt der Jurist. 31 Mitarbeiter gehören damals zu Gericht. Im Haus sitzen noch Polizei, zwei Anwaltskanzleien, ein Geldtransportunternehmen und ein Waffenhändler samt Schießanlage im Untergeschoss. Den spannenden Anfangsjahren folgen Zeiten des Umbaus im Gerichtsgebäude, aber auch innerhalb der Justiz. Die Auflösung des Landgerichts in Bautzen halte er, so Volk, immer noch für einen Fehler. „Ich habe uns immer als Dienstleistungsbetrieb gesehen, vor allem für die ratsuchenden Bürger“, gibt er Markus Kadenberg mit auf den Weg. Der Jurist aus Rheinland-Pfalz arbeitet seit 1996 in der sächsischen Justiz. Er wechselt aus dem Haushaltsreferat des Sächsischen Staatsministeriums der Justiz nach Bautzen. Davor war der Wahl-Dresdner lange als Richter am Oberlandesgericht in der Landeshauptstadt. Nun will er sich in Bautzen für eine „unabhängige Justiz“ stark machen und dem Amtsgericht nach Jürgen Volk ein „neues, beständiges Gesicht“ geben. (ms)