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Absprung geschafft

Wolfgang Schmidt war Manager in der Firma Max Aicher in Bischofswerda. Jetzt ist er Rentner. Und immer noch ein vielbeschäftigter Mann.

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© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Das Handy liegt in Reichweite. Wolfgang Schmidt erwartet einen wichtigen Anruf für seinen Sportverein. Als Vereinsvorsitzender muss er kurzfristig umplanen, weil das Festzelt fürs Wochenende später als zugesagt kommt. Den Leuten, die beim Aufbau helfen wollen, muss nun schnellstens Bescheid gesagt werden.

Der jetzt 65-Jährige müsste sich diesen Stress nicht mehr antun. Er könnte es wesentlich ruhiger haben. Doch wohl fühlen würde er sich dabei wohl nicht. Seit 17 Jahren ist Wolfgang Schmidt Vorsitzender der Sportgemeinschaft Großdrebnitz mit rund 190 Mitgliedern – und er wird es vielleicht noch drei Jahre bleiben. Bislang habe keiner der Jüngeren die Hand gehoben und gesagt, er übernehme den Vorsitz, sagt Wolfgang Schmidt schmunzelnd. Zurzeit sieht es danach aus, dass er sich im Herbst noch einmal der Wahl stellt. Er hat Spaß an dieser Arbeit, sieht vor allem aber auch die Verantwortung, das zu erhalten, was mit viel Mühe aufgebaut wurde. „Die Tradition eines 111-jährigen Vereins verpflichtet. Jeder sollte zu seiner Zeit etwas für die Allgemeinheit tun“, sagt Wolfgang Schmidt. Ehrenamtliches Engagement ist auch jetzt gefragt. Und kluges Management.

Chef des Sportvereins

Wolfgang Schmidt ist Fuchs in beiden. Der diplomierte Maschinenbauingenieur brachte es bei Fortschritt in Bischofswerda bis zum Haupttechnologen. Er gehörte zu jenen, die nach der Abwicklung des Mähdrescherwerkes 1991 zur Firma Aicher wechseln konnten. Elf Jahre lang bis zum Eintritt in die Ruhephase der Altersteilzeit 2012 managte er den Gewerbepark am Drebnitzer Weg und weitere Immobilien des Unternehmens. Ein Mann, der wirtschaftlich denkt. Auch als Chef eines Sportvereins. „Wir müssen aus dem Vorhandenen das Beste machen“, sagt er. Rasenplatz, Vereinsheim, Kegelhalle – alles das muss bewirtschaftet und finanziert werden.

Der Großdrebnitzer wurde in den Sportbeirat der Stadt Bischofswerda berufen. „Es ist gut zu wissen, was geht und was nicht geht“, sagt er zu seiner Mitarbeit in dem Gremium – auch mit Blick auf Baumaßnahmen und deren Finanzierung. Vor zwei Jahren erneuerte die SG Großdrebnitz die Flutlichtanlage auf dem Sportplatz und errichtete einen Ballfangzaun. Gesamtkosten: 20 000 Euro. Die eine Hälfte kam vom Landessportbund, die andere vom Verein – Arbeitsleistungen, Eigenmittel, Sponsorengelder. „Man muss jedem dankbar sein, der sich ehrenamtlich engagiert und uns unterstützt“, sagt Wolfgang Schmidt.

Viele Erlebnisse mit den Enkeln

Der 65-Jährige ist fit wie ein Turnschuh, obwohl er gerade den für seinen Sport, das Schachspielen, nicht braucht. Seine Begeisterung dafür gibt er einmal in der Woche an Vorschulkinder in der Großdrebnitzer Kita weiter. Wolfgang Schmidt mag Kinder, genießt die Zeit, die er mit ihnen verbringen darf. In den Sommerferien sind es die drei Enkel. Nächsten Donnerstag werden er und seine Frau die beiden jüngeren bei Wolfsburg abholen, Freitag geht’s gemeinsam auf die Bischofswerdaer Waldbühne zu Winnetou. Erlebnisse mit ihren Enkeln sind den beiden besonders wichtig, „damit sie eine Bindung zu ihren Großeltern haben und sich später einmal gern an sie erinnern“, sagt Wolfgang Schmidt. „Nichts geht über eine intakte Familie.“

Wolfgang Schmidt, inzwischen Altersrentner, schafft den Spagat zwischen Bodenständigkeit und Weltgewandtheit. In seinem Heimatort ist er verwurzelt, hat ein großes Grundstück, ist gern draußen. Zugleich nutzt er die Zeit zum Reisen, auch auf andere Kontinente. „Solange wir es gesundheitlich können, nutzen wir diese Möglichkeit“, sagt er.