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Abschied von den Pinguinen

Am Mittwoch ist der letzte Arbeitstag von Thomas Wießner im Tierpark Zittau. Er gehört zu den dienstältesten Tierpflegern.

© Jan Lange

Von Jan Lange

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„Lolek, Lolek“ – mehrere Male ruft Thomas Wießner den Pinguin. Der kleine Frackträger lässt sich nicht lange bitten, schwimmt an den Beckenrand und schnappt sich die Sprotte, die der Tierpfleger hinhält. Die Pinguine gehören zu seinen Lieblingen, sagt Thomas Wießner. Schon beim Aufbau des Pinguingeheges vor 13 Jahren hatte er mitgeholfen. Nun muss er Abschied nehmen von den Pinguinen, ebenso wie von Ara „Lora“, die er als einer der wenigen Tierpfleger sogar übers Gefieder streicheln durfte. Am Mittwoch ist Thomas Wießners letzter Arbeitstag im Zittauer Tierpark. Leicht fällt dem 63-Jährigen der Abschied nicht. Immerhin ist der gebürtige Zittauer 27 Jahre im Tierpark tätig gewesen. 1991 wurde der Zittauer fest eingestellt und kümmerte sich in der Folge um die Grünflächen und später auch um die Tiere. Er gehört damit zu den dienstältesten Mitarbeitern des Zittauer Tierparks.

Zu DDR-Zeiten arbeitete Thomas Wießner in der LPG-Gärtnerei in Pethau. Als sich dort die Tore für immer schlossen, bekam er eine ABM in der Stadtgärtnerei und wurde in diesem Rahmen auch im Tierpark eingesetzt. Tierpark-Direktor Bernd Großer übernahm ihn anschließend sehr gern in das Mitarbeiterteam. „Damals war die Arbeitssituation in der Region noch nicht so unsicher, wie sie sich kurze Zeit später entwickelte. Deshalb war es für uns auch schwer, neue Mitarbeiter zu finden“, erinnert sich Großer an jene Zeit.

Nachdem Thomas Wießner anfangs hauptsächlich in der Pflege der Grünflächen eingesetzt war, kam er dann auch in der Tierpflege zum Einsatz. Das sei aus der Not geboren gewesen, da ein „Springer“, also ein Mitarbeiter, der die Aufgaben für erkrankte und urlaubende Kollegen übernimmt, gebraucht wurde. Thomas Wießner hat sich die Aufgaben, die in der Tierpflege erledigt werden müssen, selbst angeeignet – sozusagen „learning by doing“. Er war hauptsächlich auf dem Hirschberg im Einsatz. Seit 2010 hat er sich ausschließlich um die Tiere gekümmert, da er aufgrund gesundheitlicher Probleme die teilweise schwere Grünflächenpflege nicht mehr erledigen konnte. Doch auch die Tierpflege wird mit über 60 nicht leichter. Und so entschied sich der 63-Jährige, vorzeitig in Rente zu gehen, auch wenn er seine 45 Arbeitsjahre noch nicht erreicht hat.

„Es ist schwer, ihn zu ersetzen“, sagt Bernd Großer. Er sei ein zuverlässiger Kollege gewesen, lobt der Tierpark-Direktor. In diesem Jahr wird noch eine weitere langjährige Kollegin ihre Tätigkeit im Zittauer Tierpark beenden.

Auch wegen der knappen Personaldecke ist Großer erleichtert, dass Thomas Wießner stundenweise weiter aushelfen wird, wenn Not am Mann ist. Der langjährige Tierpfleger, der im Jahr 1994 den Förderverein „Freunde des Zittauer Tierparks“ mitgegründet hat, ist seinerseits aber auch froh, dass er jetzt mehr Zeit für das eigene Zuhause hat. Hier gebe es genug zu tun – ob nun im Garten oder mit den Enkeln.