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Abschied vom Brezelmann

Neustadt trauert um Hermann Caspar. Sportler, Würstelmann, Weihnachtsmann – ihn kannte so gut wie jeder.

Neustadt. Fast fünf Jahrzehnte lang schaute Hermann Caspar in unzählige leuchtende Kinderaugen. Als wohl dienstältester Weihnachtsmann hatte er Heiligabend jedes Jahr so viel zu tun, wie kaum ein anderer. Und auch sonst war der Neustädter immer auf Achse: als Stadtrat, als Vorsitzender des Sportvereins, als Festorganisator, als Würstel- und Brezelmann. Hermann Caspar kannte wohl jeder. Nun nimmt die ganze Stadt Abschied von ihm. Er starb am 5.  März im Alter von 76 Jahren.

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Die Nachricht vom Tod des Neustädters hat unter vielen Bewohnern Trauer ausgelöst. Denn viele hielten als Kind schon einmal ein Geschenk in den Händen, das Hermann Caspar, gut verkleidet mit Rauschebart und Mantel, vorbeigebracht hatte. Zum ersten Mal schlüpfte er 1968 im damaligen Fortschrittwerk in die Rolle des Weihnachtsmannes und blieb dabei. „Die Kinder von damals haben heute meist selbst welche. Dadurch kenne ich oft die ganze Familie“, erzählte der umtriebige Neustädter einmal in der SZ. In einem selbst angelegten Weihnachtsbuch heftete er Liedtexte und Wunschzettel ab. Hermann Caspar war ein gründlicher Weihnachtsmann.

Und ein begeisterter Festorganisator dazu. Er kümmerte sich um die Ausrichtung des Neustadttreffens genauso wie um das Straßenfest in der Böhmischen, wo er selbst wohnte. Dort, wie auch zur Einkaufsnacht und bei anderen Festivitäten war er außerdem als Verkäufer unterwegs. Ob Würstchen, Brezel oder Suppe aus der Gulaschkanone – er bekam jeden satt. Den schweren Bauchladen trug er noch im Alter vor sich her. Dafür muss man fit sein.

Das war er. 1964 trat er in den SSV Langburkersdorf ein, war jahrelang dessen Vorsitzender. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, das ist es, was den Verein ausmache, sagte er anlässlich der Jubiläumsfeier 2012. Gewinnen sei da nicht immer das Wichtigste. Seine Sportfreunde trauern um ihn und schreiben auf ihrer Internetseite: „Wir verlieren mit ihm einen sehr guten Freund, der mit ganzem Herzen bis zuletzt für unseren Sportverein aktiv war. Stets mit vollem Engagement und immer freundlich, so wird er uns auf ewig in Erinnerung bleiben.“

Spricht man über Hermann Caspar, darf auch sein politisches Engagement nicht unerwähnt bleiben. Der ehemalige Neustädter Bauhofchef wurde 2004 für die Fraktion Neustädter für Neustadt (NfN) in den Stadtrat gewählt. Zehn Jahre lang behielt er seinen Sitz und galt schließlich als dienstältestes Ratsmitglied. Doch auch ohne sein Mandat unterstützte er weiterhin als Kassenprüfer seine Mitstreiter von NfN.

Wer so engagiert ist wie Hermann Caspar, der fällt auf. Da bleiben Auszeichnungen nicht aus. Im Jahr 2008 war er zusammen mit drei anderen der erste Ehrenamtspreisträger der Stadt Neustadt. Ein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt war ihm damit sicher. Im Jahr 2014 wurde der Hansdampf in allen Gassen zum Neujahrsempfang erneut auf die Bühne geholt. Sein 45-jähriges Jubiläum als Weihnachtsmann sollte geehrt werden. Der Preis: eine goldene Rute. „Die Kinder brauchen keine Angst davor zu haben“, sagte Hermann Caspar und bewies Sinn für Humor. „Damit verhaue ich höchstens den Bürgermeister.“ Das war damals noch Manfred Elsner.

Man könnte sicherlich noch viel mehr über das Neustädter Urgestein erzählen, das seine Frau und einen Sohn hinterlässt. Wie er beispielsweise immer den Adventskalender am Rathaus öffnete und wie er begeistert Pilze sammelte. So gut wie jeder in der Stadt verbindet etwas mit Hermann Caspar. Und alle sind sich einig: Er war ein Guter, der Hermann. (SZ)

Urnenbeisetzung am Montag, den 26. März, 14 Uhr auf dem Friedhof in Neustadt.