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Achtung, Baum fällt!

Eine Bernstädterin ist entsetzt über die Fällung einer alten Eiche. Aber es steht noch für viele weitere Bäume das Ende an.

© Matthias Weber

Von Susanne Sodan

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Simone Goldberg-Langner ist extra noch mal zu der Stelle zurückgefahren. Weil sie ihren Augen nicht traute, als sie neulich in Altbernsdorf unterwegs war. Die alte Eiche gegenüber dem Bauhof war weg. Übrig geblieben waren der Stumpf, ein paar Holzreste und die Tafel mit der Naturschutz-Eule, die immer an dem Baum hing. „Man hat das Gefühl, in letzter Zeit wird nur noch gefällt“, sagt Simone Goldberg-Langner.

Damit meint sie nicht nur Bernstadt mit seinen Ortsteilen. Für die Umgestaltung des Neumarktes in Löbau fielen zum Beispiel Anfang Oktober zwei rund 40 Jahre alte Zierkirschen. In Schönau-Berzdorf werden voraussichtlich für den Umbau der Sporthalle dieses Jahr einzelne Bäume fallen müssen. „Man liest es in der Zeitung, manchmal hört man die Sägen auch selber in der Umgebung“, sagt Simone Goldberg-Langner. „Es muss doch auch mal genug sein.“ Denn so mancher Baum, findet sie, steht schon länger als der Projektplan. Das plötzliche Ende der Altbernsdorfer Eiche hatte für sie den Ausschlag gegeben, bei der SZ anzurufen. „Ich war schon geschockt, als ich sah, dass der Baum weg war“, sagt sie.

Die Eiche an der Großen Seite in Altbernsdorf stand auf Privatgelände, erklärt Bernstadts Bauamtsleiter Marko Fröhlich. Genaue Infos liegen der Stadt deshalb nicht vor. „Soweit ich es weiß, ging es bei der Fällung um Verkehrssicherheit“, sagt Fröhlich. Landkreissprecherin Julia Bjar bestätigt, „dass die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Görlitz die Fällung der Eiche in Altbernsdorf aufgrund der Verkehrssicherheit genehmigt hat.“

Bis Ende Februar ist noch Fällperiode. Bis dahin wird die Eiche aber nicht der einzige Baum bleiben, der in Bernstadt fallen muss. Im Ortsteil Kunnersdorf trifft es 20 Pappeln am alten Sportplatz neben dem heutigen Jugendclubgebäude. Auch hier geht es um Verkehrssicherheit, die in dem Fall die Stadt gewährleisten muss. Das Problem mit den 20 Pappeln: „Ab einem bestimmten Alter werfen Pappeln permanent Äste ab“, erklärt Marko Fröhlich. Und dieses Alter haben die Bäume am alten Sportplatz erreicht. Ein Problem ist das auch deshalb, weil das Areal nicht völlig ungenutzt ist, sondern gelegentlich als Festplatz dient, zum Beispiel beim Hexenfeuer oder bei Veranstaltungen vom Jugendclub. Im Protokoll vom vergangenen Stadtrat informiert Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste) darüber, dass die Pappeln bis Ende Februar durch die Feuerwehr und den Bauhof gefällt werden.

Und auch an der Pließnitz werden voraussichtlich einzelne Bäume fallen – die ersten Arbeiten für den zweiten Abschnitt bei der Gewässerprofilierung der Pließnitz. Dabei geht es der Landestalsperrenverwaltung (LTV) darum, Gewässerprofil und Böschung möglichst wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen und beispielsweise Auflandungen vom Hochwasser 2013 zu beseitigen. Angefangen hatte die LTV damit vergangenes Jahr auf Bernstädter Flur. Ab Juni soll laut Stadtrat-Infos der Bereich zwischen „Am Wehr“ und der Einmündung „Weißbach“ in Altbernsdorf an der Reihe sein.

Simone Goldberg-Langner fragt sich trotzdem: Müssen es immer gleich Fällungen sein? „Würde es nicht manchmal auch reichen, die Bäume auszuästen?“ Zumal es viele Jahre dauere, bis Ersatzpflanzungen zu einem echten Ersatz gewachsen sind. „Vielleicht bin ich ja die Einzige, die noch so denkt, aber die Bäume gehören zu unserer Umgebung doch dazu.“