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Abschied vom Gesundheitsstudio

Ines Denecke findet keinen, der das Balance in Bischofswerda übernehmen kann oder will. Bleibt nur die Schließung?

© Peggy Krüger

Von Manuela Paul

Bischofswerda. Jahrelang war Ines Denecke das Gesicht des Gesundheitsstudios Balance in Bischofswerda. Das soll sich nun ändern. Schon seit geraumer Zeit sucht sie händeringend einen engagierten Nachfolger, der ihr Studio an der Kirchstraße übernimmt. Allerdings ist bislang niemand in Sicht.

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Nachdenklich sitzt die Unternehmerin in ihrem Büro. Momentan weiß sie noch nicht genau, was ihr die Zukunft bringen wird. Vor zehn Jahren erfüllte sich die gelernte Erzieherin ihren größten Wunsch: Sie eröffnete ein eigenes kleines Gesundheitsstudio und startete mit unglaublich viel Elan, steckte jede Menge Herzblut in ihr Unternehmen. Schon nach kurzer Zeit war ihr Studio, in dem es fast schon familiär zugeht, bei Sportlern unterschiedlichsten Alters und Geschlechts eine beliebte Adresse.

Mittlerweile besuchen fitnessorientierte Menschen im Alter von 16 bis 88 Jahren das Studio. „Es ist nie zu spät, etwas für die eigene Gesundheit zu tun, das Alter spielt dabei absolut keine Rolle“, weiß die Fitnessexpertin. Individuelle Trainingspläne, ganzheitliche Betreuung der Kunden – das sind die Stärken ihres kleinen Studios. In der Überschaubarkeit liege auch eine Chance: „Wir haben ein sehr angenehmes Klima, man kennt sich und grüßt sich erst mal, wenn man reinkommt, scherzt auch miteinander.“

Genau das schätzen viele der Mitglieder. So hätte es eigentlich weitergehen können. Wird es aber nicht, wenn sich nicht bald ein neuer Inhaber für das Unternehmen findet. Für Ines Denecke kein angenehmer Gedanke. Es würde ihr in der Seele wehtun, wenn sie ihr Studio schließen müsste.

Sie muss kürzer treten

Sport war immer ihr Leben. Dafür wollte Ines Denecke andere begeistern, ihnen helfen durch gesundheitsorientiertes Training fit zu werden oder zu bleiben. Doch inzwischen muss die agile, kommunikative Endvierzigerin gesundheitlich bedingt, etliche Gänge runter schalten. Seit Anfang des Jahres tritt sie schon ein wenig kürzer, hatte sich mit Ilka Hauswald Verstärkung ins Team geholt, wollte quasi aus der zweiten Reihe arbeiten. Doch das funktionierte nicht so, wie gedacht. Um gesundheitlich wieder richtig auf die Beine zu kommen, muss sie die Verantwortung fürs Geschäft komplett abgeben. Das ist ihr inzwischen bewusst geworden.

Am liebsten würde sie ihr „Baby“ an jemanden verkaufen, der das Balance in ihrem Sinne weiterführt. Zumal auch ihr Team gern weitermachen würde. Selbst Mitglieder sprächen sie immer wieder an, fragen, wie es wohl weitergeht, erzählt die Noch-Studiobetreiberin. „Mir liegt das Studio einfach am Herzen; und ich möchte, dass die Mitglieder hier auch in Zukunft noch trainieren und etwas für ihre Gesundheit tun können.“ Aber nicht um jeden Preis. Wenn sie keinen Nachfolger findet, will sie zusperren, sagt sie. Die Unternehmerin wirkt gefasst, man merkt ihr aber an, wie sehr sie dieser Gedanke schmerzt.

Kein Einzelfall

Eigentlich sind die Voraussetzungen für eine Übergabe günstig. „Das Studio ist etabliert, ein neuer Inhaber müsste nicht bei Null anfangen“, erzählt die Fitnessfachfrau. In den vergangenen Monaten sprach sie deshalb verschiedene Leute in der Branche an, suchte auch mithilfe einer Unternehmensberatung nach einem Nachfolger. Trotzdem fand sich bislang kein Interessent. Nur kurz vor Weihnachten war da mal ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Ein junger Mann aus Dresden – bislang Einzelunternehmer – wollte das Balance übernehmen. Doch er sei zu leichtfertig an das Ganze herangegangen, habe die Tragweite des Vorhabens unter- und sich selber überschätzt. Letztlich platzte die Finanzierung.

Ines Deneckes Problem ist durchaus kein Einzelfall. Die Suche nach Unternehmensnachfolgern bleibe nach wie vor ein schwieriges Thema, erklärt Lars Fiehler, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Dresden. Vor allem in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs, wenn Leute gute Chance haben, sichere Angestelltenjobs zu bekommen, fänden sich weniger, die den Mut aufbringen, als Neu-Unternehmer einzusteigen. Meist seien es ältere Firmenchefs, die Nachfolger suchen. Gerade im ländlichen Bereich sei das schwierig. „Da werden wohl auch viele kleine Betriebe verschwinden. Deshalb appellieren wir auch immer wieder, nicht zu spät mit der Suche nach einem geeigneten Unternehmensnachfolger anzufangen.“