merken

Abschied vom Berufsschulzentrum

Schulleiter Bernd Kniese geht in Rente. Er verlässt eine Einrichtung mit interessanten Besonderheiten.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Arbeiten in Görlitz

Ob Arbeitsplatz, Ausbildung, Studium, Job für zwischendurch, Freiwilligendienst oder Ehrenamt: In Görlitz gibt es jede Menge gute Jobs!

Großenhain. Sein BSZ „Karl Preusker“ Großenhain sei eine sehr fruchtbare Schule, sagt Bernd Kniese kurz vor seinem Ausscheiden ohne Hintergedanken. Denn als Schulleiter hat er Personalverantwortung. Und viele junge Frauen seien unter den derzeit 99 Lehrkräften. Dass sie im besten Alter sind, um Nachwuchs zu bekommen, kann er voll verstehen. Glück für ihn: Durch die noch gut besetzten Studiengänge Gesundheit, Pflege und Sozialwesen erhält Bernd Kniese schnell ausgebildete Lehrer als Ersatz. Am Freitag aber wird der 65-jährige, der offiziell schon seit Januar Rentner ist, selbst ersetzt. Eine neue Schulleiterin wird ihm nachfolgen.

Kniese kam 1984 als Lehrer an die damalige Betriebsberufsschule des Bau- und Montagekombinates BMK Großenhain. Nach der Wende dann die Neuorientierung – die Lehrerschaft wählte ihn als neuen Schulleiter. In das umgebildete staatliche Berufsschulzentrum wurde übrigens auch das frühere Institut für Lehrerbildung integriert – nun mit der Erzieher- und Altenpflegeausbildung, außerdem die einst selbstständige Berufsschule des volkseigenen Gutes Kalkreuth. Als ausgebildeter Sportlehrer wurde Kniese 1992 Stellvertreter, Michael Hampsch neuer Schulleiter.

„Keine Probleme in den DAZ-Klassen“

Ende der 1990er Jahre musste der Schulbetrieb mit hohen Schülerzahlen organisiert werden. Verwerfungen im sächsischen Schulsystem gab es auch damals schon. „Was mir immer am meisten Spaß gemacht hat, war die Arbeit im Kollegium“, blickt der Großenhainer zurück.

Auch der Umgang mit den Schülern war für ihn schön, explizit mit den Berufsförderschülern. Regelmäßig saßen da auch Eltern zum Gespräch in seinem Büro. Was andere Lehrer vielleicht als anstrengend erleben, war für Bernd Kniese nach eigener Aussage der soziale Ansatz: Etwas aus den jungen Leuten zu machen. Es jedenfalls zu versuchen. 2001 wechselte Bernd Kniese als Schulleiter zum damaligen BSZ Wirtschaft und Verwaltung nach Riesa. Bis 2007 war er dort.

„Während Michael Hampsch als Riesaer täglich nach Großenhain kam, nahm ich die umgekehrte Richtung“, sinniert Bernd Kniese. Dass er wieder Schulleiter in Großenhain wurde, liegt nun auch schon elf Jahre zurück. „Die Zeit, wo ist sie hin?“, fragt er sich rhetorisch. Vieles hat sich aber erneut verändert, die Klassenstärken wurden geringer, die Großenhainer Schule musste die technische Berufsausbildung abgeben. Nur für das Gastgewerbe hält das BSZ Karl Preusker noch die duale Ausbildung vor. Alle anderen Schularten bilden in Vollzeit aus.

Einschneidend war vor drei Jahren die Einführung der DAZ-Klassen für junge Migranten. „Damals wurden dafür Lehrer mit Brachialgewalt gesucht“, weiß Bernd Kniese. Durften anfangs sogar bis 30-Jährige die Deutschkurse der Schule besuchen, wurde die Altersgrenze dann auf 18 Jahre runtergeschraubt. Der Schulleiter erlebte die ganzen Diskussionen darüber mit. Und auch die Debatten in der Lehrerschaft. Bernd Kniese versuchte, mit Ruhe und seinem christlichen Grundverständnis damit umzugehen. „Untereinander hatten die Schüler der DAZ-Klassen mit anderen Schülern keine Probleme“, sagt der scheidende Schulleiter.

Derzeit gäbe es 22 DAZ-Schüler und sogar eine Alphabetisierungs-Klasse. Den Rahmen schaffen für gute schulische Bildung – das muss auch Knieses Nachfolgerin. Am Freitag wird sie öffentlich vorgestellt. Eine nötige Weiterentwicklung wird unter ihrer Leitung dann die generalisierte Pflegeausbildung sein, wie sie ab 2019 angeboten werden soll. Eine Kooperation mit der Krankenpflegeausbildung wird dann auf der Tagesordnung stehen. Ausgebildet werden flexiblere Pflegefachkräfte. Kniese wird das mit dem gebotenen Abstand verfolgen. „Ich freue mich, nun mehr Zeit für die Familie, Gartenarbeit und Radfahren zu haben“, sagt er gelöst.