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Abwasserbau bereitet Anwohnern Sorge

Baustart verschoben, viele Fragen ungeklärt. Die Postaer fühlen sich schlecht vorbereitet auf die kommende Großbaustelle.

© Norbert Millauer

Von Christian Eissner

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Pirna. Verwirrung um den bevorstehenden Bau des Abwasserkanals in Oberposta: Die Stadtwerke hatten zunächst den 12.  März als Baustart angekündigt (SZ vom 7. Februar). Auf der Einwohnerversammlung im Elbparadies am Donnerstag vergangener Woche überraschte der Versorger die Anwohner allerdings mit der Mitteilung, dass dieser Termin inzwischen hinfällig sei und der Bau voraussichtlich im April beginne. Was stimmt denn nun?

Die Ausschreibung des Bauvorhabens habe tatsächlich kurzfristig aufgehoben werden müssen, bestätigen die Stadtwerke auf SZ-Nachfrage. Dies sei erst kurz vor der Einwohnerversammlung klar gewesen. Grund für den Ausschreibungsstopp sind laut Stadtwerken „erforderliche Änderungen im Leistungsverzeichnis“. Was konkret anders wird für die Baufirma, sagt der Versorger nicht. Nur so viel: Die Ausschreibung sei inzwischen ergänzt worden und bereits wieder veröffentlicht. Der voraussichtliche Baustart soll nun der 9. April sein. Immerhin: Die Straße bleibt damit zumindest Ostern befahrbar.

Den betroffenen Anwohnern in Oberposta macht der Kanalbau insgesamt große Sorgen, das wurde auf der Anwohnerversammlung deutlich. Während der Bauzeit muss die schmale Straße an der Elbe abschnittsweise gesperrt werden, Grundstücke sind zeitweise nicht mit dem Auto erreichbar. Auch die Umleitung über Mocke-thal und Wehlen nebst Ampelregelung am Wehlener Friedhof ist für die Betroffenen alles andere als komfortabel. 20 Minuten mehr Fahrzeit müsse man einplanen, sagt ein Postaer.

Aus Sicht der Anwohner blieben bei der Bürgerversammlung einige Fragen offen. Wie steht es zum Beispiel um die Erreichbarkeit der Grundstücke im Falle eines Rettungseinsatzes? Dazu sagen die Stadtwerke auf Nachfrage, es sei sichergestellt, dass Rettungsfahrzeuge den Baubereich jederzeit passieren können. Heißt: Die Bauleitung bekommt Bescheid, wenn ein Rettungsfahrzeug naht. Dann müssen die Arbeiter die Bagger beiseite fahren, die Baugrube schnell mit Stahlplatten abdecken und sicherstellen, dass Krankenwagen oder Feuerwehr durchkommen. Die Rettungsleitstelle werde über die besondere Situation in Oberposta informiert, versprechen die Stadtwerke.

Zwei Jahre Bauzeit

Um zu gewährleisten, dass die Grundstücke weitestgehend erreichbar bleiben, soll die Baugrube jeweils nur 12 bis 15 Meter lang sein, die Gesamtlänge des Baufeldes, also einschließlich der Geräte und Absperrungen, soll laut Stadtwerken 45 Meter nicht überschreiten.

Auf Bitten der Anwohner bringt die Wählervereinigung „Wir für Pirna – Freie Wähler“ die Postaer Abwasserbau-Problematik noch einmal aufs stadtpolitische Tableau. Es müsse sichergestellt werden, dass der Bau die Anwohner nicht über Gebühr belaste, sagt Stadtrat Thomas Gischke. Unklar sei zum Beispiel noch, wie der Schülerverkehr während der Bauzeit organisiert wird. Die betroffenen Eltern bräuchten Verlässlichkeit.

Der Kanalbau an sich lasse sich nicht mehr abwenden, auch wenn man über dessen Sinnhaftigkeit streiten könne, so Gischke, zumindest aber wolle „Wir für Pirna“ versuchen, den Anwohnern in weiteren wichtigen Punkten zu helfen: Zum einen müsse die Stadt alles tun, damit im Zuge des Abwasserbaus auch die Stromleitung im vorderen Teil von Oberposta unterirdisch mit verlegt wird. Zum anderen müsse die Stadt weiter mit der Telekom verhandeln, damit auch das Kabel fürs schnelle Internet in die Erde kommt.

Damit die Straße nach Ende der Bauarbeiten kein Flickenteppich bleibt, sei es darüber hinaus sinnvoll, im Stadthaushalt Geld für eine neue Schwarzdecke bereitzustellen. Dafür, sagt Thomas Gischke, wolle er im Stadtrat werben.

Der Bau des Abwasserkanals in Oberposta soll sich über zwei Jahre ziehen. Insgesamt wollen die Stadtwerke rund drei Kilometer Kanal sowie eine Druckleitung und Hausanschlüsse verlegen.