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Abwasserärger im Bischofsweg

Die Anwohner sollen auf eigene Kosten Hauspumpwerke für ihr Abwasser einbauen lassen. Sie fühlen sich von der WSR übervorteilt.

© Arvid Müller

Von Nina Schirmer

Radebeul. Es ist besonders idyllisch dieser Tage im ruhigen Bischofsweg in Zitzschewig, wo das Grün zwischen den Häusern sprießt. Doch unter den Anwohnern ist die Stimmung angespannt. Der Grund: Die Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul (WSR) verlangt von den Grundstücksbesitzern, dass sie sich auf eigene Kosten Hauspumpwerke einbauen lassen, die ihr anfallendes Abwasser bergauf in einen Kanal in der Gerhard-Hauptmann-Straße pumpen sollen.

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Das kommt im Bischofsweg gar nicht gut an. 4 000 bis 5 000 Euro würde so eine Pumpe kosten, sagen die Anwohner. Etwa 30 Häuser sind betroffen. Von der WSR fühlen sich die Anlieger übervorteilt. Sie vermuten, dass der Wasserwirtschaftsbetrieb Kosten sparen will und die Verantwortung auf die Bürger abwälzt.

Denn auch wenn so ein privates Pumpwerk mal verstopft oder anderweitig kaputt geht, müssten sich die Zitzschewiger selbst darum kümmern und die Kosten tragen. Nachhaltig sei diese Variante auch nicht, wenn jedes Haus eine eigene Pumpe hat, finden die Betroffenen. Sie wünschen sich deshalb eine andere Lösung für das Abwasserproblem. Schon Anfang der 1990er Jahre sei geplant gewesen, für den Bischofsweg eine zentrale Abwasserleitung über den Kapellenweg bis zur Meißner Straße zu bauen. Vor einiger Zeit wurde das Projekt wieder aufgenommen. Denn bis Ende 2018 müssen alle Grundstücke in Radebeul an die öffentliche Kanalisation angebunden sein. Von der zentralen Abwasserleitung zur Meißner Straße wolle die WSR jetzt aber nichts mehr wissen, berichten die Anwohner. Sie sei zu teuer, wurde ihnen mitgeteilt.

Wenn die lange Anlage nicht gebaut würde, wollen sie stattdessen wenigstens ein zentrales Hebewerk auf dem Bischofsweg von der aus das Abwasser in einen vorhandenen Kanal auf der Barkengasse gepumpt wird, fordern die Anlieger. Ihren Berechnungen nach – die WSR hatte den Anwohnern die Kostenkalkulationen zur Verfügung gestellt – sei diese Variante nicht viel teurer für die WSR. Vor allem weil das Unternehmen auch die privaten Pumpen bezuschussen würde. Ungefähr 15 000 Euro Unterschied bei einer Investition von bis zu 400 000 Euro, sagen die Anwohner.

Olaf Terno, Geschäftsführer der WSR sieht das anders. Der Kostenunterschied sei deutlich größer, sagt er. Man habe das von Fachplanern durchrechnen lassen. Die Hauspumpwerke seien die wirtschaftlichste Variante. Den Vorwurf, die WSR wälze Verantwortung und Kosten auf die Anlieger ab, lässt er nicht gelten. „Es gibt zig solcher Anlagen in Radebeul“, sagt Terno. In anderen Straßen gebe es keine Probleme. Für ein zentrales Pumpwerk sei auf dem Bischofsweg außerdem kein Platz, so der WSR-Chef.

Das wiederum glauben die Anwohner nicht. Sie halten ein zentrales Pumpwerk vor der Kapelle oder auch in der Mitte des Bischofsweges für möglich. Besonders ärgert sie, dass die WSR mit einem Schreiben nun einfach Tatsachen geschaffen habe. Darin heißt es, dass ab dieser Woche gebaut wird – und zwar die Anschlüsse für die privaten Pumpen, welche die Anlieger nicht wollen.

Mit dieser Lösung bliebe außerdem auch ein anderes Problem, sagen sie.

Bei Regen sammelten sich im Bischofswege oft große Mengen Wasser an. Manche Grundstücke könne man dann nur noch mit Gummistiefeln erreichen. Nach Meinung der Anlieger müsste das Regenwasser in das Abwasserkonzept mit eingebunden werden. Da die WSR das jedoch ablehnt, hofften die Hausbesitzer als letztes Zugeständnis darauf, dass die Hauspumpen von der WSR finanziert und auch gewartet werden. Olaf Terno sagte gegenüber der SZ jedoch, das sei keine Option. Dafür habe man nicht genügend Personal. Die Anwohner überlegen nun, ob sie mit juristischen Schritten gegen die Entscheidung vorgehen. Es gehe ihnen nicht darum, etwas zu verzögern, betonen sie. Aber sie hätten gerne eine in ihren Augen sinnvolle Lösung.